Gesundheitsstudie Lieber unter Freunden leben
Tanja Volz, 28.07.2010 07:18 Uhr
Nicht nur wer raucht und sich schlecht ernährt, erhöht sein Gesundheitsrisiko. Auch einsame Menschen werden schneller krank. Foto: dpa
Nicht nur wer raucht und sich schlecht ernährt, erhöht sein Gesundheitsrisiko. Auch einsame Menschen werden schneller krank. Foto: dpa
""Wer mit einer Gruppe verbunden ist und sich für andere Menschen verantwortlich fühlt, achtet auch mehr auf sich selbst und geht weniger Risiken ein.""
Julianne Holt-Lunstad, Brigham Young University Utah

Provo (UT) - "Alles ist weggebrochen: Zuversicht, Freude, Rückhalt. Ich lebe isolierter denn je und habe keinerlei Vertrauen mehr in die Menschheit und schleppe mich durch ein Leben, das keines ist." Solche Einträge im Internet machen deutlich, wie viele Personen sich einsam und völlig verlassen fühlen. Das ist nicht nur schlimm für jeden einzelnen einsamen Menschen, es ist auch gesundheitspolitisch relevant. Denn wer einsam ist, wird krank. Einsamkeit ist nach einer neuen wissenschaftlichen Meta-Analyse etwa so schädlich wie Rauchen oder Fettsucht. Daher, so raten Forscher, sollte vom Arzt das soziale Umfeld ebenso ernst genommen werden wie der Tabakkonsum, das Ernährungsverhalten und die sportlichen Aktivitäten eines Patienten.

Wissenschaftler von der Brigham Young University im amerikanischen Bundesstaat Utah haben fast 150 Studien mit Daten von mehr als 300.000 Menschen aus westlichen Ländern zum Sterberisiko analysiert. Demnach ist der Mangel an sozialen Beziehungen für die Gesundheit genauso schädlich wie das Rauchen von 15 Zigaretten am Tag und doppelt so schlimm wie Fettleibigkeit, schreiben die Forscher im Online-Journal "Plos Medicine". Ein weit gespanntes soziales Netz hingegen verringere die Sterberate um die Hälfte. Dieser Effekt gelte unabhängig vom Alter, Geschlecht oder sozialem Status.

Dabei darf Einsamkeit nicht mit dem Dasein als Single verwechselt werden. Auch jahrelang verheiratete Paare mit Kindern leben nicht selten einsam nebeneinander her. Vielmehr sei ausschlaggebend, wie intensiv und zugewandt die Kontakte zu Freunden, Verwandten und Bekannten gepflegt werden: "Wer mit einer Gruppe verbunden ist und sich für andere Menschen verantwortlich fühlt, achtet auch mehr auf sich selbst und geht weniger Risiken ein", sagt Julianne Holt-Lunstad, eine der Leiterinnen der Studie.

Sozialer Kontakt schütze nicht nur vor Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen samt ihren körperlichen Folgen. Vielmehr stärke das Leben im Freundeskreis das Immunsystem. Auch der Umgang mit Stress, der sich schließlich auf Herz und Kreislauf auswirkt, sei unter Freunden besser. Daher gilt: wer sein soziales Umfeld hegt und pflegt, lebt länger, gesünder und vor allem glücklicher.
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