Stadtkind Stuttgart

Getränke-Start-Up aus Stuttgart: Stiefkind Apfelsaft kann auch Lifestyle

Von Tanja Simoncev 

Für ihren Apfelsaft "Stiefkind" heimst Magdalena Schneider einen Preis nach dem anderen ein. Wir haben mit der Wahl-Stuttgarterin über die Geschichte des Lifestyle-Produkts und die Zukunft des erröteten Apfelsafts gesprochen.

Stiefmama Magdalena Schneider freut sich, dass ihr Baby, das Stiefkind-Schorle, so gut im Café Poffers angenommen wird. Foto: Tanja Simoncev 7 Bilder
"Stiefmama" Magdalena Schneider freut sich, dass ihr Baby, das Stiefkind-Schorle, so gut im Café Poffers angenommen wird. Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Rot angelaufen, sauer und anders kommt das "Stiefkind" daher - ein Apfelsaft, dessen Marketing-Konzept an der Hochschule der Medien (HdM) entwickelt wurde und mittlerweile mehrfach preisgekrönt ist. Dahinter steht die immer mal wieder "Lady in Red" Magdalena Schneider, der es gelang, innerhalb ihres Masterstudiums, Apfelsaft für Hipster schmackhaft zu machen und es damit in ein Lifestyle-Produkt zu verwandeln. Vor zwei Wochen wurde die 28-Jährige, die im Stuttgarter Osten lebt, ursprünglich aber aus Edingen in der Kurpfalz stammt, dafür vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Deutschen Innovationspreis Gartenbau ausgezeichnet.

Denn süß kann jeder

Um was geht es? Da wäre zum einen dieser rote Apfelsaft, der säuerlich als reines Naturprodukt ohne Zuckerzusatz und andere Zusatz- bzw. Konservierungsstoffe daherkommt. Dann ist da noch Magdalenas Vater Georg Schneider, der als Obstbauer die besondere Apfelsorte aus Frankreich, die eine Kreuzung aus rotfleischigem Zierapfel und gelbem Essapfel ist, nach Deutschland brachte. Und zu guter Letzt steht Magdalena mit ihrer Agentur für Kommunikation "Die Buben" und einem ausgefeilten Marketing-Konzept dahinter. Doch wie ergab sich daraus ein großes Ganzes?

Zurück auf Anfang. Magdalena kam vor fünf Jahren nach Stuttgart und absolvierte von 2011 bis 2013 ihren Master in Unternehmenkommunikation an der HdM. "Während des Masters hatten wir viele Projekte", berichtet die Marketing-Strategin. Im Hinterköpfchen habe sie stets den Betrieb ihres Vaters gehabt und sei schließlich auf die Idee gekommen, dass der Saft der speziellen französischen Apfelsorte auch mal abgefüllt werden sollte. Sidefact: Das Problem bei dem roten Apfelsaft ist, dass die Äpfel nicht lagerbar sind und gleich verwertet werden müssen. Mit dem Apfelsaft in einer Glasflasche macht sich die "Stiefmama" schließlich auf zu Christoph Häberle, dem Professor für Packaging Design an der HdM. "Ich habe ihn dann einfach gefragt, ob wir daraus nicht ein Projekt machen könnten. Er probierte und meinte nur: Ja okay, schnapp' dir zehn Studenten und los geht's."

Etwa ein Jahr lang entwickelte ein Team aus Packaging-Designern, Grafik-Designern und Unternehmenskommunikationern das Konzept für Stiefkind samt Logo "und ich habe es dann im Rahmen meiner Masterarbeit umgesetzt", so Magdalena. Die 28-Jährige habe unter anderem die Etiketten gestaltet und die finale Flasche ausgesucht. "Und so bin ich am Ende meines Masterstudiums mit dem fertigen Produkt aus der Uni hinausspaziert und habe direkt begonnen, es zu vertreiben, habe mich mit meiner Agentur 'Die Buben' selbstständig gemacht und mich auf Grafik-Design, Web-Videos und Strategie-Konzepte bzw. Marken-Strategien spezialisiert", so die Wahl-Stuttgarterin.

Papa, Preise, Produktionssteigerung

Beim Projekt an der HdM sei zunächst Papa Schneider der Kunde gewesen, mit dem man die Produktentwicklung abgesprochen habe. Schließlich sei seine Geschichte auch ausschlaggebend für die Namensgebung gewesen. Die entscheidende Frage war: Wie kam dieser spezielle Apfel eigentlich in die Schneider-Familie? Während seiner Ausbildung hatte Georg Schneider ein Auslandsjahr in Frankreich verbracht und die rotfleischigen Äpfel das erste Mal gesehen. Sein französischer Lehrmeister, der diese zum Färben von Lebensmitteln verwenden wollte, habe sie schließlich vernichten wollen, weil sie ihm für sein Vorhaben nicht nützten. Daraufhin nahm sie Papa Schneider mit nach Deutschland und damit in die bestehende gelbe Apfel-Familie. "Und weil es ein Mitbringsel war und nur ein 'Elternteil' zu den Essäpfeln gehört, verhält es sich apfelfamiliär wie ein Stiefkind", erklärt Magdalena.

Und dieser rebellische Familienzuwachs hat Familie Schneider nicht nur viel Freude, sondern auch schon vier Preise beschert. 2013 gabs zwei Taspo Awards, die Oscars der grünen Branche, für die beste Marketing-Aktivität und den besten Internet-Auftritt, 2015 kam der Marketing-Preis Rhein-Neckar in der Kategorie Young Professionals dazu und vor zwei Wochen gesellte sich der Deutsche Innovationspreis Gartenbau dazu. Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens würdigte unter anderem die Konzeption und Markteinführung des innovativen Apfelsaftproduktes.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wo man das errötete Säftle denn mal probieren kann? Zunächst wurde Stiefkind, wie könnte es auch anders sein, an der Stuttgarter Hochschule verkauft, fand über eine Freundin Magdalenas später aber auch den Weg in das beliebte Café Poffers am Kernerplatz. Bisher ist es das einzige Lokal in Stuttgart, das den Saft verkauft. "Wir arbeiten daran die Produktion zu steigern", verspricht Magdalena. Und das muss die Schneider-Familie auch, denn Stiefkind war bereits zum vierten Mal ausverkauft.

Zeitnah kann man im Poffers auch wieder roten Apfel-Kuchen und rotes Apfelmus probieren, neben der Stiefkind-Schorle, die seit 2013 auf dem Markt ist. "Mein persönliches Highlight ist, wenn ich am Poffers vorbeilaufe und die Leute Stiefkind trinken, dann denke ich immer: Das ist mein Baby. Dann würde ich am liebsten fragen: Und schmeckt's?", freut sich die Stiefmama.