Gesundheit Die Zigarette, die eigentlich keine ist
Klaus Zintz, 27.01.2012 07:10 Uhr
Imitat: ein LED-Licht in der E-Zigarette gaukelt klimmenden Tabak vor. Foto: dpa
Imitat: ein LED-Licht in der E-Zigarette gaukelt klimmenden Tabak vor. Foto: dpa
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Stuttgart - Als rauchfreie Alternative zum herkömmlichen Glimmstängel wird sie nach Kräften angepriesen, die elektrische oder auch elektronische Zigarette. Und als wesentlich gesündere dazu: weil der austretende Rauch in Wahrheit Wasserdampf ist, inhaliert man beim Ziehen an der E-Zigarette weit weniger Giftstoffe als mit dem Tabakrauch. Dieser enthält etwa 7000 chemische Verbindungen, wie der Lungenexperte Martin Kohlhäufl berichtet, der Chefarzt an der Stuttgarter Klinik Schillerhöhe ist. 70 davon können Krebs erregen. Wenn beim Dampfen einer E-Zigarette aber kein Rauch entstehe, so die Argumentation der "Elektroqualmer", gebe es auch keine Gefahr - weder beim Dampfen selbst, noch beim passiven Mitdampfen. Der Hersteller eines solchen Geräts wirbt auf der Verpackung gar mit dem (englischen) Hinweis: "Rauchen schadet der Gesundheit - Die E-Zigarette ist gut für die Gesundheit".

Also alles prima für die 1,2 Millionen Konsumenten, die, so glauben die Hersteller, hierzulande bereits elektronisch qualmen? Keineswegs, urteilt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Für Katrin Schaller von der DKFZ-Stabsstelle für Krebsprävention und vom WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle ist die E-Zigarette "ein problematisches Produkt". Ein wichtiges Argument der Krebsforscher gegen die elektrische Dampferei ist die unklare medizinische Lage: Langfristige gesundheitliche Nachteile seien keineswegs auszuschließen. Nach wie vor gilt, dass Nikotin giftig ist und abhängig macht. "Das suchterhaltende Potenzial ist gleich wie bei der Zigarette", gibt Martin Kohlhäufl zu bedenken. Zudem sind die im Dampf nikotinhaltiger E-Zigaretten nachgewiesenen Nitrosamine Krebs erregend.

Die Gefahren sind noch unklar

Problematisch ist auch der Hauptinhaltsstoff Propylenglykol, der industriell auch als Frostschutzmittel eingesetzt wird. Er werde zwar meist als ungiftig eingestuft, so das DKFZ, könne beim Inhalieren aber die Atemwege reizen. Zugelassen ist er als E 1520 für Aromen und Nahrungsergänzungsmittel in Kapseln und Tabletten, also für die "orale Aufnahme". Ergänzend verweist die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie auf eine Studie mit 30 Rauchern. Demnach waren nach fünf Minuten Inhalieren auffällig häufig die Atemwege durch Propylenglykol eingeengt. Ungeklärt ist bisher, ob auch das "Passivmitdampfen" schädlich ist. Auch das Argument, dass der elektronische Glimmstängel bei der Raucherentwöhnung helfen könne, wird vom DKFZ skeptisch gesehen: ein solcher Nutzen sei nicht erwiesen.

Hinzu kommen erhebliche rechtliche Probleme. Wenn die elektrische Zigarette mit Nikotin "geraucht" wird, ist sie laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als Arzneimittel einzustufen. Als Begründung führt die Behörde an, dass Nikotin eine pharmakologische Substanz sei. Und dass davon auszugehen sei, dass beim Benutzen der E-Zigarette eine pharmakologisch wirksame Menge aufgenommen werde, weil sonst die beabsichtigte Wirkung - nämlich die Befriedigung des Verlangens nach Nikotin - nicht erreicht werde. Die Folge: es bedarf eines entsprechenden aufwendigen Zulassungsverfahrens, bei dem in klinischen Studien die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit dieser "Arznei" festzustellen ist. Und als Arzneimittel muss der Verkauf von E-Zigaretten über Apotheken laufen.

So verwundert es nicht, dass erste Bundesländer bereits aktiv geworden sind. Schließlich ist Gesundheit Ländersache. In Bayern etwa ist laut DKFZ der Handel mit E-Zigaretten seit Längerem untersagt. In jüngster Zeit haben Nordrhein-Westfalen und Bremen das Produkt für illegal erklärt, in Berlin gilt ein Verkaufsverbot. In einigen Ländern ist die E-Zigarette verboten, darunter in der Türkei und sogar in China. Nun will sich die EU europaweit um das Problem kümmern.

Kommentare (43)
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FEB
20
Olaf, 10:11 Uhr

Was denn nun?

Seit Wochen/Monaten verfolge ich nun die Diskussion um und Kritiken an E-Zigaretten. Bisher konnte ich nur eine klare Aussage finden: E-Zigaretten könnten schädlich sein und müssen daher verboten werden. Zigarettenrauch ist definitiv schädlich und enthält nicht nur Nitrosamine sondern mehrere tausend Gifte, viele davon Krebserregend. Solange nicht definitiv berichtet werden kann, dass die E-Zigarette schädlicher oder vergleichbar schädlich wie Tabakzigaretten ist, muss man sie meines Erachtens als wertvolle Alternative betrachten. Die aktuellen Diskussionen halte ich im höchsten Maße für unseriös, kein Wunder, dass viele Leser denken, dass hier ausschließlich finanzielle Interessen, unter dem Deckmantel der Sorge um unsere Gesundheit, vertreten werden. Ich warte gespannt auf den Tag an dem erste echte Erkenntnisse veröffentlicht werden und frage mich ob das, was sinnvoll wäre, vor irgendwelchen Verboten oder Verteufelungen geschehen wird. Lieber bin ich unsicher ob, als dass ich mich wissentlich vergifte!

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FEB
10
smokerin, 12:11 Uhr

die e zigarette

so langsam muß es doch gut sein !wenn das dampferutensil in die apohteke soll kann es ja nicht sooooo schlecht sein . im übrigen vertreiben es ja schon einige apohteker was soll ich euch sagen , da ist das gleiche drin wie in den frei käuflichen !!!! nur teuer (warum eigentlich ) der smokerverband klärt alle dampfer vorher auf was gedampft wird und es ist tatsächlich eine gute Sache im Vergleich zur normalen zigatette :Keiner der smoker sagt ,:Das sei gesund :;aber eine tragbare lösung zur schadstoff reichen zigarette .

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JAN
30
Ingo, 20:47 Uhr

Besser Recherchieren

Hallo, copy und Paste auch hier wieder. In China ist die e-Zigarette nicht überall verboten.

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