Stuttgart - Es ist ein weiterer Schritt in der festen Abfolge von Beschlüssen, doch schon jetzt ist klar, dass die Empfehlung des IG-Metall-Vorstandes der konkreten Forderung entsprechen wird. 6,5 Prozent strebt die Gewerkschaft in der Anfang März beginnenden Tarifrunde an. Der endgültige Vorstandsbeschluss am 24. Februar ist damit nur noch Formsache. Schon vor zwei Wochen hatte die Große Tarifkommission in Baden-Württemberg die Messlatte auf diese Höhe gelegt. Die Gewerkschaft zeigt sich somit geschlossen.
Zu den gewohnten – und nur 2010 außer Kraft gesetzten – Ritualen gehört auch die Reaktion der Arbeitgeber. „In dieser Höhe ist die Forderung für uns nicht nachvollziehbar“, sagt Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Maximal drei Prozent könne die Gewerkschaft mit wirtschaftlichen Kennziffern begründen. Für die restlichen 3,5 Prozent gebe es keine belastbare Grundlage. Der Verbandschef erinnert daran, dass die Tariflöhne 2008 um 1,7 Prozent, 2009 um 4,2 Prozent und 2011 um 2,7 Prozent erhöht worden seien. Hinzu kämen tarifliche Einmalzahlungen, betriebliche Prämien und Boni. Während die Produktion der Metall- und Elektroindustrie erst im Herbst 2011 das Vorkrisenniveau von 2008 erreicht habe, seien die Tariflöhne seither um rund neun Prozent gestiegen – die Verbraucherpreise hingegen um 6,5 Prozent. Die Mitarbeiter hätten also ein spürbares reales Plus in der Tasche.
Die Wissenschaft streitet mit
Ähnlich wie die Tarifparteien heben die ihnen nahestehenden Wissenschaftsinstitute zum Streit an. So hält der Tarifexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Hagen Lesch, einen Nachschlag für fehl am Platze. Während der Krise 2008/09 habe es Lohnerhöhungen gegeben, obwohl dafür eigentlich kein Spielraum gewesen sei. Problematisch werde es für die Unternehmen, wenn sich die Lohnerhöhungen nicht nur am gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsanstieg orientierten, sondern noch ein Inflationsausgleich draufgeschlagen werde. Wegen der Konjunkturabkühlung werde es den Unternehmen schwerfallen, die höheren Kosten auf die Exportkunden abzuschieben. Auf der anderen Seite hält das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) kräftigere Lohnerhöhungen für wünschenswert. „Die Gewinnlage der Unternehmen ist ausgezeichnet“, sagt IMK-Direktor Gustav Horn. „Da sind dicke Polster vorhanden.“
Die Metallbeschäftigten sollen vom Aufschwung profitieren.dpa
Leiharbeiter planen erstmalig eigene Aktionen
Die IG Metall versucht an zwei Fronten der Leiharbeit Herr zu werden: Am 22. Februar beginnen ihre Verhandlungen mit den Zeitarbeitsverbänden BAP und IGZ, wo die Gewerkschaft einen Branchenzuschlag für die Leiharbeiter in ihren Reihen anstrebt. „Mit dem Zuschlag werden wir kein Equal Pay erreichen“, sagte der Vize Detlef Wetzel. Gemeint ist gleicher Lohn für Stammbeschäftigte und Zeitarbeiter. Dies könne nur in Betrieben mit durchsetzungsstarken Betriebsräten gelingen, die zusätzlich hohe Einsatzpauschalen heraushandeln. Es werde zu Aktionen von Leiharbeitern in ihrer eigenen Tarifbewegung kommen. „Das hat es noch nie gegeben“, sagt Wetzel. Gesamtmetall will nicht weniger, sondern mehr Flexibilität. „Mit einer Begrenzung der Zeitarbeit und einer unbefristeten Übernahmepflicht für alle Auszubildenden würden wir der Industrie einen Bärendienst erweisen“, bekräftigt Kannegiesser seine Ablehnung der Forderungen. „Dann würden die Betriebe weniger beweglich, Arbeitsplätze weniger sicher und Ausbildungschancen für Schwächere geringer. Das ist das Gegenteil dessen, was wir brauchen.“


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>



