Geplantes Spitzengespräch Grüne bereiten sich vor
Jörg Nauke und Wolfgang Schulz-Braunschmidt, 01.09.2010 08:17 Uhr
 Foto: Zweygarth
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Stuttgart - Die Deutsche Bahn hat das von den Projektgegnern erwartete "Zeichen von Ernsthaftigkeit" nicht gesetzt. Die Abrissarbeiten am Nordflügel des Hauptbahnhofs gingen am Dienstag weiter – "sogar in verschärfter Form", hieß es in einer Mitteilung der Grünen im Landtag. Dennoch bereiten sich die Grünen auf die Aufnahme von Gesprächen mit den Stuttgart-21-Befürwortern vor, bei denen Ministerpräsident Stefan Mappus, Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und Bahn-Chef Rüdiger Grube dabei sein sollen. Es zeichnet sich zudem ab, dass von den sieben Sitzen der Gegner vier von Grünen-Politikern besetzt werden sollen. Zu den Anwärtern auf einen Sitzplatz zählen neben dem Fraktionschef Winfried Kretschmann, der zusammen mit Mappus zum Gespräch einlädt, der Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann und der Stuttgarter Ratsfraktionschef Werner Wölfle.

Die Idee, auch die Landesvorsitzende Silke Krebs ins Boot zu holen, wurde am Dienstag rasch verworfen. Aus dem Rennen ist der von Bahn-Chef Grube genannte Tübinger OB Boris Palmer. Er sagte auf Anfrage, ihm fehle dafür die Zeit. Es säßen aber genug Grüne am Tisch. "Wir haben den Eindruck, dass einigen Beteiligten der Ernst der Lage nicht klar ist", verlautbarten die Grünen gestern. Inoffiziell hieß es gestern, das erste Gespräch werde abgeblasen, falls die Bagger heute noch am Werk seien. Für die Projektgegner erscheint ein Abrissstopp auch deshalb möglich, weil die Bahn bei den Arbeiten im Gleisvorfeld viel langsamer vorankommt als geplant. Nach StZ-Informationen sind die Verzögerungen auf Grund zu geringer Planungskapazitäten beim Neubau der Leit- und Sicherungstechnik weiter gewachsen. Aus diesem Grund musste die Bahn die für das kommende Wochenende geplanten Arbeiten absagen.

Medieninteresse wird immer größer


Der Ersatzfahrplan sah vor, dass Fernzüge in Plochingen und Vaihingen/Enz statt im Hauptbahnhof halten. Nun fahren sie doch Stuttgart an. Der Baustellenkalender sieht in den nächsten drei Monaten keinen Nachholtermin vor. Die Bahn erklärte, "bei komplexen Großprojekten würden Bauablauf- und Terminpläne laufend überprüft und angepasst. Ihr Plan sehe "eine Kompensation entstandener Terminverschiebungen vor". Entscheidend sei, dass man bis Juli 2012 fertig werde. Die Parkschützer haben für Mittwoch um 14.30 Uhr zu einer Demonstration unter dem Motto "Mappus, stoppen Sie S21" vor der Villa Reitzenstein und einer Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz aufgerufen. Dazu werden mehr als 2000 Demonstranten erwartet. Die Bahn erklärte am Dienstag, dass der Planfeststellungsbeschluss für den neuen Hauptbahnhof vollständig umgesetzt werde. Darin werde ausgeführt, dass die Möglichkeit einer Erweiterung von acht auf zehn Gleise bautechnisch bestehe. Planänderungen seien nicht vorgenommen worden. Die Bahn reagiert damit auf einen StZ-Bericht und widerspricht ausdrücklich dem Vorstandsvorsitzenden der Deutsche-Bahn-Tochter DB Station & Service, André Zeug. Dieser hatte öffentlich erklärt, die Erweiterung sei nicht möglich und nicht nötig.

Die Grünen im Gemeinderat gehen allerdings davon aus, dass der Bahn-Vorstand wusste, wovon er redete. Dann aber habe sich die Bahn eigenmächtig über Festsetzungen im Planfeststellungsbeschluss hinweggesetzt. Es sei "eine erneute Bankrotterklärung der Tiefbahnhofbauer" und ein Verstoß gegen den Planfeststellungsbeschluss. Das Projekt erscheine rechtlich immer fragwürdiger. "Das Planfeststellungsverfahren steht auf immer wackligeren Füßen", erklärte Fraktionschef Werner Wölfle. Im Anhörungsverfahren für den geplanten Abstellbahnhof in Untertürkheim häuften sich zudem die Widersprüche. So seien etwa die vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen völlig unzureichend. Auch der von der Bahn vorgesehene Transport großer Mengen an Erdaushub über die Augsburger Straße sei ein schwerwiegendes Planungsdefizit. Die Gegner des Schienenprojekts können sich unterdessen über ein weiter wachsendes Medieninteresse freuen. So konnte am Dienstagabend der Schauspieler Walter Sittler in der Talkshow von Sandra Maischberger erläutern, warum er Stuttgart 21 ablehnt. Um seinen Auftritt zu erleben, versammelten sich gegen 23 Uhr laut Polizei 3000 Menschen vor dem Bahnhof.
Kommentare (1)
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SEP
08
Thomas Hirche, Stuttgart, 18:58 Uhr

Villa Reitzenstein & '21

Es waren etwa 500 Leute oben, auch ich habe "handgemalt" (möglichst) sämtliche Vorteile von K 21 (grün), Nachteile von S'21 (rot), Neutralitems (gelb) und Itemsorten (grau) auf 4 A3-Seiten (quer) knapp, aber hoffentlich vollständig, in die altrosa Petitionsbox gestopft, die dann mit vielen anderen Protestnoten hoffentlich den Adressaten Mr. Mappus erreicht haben. Für die, die nicht dabei waren: Jede Menge Schuhe wurden hinter das Absperrgitter, was dem zweiten, variablen Bauzaun am Nordflügel glich, geschmissen, gemäß dem Motto: "Ihr habt die Demokratie und uns, das Volk, mit Füßen getreten". Nach ca. einer Stunde, die Hauptmasse ist dieweil längst über die Richard-Wagner-Str., Sonnenbergstraße zur Olgastr. (Hohenheimer Str.), Neues Schloß und retour an den historischen Ort Nordausgang marschiert, wurden die Schuhe in blaue Plastiksäcke eingesammelt (neuer Zweck Altschuhverteilung/verwertung?). Bemerkenswert auch da die hohe Präsenz von Polizeibeamte und eine Trutzburg an Absperrungen. Daraus folgt: SOVIEL Angst muß offenbar der Souverän schon vorm einfachen Volk haben. Auch Mr. Schuster dauernd in Chile & Rathaus abwesend. Spricht Bände und für eine reife (Sturm-)Zeit. Und legt Parallelen zum Nordflügel ("Schuttangst!!") Salem!