Gerberfest und Stadtumbau Die Tübinger Straße hat wieder Zukunft

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Es ist eigentlich nur ein neuer Straßenbelag - und doch dürfte er die Tübinger Straße vollkommen verändern. Anwohner und Geschäftsleute jedenfalls setzen größte Hoffnungen auf den neuen „Shared space“ und feierten ihren Neustart beim Gerberfest.

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Stuttgart - Es ist eigentlich nur ein neuer Belag – und doch dürfte er die Tübinger Straße vollkommen verändern. Das zeichnete sich am Samstag bei der Eröffnung schon ab. Von der Querspange bis zur Sophienstraße ist die Tübinger Straße nun in etwas verwandelt worden, wofür es gar kein richtiges deutsches Wort gibt: „Shared space“ (geteilter Raum) nennen die Planer die aus den Niederlanden stammende Verkehrsidee, eine Straße so umzugestalten, dass Autofahrer, Fußgänger und Radler sie gleichberechtigt nutzen. Wolfgang Schanz, der Chef des Tiefbauamts, hat den Begriff mit „Mischverkehrsfläche“ übersetzt; prickelnd ist auch dieses Wort nicht.

Das, was in der Tübinger Straße nun zu besichtigen ist, aber umso mehr. Ein Asphaltband in der Mitte der Straße markiert den Bereich, der künftig den Autos vorbehalten ist; es ist so schmal, dass man abwarten muss, ob sich die Autofahrer überhaupt in die Tübinger Straße hineintrauen. „Es könnte sich so ähnlich entwickeln wie in der Bolzstraße“, meinte Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle: „Da fahren auch nur noch jene, die unbedingt ihr Gefährt vorführen wollen.“ Links und rechts des Asphaltbandes sind breite, mit weißem Pflasterstein ausgelegte Flanierbereiche entstanden. In riesigen Metalltrögen stehen Schatten spendende Bäume, am Delphi-Kino begrenzen lange Bänke diese Tröge. Fast alle Verkehrsschilder sind verschwunden, ebenso wie die 37 Parkplätze. Das war Pflicht, um den Raum für die Fußgänger übersichtlich zu halten; es öffnet aber auch den Blick in die Straße hinein.

Große Hoffnungen bei Anwohnern und Geschäftsleuten

Und der ist so, dass die Anwohner und Geschäftsleute größte Hoffnungen auf den neuen „Shared space“ setzen. Bisher sei die Tübinger Straße so von den Autos belastet gewesen, dass man als Fußgänger schnell durchgegangen sei, sagte Kienzle: „Jetzt schaut man erstmals auf die Hausfassaden und ist überrascht, wie schön sie sind.“ Fast alle Inhaber der Läden an der Tübinger Straße sind glücklich über die Aufwertung. „Bisher war dies eine schlechte 2B-Lage“, meint Wolfgang Volkmann, der Chef von E+H Meyer: „Die Verbesserung ist gut für die Menschen hier. Im Gegensatz zu anderen Straßen sind die Geschäfte noch nicht austauschbar.“ Auch Pat Kallas, Inhaber einer Modeboutique, und Tamer Bilgi, der Chef der Espressobar „Mocca“, sind begeistert von der neuen Straße. Sie haben vor kurzem eine Initiative gegründet und wollen gemeinsam mit den Handelstreibenden jährlich ein Fest veranstalten. So gab es am Samstag nicht nur staatstragende Reden, sondern auch schmissige Musik.

Auch Phoenix, der Entwickler des im Bau befindlichen nahen Einkaufszentrums „Gerber“, hat sich an den Kosten für das Fest beteiligt. Das stimmt manche Handelstreibende etwas zuversichtlicher, dass sich Großer und Kleine nach der Eröffnung der Shopping Mall im Jahr 2014 vertragen. Denn es gebe durchaus Befürchtungen in der Tübinger Straße, so Veronika Kienzle, dass das große Einkaufszentrum die kleinen Läden erdrücke.

Citymanager will Gerberviertel stärker an die City anbinden

Hans H. Pfeifer, Citymanager und SPD-Stadtrat, sieht das nicht so. Mit der neuen verkehrsberuhigten Zone und mit dem Gerber kämen deutlich mehr Menschen in die Tübinger Straße: „Es liegt jetzt auch an den Geschäftsleuten, etwas daraus zu machen.“ Eine Aufwertung komme zudem durch den Trekkingausrüster Globetrotter, der 2014 als Ankermieter in das etwas verwaiste Tübinger Carré (ehemals Eberhardpassagen) einziehen will.

