Gesundheitspolitik Viele Kliniken leiden an Personalnot

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Die Gewerkschaft Verdi beklagt eine Überlastung der Pflegekräfte an den Krankenhäusern und fordert vom Gesetzgeber Gegenmaßnahmen. Besonders nachts mache sich eine Unterbesetzung bemerkbar – nicht so am Stuttgarter Klinikum, sagt dessen Personalchef.

Stuttgarter Klinikmitarbeiter haben unlängst im Rathaus ihre Furcht vor Stellenabbau und Überlastung kundgetan. Foto: Lg/Max Kovalenko
Stuttgarter Klinikmitarbeiter haben unlängst im Rathaus ihre Furcht vor Stellenabbau und Überlastung kundgetan.Foto: Lg/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Gewerkschaft Verdi plant für den 24. Juni eine bundesweite Krankenhauskundgebung. Am gleichen Tag beginnt in Bad Dürkheim die 88. Gesundheitsministerkonferenz. Verdi hofft, dass 162 000 Beschäftigte zur selben Uhrzeit für zehn Minuten den Personalnotstand sichtbar machen. Denn laut Verdi fehlen in den deutschen Krankenhäusern eben diese 162 000 Stellen, um eine „anständige Versorgung“ zu gewährleisten.

Jüngst hatte die Gewerkschaft in bundesweit 225 Kliniken – darunter 28 aus Baden-Württemberg – einen „Nachtdienstcheck“ vorgenommen. Dort wurde festgestellt, dass es zu wenig Stellen für Pflegekräfte und andere Beschäftigtengruppen gibt. Nachts sei die Personaldecke besonders dünn: In der Regel sei auf einer Normalstation nur eine Pflegekraft anwesend. Je nach Größe der Station betreue diese Pflegekraft maximal bis zu 40 Patienten.

Verdi fordert Schlüssel zur Personalbemessung

Ziel der Gewerkschaft ist nun ein gesetzlicher Schlüssel zur Personalbemessung. Das von einer Bund-Länder-Kommission präferierte Pflegeförderprogramm bringe lediglich eine Pflegekraft mehr pro Klinik – damit sei das Problem nicht zu lösen, wird kritisiert. Voraussetzung sei eine verbesserte finanzielle Ausstattung: Von den vier Milliarden Euro, die die anstehende Krankenhausreform kosten solle, müsse mehr als die bisher geplanten 660 Millionen Euro beim Personal ankommen.

Reinhard Schimandl, Personalleiter am Klinikum Stuttgart, hält einen allgemeingültigen Personalschlüssel für unrealistisch. „Dazu sind die Bedarfe zu unterschiedlich“, sagt er. „Man müsste den Schlüssel an ganz vielen Faktoren festmachen, damit er auf jedes Krankenhaus und jede Station passt.“ Wie Verdi dies erreichen wolle, wisse er nicht. Man müsste die Patienten genau klassifizieren, das habe jedoch schon früher nicht funktioniert.

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2 KommentareKommentar schreiben

Verdi ver(w)irrt: Da scheinen die sozialistischen Fantasien der Funktionäre mit ihnen durchzugehen. Um den von ihnen "vertretenen" Menschen eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie (ein Zeitgeistthema, dem manche alles unterordnen) zu ermöglichen, braucht es also einen Schlüssel. Faktisch bedeutet das, die Einrichtungen brauchen einen möglichst kalkulierbaren "Input" an gleichförmigem "Material", anders lässt sich so ein System mit einem fixierten Arbeitsende nicht aufrecht erhalten. Das erklärt meiner Meinung nach bereits heute die vielen anstrengenden, aber oft ergebnisoffenen Untersuchungen, wie zum Beispiel die unzähligen Darmspiegelungen. Es hilft nichts, den überlasteten Mitarbeitern mehr Geld zu geben. Wir brauchen ein System, das sich verpflichtet, die Menschen bestmöglich zu versorgen. Diejenigen, die sich in so einem System engagieren, werden dann auch angemessen entlohnt. Definitiv. "Nur die Götter gehen zugrunde, wenn wir gottlos sind" (Konstantin Wecker).

Darmspiegelungen?: Hüft-OP´s, Lungenerkrankungen. Lässt Munsando doch grüßen? Was ist mit der Pharma-Lobby, die hier mit am Strick reisst? Kommt, hört mir doch alle miteinander auf. Krankenhäuser sind verkrätzt und verkeimt, die Mitarbeiter pfeiffen aus den letzten Löchern, die Ärzte sparen und Du als Patient...............Du bist und bleibst schlicht und ergreifend nur eine Nummer, die irre Geld bringt. Wetten, dass wir bald griechische Verhältnisse bekommen? Meine Freundin in Griechenland hat mir erzählt, dass ihre Mutter, nachdem sie an beiden Knien operiert wurde, von der Familie im Krankenhaus gepflegt werden musste, weil das Personal fehlt. Der Arzt kam nur kurz gegen Abend zur Visite. Ab der Entlassung waren sie auf sich gestellt und wie die Omi an zwei Krücken in den 3.Stock ohne Aufzug kommt, ist scheißegal. Aber die zwei Knie-OP´s haben gutes Geld gebracht. Noch Fragen? Gruß zum Sonntag vom Motzkigele

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