Gerichtsverhandlung in Ludwigsburg Kinderpornos: Mann hortet 20 000 Dateien

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Das Amtsgericht hat einen 45-jährigen Remsecker zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Mann hatte ungeheure Mengen kinderpornografischer Fotos und Videos gesammelt – und kann sich das nach eigener Aussage selbst nicht erklären.

Das Ludwigsburger Amtsgericht hat einen 45-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er Kinderpornos gesammelt und verbreitet hat. Foto: dpa
Das Ludwigsburger Amtsgericht hat einen 45-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er Kinderpornos gesammelt und verbreitet hat.Foto: dpa

Ludwigsburg - Exakt 19 760 kinderpornografische Fotos haben die Ermittler auf dem Computer des Angeklagten gefunden, dazu noch 1116 Videos – eine ungeheure Menge mit furchtbarem Inhalt. Der Staatsanwalt berichtete in der Verhandlung vor dem Ludwigsburger Amtsgericht, dass auf den Fotos und Videos zu sehen sei, wie sich Männer an Jungen und Mädchen vergingen, an Zwölfjährigen, Fünfjährigen, Säuglingen. 23 Dateien hatte der Angeklagte, ein 45 Jahre alter Mann aus Remseck, sogar ins Internet hochgeladen, um sie zu verbreiten. „Warum macht man so etwas?“, fragte der Richter. „Ich kann es mir auch nicht erklären“, antwortete der 45-Jährige.

Der Angeklagte legt sofort ein Geständnis ab

Der Mann ist geschieden, hat selbst keine Kinder. Und er gibt sich einsichtig, weshalb die Verhandlung am Mittwoch schnell vorbei war. Das Urteil: ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Außerdem muss er 2000 Euro an ein Kinderhospiz überweisen. Sein Mandant habe erkannt, dass „bei ihm eine Problematik besteht“, sagte der Verteidiger. Diese beziehe sich aber nur auf die virtuelle Welt. „In der Realität würde er das nie ausleben.“

Der 45-Jährige muss sich für den „Besitz und die Zugänglichmachung“ von Kinderpornografie verantworten, nicht für sexuellen Missbrauch. „Solche Vorwürfe stehen nicht im Raum“, betonte der Richter. Dennoch forderte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung. Er sei kaum vorstellbar, dass jemand pädophile Triebe so sehr unter Kontrolle habe, dass er sie ausschließlich virtuell auslebe, sagte er.

Der Richter glaubt an eine positive Sozialprognose

Der Verteidiger argumentierte, dass sein Mandant nicht vorbestraft sei und sich stets kooperationsbereit gezeigt habe, außerdem eine „vorzügliche Vita“ aufzuweisen habe. Das Gerichtsverfahren sei abschreckend genug gewesen. „Der wird sowieso keine Straftaten mehr begehen.“ Der Angeklagte selbst versicherte in seinem Schlusswort, er „vermisse diese Dateien nicht“ und „werde sicher nicht rückfällig“.

Auch der Richter glaubt an eine positive Sozialprognose, fand aber in der Urteilsbegründung deutliche Worte. Letztlich würden derartige Bilder hergestellt, um den entsprechenden Markt zu bedienen. Hinter jeder dieser Dateien stecke ein missbrauchtes Kind, weshalb dem Angeklagten klar sein müsse, dass auch er ein „Rädchen in diesem System“ sei.

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