Pfeifers Ziel ist es im Übrigen, das Gerberviertel wieder stärker an die Innenstadt anzubinden. Dazu sei es wichtig, die Eber-hardstraße im Bereich des Tagblattturmes umzugestalten, damit sie für Fußgänger attraktiver wird: „Dann könnte es zu einem neuen Rundlauf vom Gerber über die Eber-hardstraße zur König- und Kronprinzstraße kommen“, sagt Pfeifer. Man könne dadurch aber auch einen deutlichen Schwerpunkt setzen gegen das ebenfalls im Bau befindliche Einkaufszentrum Milaneo ­im Europaviertel.

Weitere Investitionen sind bereits geplant. Der Bezirksbeirat hat durchgesetzt, dass entgegen früherer Planungen der „Shared space“ in der Tübinger Straße weitergeführt wird bis zur Paulinenbrücke; im nächsten Jahr soll dieser Abschnitt angegangen werden. Auch die Marienstraße werde aufgewertet, sagte Wolfgang Schanz. Bisher leide die Fußgängerzone dort unter den vielen Spielhallen, sagte Veronika Kienzle: „Da werden unglaublich hohe Mieten gezahlt, so dass sich normale Geschäfte kaum noch ansiedeln können. Durch einen schöneren öffentlichen Raum wollen wir gegensteuern.“ Insgesamt investiert die Stadt nochmals drei Millionen Euro, zusätzlich zu den 1,2 Millionen Euro, die der jetzt eröffnete erste Abschnitt an der Tübinger Straße gekostet hat.

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19 KommentareKommentar schreiben

@japaner: danke für den kommentar - mir geht diese dauermeckerei inzwischen auch sowas auf den geist. alles wird nur negativ gesehen. alles ist schlecht. und alles muss in den schmutz gezogen werden. dass es menschen gibt die andere lebensentwürfe haben und dinge gut finden, die andere nicht gut finden - das ist leben. das ist vielfalt. und somit per se positiv für ein städtisches leben. alles andere ist graue einfalt. und ausgrenzend.

Da braucht sich doch keiner zu beschweren.: Nicht wahr. Kommerz-Kritik wird dem wohl immer untergeordnet werden. In Stgt.. Umsowichtiger.

Tübinger Straße: Ist schön geworden, der Shared Space. Aber als Anwohner der Straße gehe ich JEDE Wette ein (und werde schon bestätigt), dass wir in Zukunft leider mit den gleichen Problemen konfrontiert werden, die man beseitigen wollte: + nächtliches 'Crousing' der Türsteherszene in ihren AMG Daimlern lässt sich jetzt noch publikumswirksamer gestalten. + Tag 2 nach der Eröffnung: die Autos parken schon auf dem Fussgängerbereich - klar, da stehen ja auch keine Poller. Kommen da noch welche hin? + und da ja abends keine Politessen unterwegs sind wird sich das jetzt ganz schnell rumsprechen und wir werden ab sofort eine hübsche Automobilausstellung erleben. Denn wo kein Kontrolleur, da viele Sünder. Das wird leider so kommen, denn die Natur holt sich alles zurück.

Leben und leben lassen: Warum kommt es eigentlich den Berufsgrantlern hier nicht in den Sinn nach diesem Motto zu respektieren, dass es Menschen gibt, denen genau diese Art von Freizeitgestaltung gefällt, ob sie nun aus Stuttgart oder seinem 'Speckgürtel' stammen - beides ist wichtig für Stuttgart. Das Angebot gibt es doch nur aufgrund der Nachfrage und die gibt es offenbar. Das Schlimme ist meiner Meinung nach die Intoleranz, die in den Kommentaren zu fast jedem Thema in dieser Zeitung an den Tag gelegt wird, vor allem auch vom 'typischen Gegner', der sich für solche Events ja nicht zu interessieren bräuchte. Man sollte langsam mal einsehen, dass diese 'Alles-Verhinderer' hier im wahren Leben (also nicht hier im Netz) eine winzige Gruppe bilden.

@ Hans Borsig: Ich glaube, Sie waren noch nie außerhalb Stuttgarts... Stuttgart ist im Vergleich zu vielen, vielen anderen Großstädten eine der saubersten Stäfte der Welt... Meckern auf allerhöchstem Niveau...

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