GFT-Gründerzentrum Ein kleines Stück Silicon Valley für Stuttgart

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Exklusiv Das IT-Unternehmen GFT Technologies eröffnet in Stuttgart-Fasanenhof im kommenden Jahr einen Innovationscampus für junge, kreative Unternehmen. Im Vordergrund stehen soll dabei das Thema Mobilität.

GFT-Chef Ulrich Dietz (vorne links) mit Teilnehmern des Wettbewerbs Code-n, dem globalen  Netzwerk für den  Innovationscampus. Foto: GFT
GFT-Chef Ulrich Dietz (vorne links) mit Teilnehmern des Wettbewerbs Code-n, dem globalen Netzwerk für den Innovationscampus.Foto: GFT

Stuttgart - Das künftige Gründer-Mekka, ein graues Bürohaus aus den 1980er Jahren im Stuttgarter Industriegebiet Schelmenwasen, könnte kaum unscheinbarer sein. Doch wenn es nach Ulrich Dietz, dem Chef des Stuttgarter IT-Dienstleisters GFT Technologies geht, dann soll hier in einem Gewerbegebiet im Stadtteil Fasanenhof vom Frühjahr 2015 an ein deutschlandweit einzigartiger „Innovationscampus“ starten.

2000 Quadratmeter in dem Bürokomplex, in den Ende 2014 GFT selber übersiedeln wird, sollen für junge, kreative Firmen reserviert werden, die Ideen rund um das Thema Mobilität entwickeln. Das könnten beispielsweise Sicherheitskonzepte für das vernetzte Auto der Zukunft sein oder eine Weiterentwicklung des Elektrofahrrads. Zunächst wird für 10 bis 15 Unternehmen Platz sein, die zuvor ein Auswahlverfahren durchlaufen müssen. Sollte das Projekt erfolgreich sein, ist mittelfristig eine Ausdehnung auf weitere Gebäude im Gewerbegebiet denkbar. Für ein Jahr werden die Gründer in Stuttgart nicht nur kostenlose Büroräume und andere Infrastruktur zur Verfügung gestellt bekommen. Sie dürfen zudem das Know-how von GFT nutzen und sich etwa Beistand in Rechtsfragen oder beim Marketing holen.

„Am Anfang stand die Frage: Was – außer einer guten Geschäftsidee – brauchen junge und etablierte Firmen, um innovativ und erfolgreich zu sein?“, sagt Dietz: „Die Antwort lag auf der Hand: Es ist ein Ort, an dem beide Seiten kreativ, ohne Einschränkungen und vernetzt mit Universitäten, internationalen Unternehmen und Investoren zusammenarbeiten .“

Förderer mit Gründer-Gen

Anders als die etwa aus Berlin bekannten so genannten Inkubatoren, deren größter und bekannter Rocket Internet der Gebrüder Samwer ist, wird es in dem neuen Gründerzentrum nicht um Kapitalspritzen und das schnelle Hochziehen von Geschäftsmodellen gehen. Erst im Anschluss an die Startphase werde die Werbung um mögliche Kapitalgeber stehen, zu denen mittelfristig auch GFT selbst gehören könne, sagt Dietz: „Wir denken selbst über einen Gründerfonds nach.“ Es gehe für den Stuttgarter IT-Dienstleister aber nicht um ein Geschäftsmodell. „Ich mache das, weil es mir Spaß macht und das Gründer-Gen immer noch in mir steckt“, sagt Dietz.

In Stuttgart will er ein an die Region angepasstes Modell ausprobieren, das Gründergeist mit der Schwerpunktbranche Automobilbau verknüpft. Ungewöhnlich ist dabei, dass das Projekt allein aus der privaten Initiative eines mittelständischen Unternehmens entsteht. Es sei aber denkbar, dass sich später auch die Stadt Stuttgart oder das Land Baden-Württemberg engagieren könnten. „Es geht aber zunächst darum, überhaupt etwas zu machen“, sagt Dietz. „Wenn sie so etwas mit der öffentlichen Hand oder in einem großen Unternehmen organisieren wollen, dann haben sie erst einmal eine zweijährige Planungsphase – und am Ende wird nichts daraus.“

Es gehe darum, die Gräben zwischen unterschiedlichen Unternehmenskulturen einzuebnen. „Wir wollen die Brücke zum Mittelstand schlagen, der bisher nicht so recht weiß, wie er sich dem Thema digitale Wirtschaft nähern soll“, sagt Dietz, der 1987 selbst als Gründer in einem damals vom Land Baden-Württemberg geförderten Technologiezentrum in Sankt Georgen angefangen hat: „Viele Firmen wissen nicht, wie Sie für junge Leute mit entsprechenden Ideen sexy werden können.“ Deshalb legt der Gründercampus architektonisch Wert auf eine kreative Atmosphäre.

Etablierte Unternehmen als Partner

GFT wird etablierte Unternehmen als Förderer und Partner einbinden. Der Energiekonzern EnBW beispielsweise will den Gründern Expertise und Beratung zur Verfügung stellen. Für sein Unternehmen sei das Gründerzentrum eine Erkundungsplattform, sagt der EnBW-Innovationsbeauftragte Uli Huener: „Wir treten nicht als Investor auf“. Es gehe um einen Anstoß zum notwendigen Kulturwandel innerhalb des eigenen Unternehmens. Es sei daran gedacht, dass zeitweise auch Mitarbeiter der EnBW in die neue Start-up-Zentrale einziehen.

Die Stuttgarter Gründerzentrale soll mehr bieten als eine Anschubhilfe und eine vorübergehende Kontaktbörse. Regelmäßige Veranstaltungen zu Gründungs- und Technologiethemen, die ständige Präsenz erfahrener Manager als Mentoren, die direkte Nachbarschaft zum Patenunternehmen GFT und dem ebenfalls im Industriegebiet angesiedelten Stuttgarter EnBW-Sitz – ja selbst ein öffentlich zugängliches Restaurant – sollen in Stuttgart in kleinem Maßstab reproduzieren, was das Erfolgsgeheimnis von Start-up-Zentren wie dem Silicon Valley ist.

In dieser Form sei das in Deutschland einmalig, sagt Dietz. Das Konzept soll die Defizite anderer Gründerzentren vermeiden, die sich beispielsweise eher auf die Büro-Infrastruktur oder die Technologieentwicklung konzentrieren. GFT, das seit 2011 jedes Jahr auch einen internationalen IT-Innovationswettbewerb namens Code-n veranstaltet, aus dem ein Netzwerk von 1500 bis 2000 Unternehmen weltweit hervorgegangen ist, setzt darauf, dass das Gründerzentrum über die Region und Deutschland heraus ein Anziehungspunkt werden kann. Mit seinem Namen Code-n Spaces knüpft das Projekt an den Wettbewerb an. Er sei gerade erst in Israel gewesen – und habe bei dortigen Start-ups großes Interesse gespürt, so Dietz „Wir wollen eigentlich gar nicht nach Berlin, hieß es da, sondern dorthin, wo potenzielle Kunden sind,“ sagt der GFT-Chef: „In Berlin wird nämlich auch viel heiße Luft produziert“.

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