Gitarrist Micha Schlüter Der Nichtschwimmer im Neurosengarten

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Der Stuttgarter Profi-Gitarrist Micha Schlüter will mit seiner Musik und seinen Texten Geschichten erzählen. In seinen Liedern verarbeitet er Alltägliches und auch ganz Persönliches. Im September erscheint sein neues Album „Nichtschwimmer“.

Micha Schlüter auf dem Coverfoto seines Albums „Nichtschwimmer“. Foto: privat
Micha Schlüter auf dem Coverfoto seines Albums „Nichtschwimmer“. Foto: privat

Plieningen - Für Leni, steht auf der Rückseite des CD-Covers. Sein neues Album „Nichtschwimmer“ ist etwas ganz besonderes, sagt der Musiker Micha Schlüter aus dem Steckfeld. Darum hat er die Platte einem besonderen Menschen gewidmet: seiner vier Monate alten Tochter Leni. Seit die Kleine auf der Welt ist, steht die Welt des Profi-Gitarristen auf dem Kopf. Nun bewegt er sich zwischen Kulturbühne und Kinderbett.

Leni ist die dritte große Liebe im Leben des 29-Jährigen. Die zweite ist natürlich seine Ehefrau. Und die erste große Liebe hat er mit elf Jahren gefunden und nie wieder gehen lassen: die Gitarre. Allein im Wohnzimmer, in dem Micha Schlüter sitzt und erzählt, stehen sechs Exemplare des Saiteninstruments. „Es war mir schnell klar, dass die Gitarre meinen Lebensinhalt bedeutet“, sagt Micha Schlüter.

„Das Spielen ist wie eine Droge“

So zog es ihn nach seiner Kindheit und Jugend in Winnenden zum Studium nach Trossingen. Kein Ort für ein klassisches Studentenleben, gibt der Musiker zu und lacht. Dafür hatte er Zeit, sich auf die Ausbildung zum Musiklehrer und natürlich auf das Hauptfach klassische Gitarre zu konzentrieren. Eine Belastung war das viele Üben nicht. Im Gegenteil: „Das Spielen ist wie eine Droge“, sagt Micha Schlüter. Wenn er das Instrument mal ein paar Tage nicht in den Händen hält, werde er nervös.

Überhaupt sei er gerne für sich, sagt Schlüter. „Ich bin ein wenig eigenbrötlerisch.“ Darum liebe er das Komponieren und das Texte-Schreiben auch so sehr. Inspiration dafür findet er im Alltag. „Ich beobachte die Menschen gern und versuche, alltägliche Situationen in bildhaften Texten zu verarbeiten“, sagt der Künstler. So entstehen dann Titel wie „Mein Wellnessurlaub im Neurosengarten“ über die kleinen Zwänge und Eigenheiten der Mitmenschen oder „Ein Parkplatz, das Glück oder Dich“ über die vielen Wünsche, die der Mensch stets hegt, statt zufrieden zu sein, mit dem was er hat. Der Albumname „Nichtschwimmer“ beschreibe genau jenes stille Beobachten, erklärt Schlüter. „Der Nichtschwimmer sitzt am Ufer und schaut den anderen beim Schwimmen zu. Er begibt sich in die passive Rolle des Beobachters. Seine Muße ist die Banalität des Alltags“, so steht es auch im CD-Booklet.

Ehrliche, handgemachte Musik

Es ist Micha Schlüters zweites Album. Entstanden ist es komplett in Eigenregie. Viele Instrumente habe er selbst eingespielt. Für einige Lieder hat er sich aber auch Gastmusiker geholt – alles Bekannte und befreundete Musiker. Und auch seine Frau singt mit. „Es ist ein sehr persönliches Album“, sagt Schlüter. Wichtig ist ihm, „dass die Musik nicht zu plastisch wird“, sagt er. Da dürfe man auch mal ein Nebengeräusch hören. Als ehrlich und handgemacht beschreibt der Mitbegründer des Stuttgarter Feierabendkollektivs seine Musik. „Eben klassische Liedermacherei, die aber gepaart wird mit Einflüssen von Jazz, Pop, Folk oder auch Gipsy“, sagt er.

Dass es vor allem um die Musik geht, ist Schlüter auch bei seinen Konzerten wichtig. Er mache keine Partymusik. „Ich erzähle Geschichten mit meinen Liedern“, sagt er. Darum sollten die Leute schon eher zuhören. Er spiele nicht vor Tausenden auf riesigen Bühnen. „Ich finde es sogar eine schöne Sache, Wohnzimmerkonzerte zu geben“, sagt Schlüter. Gleichzeitig habe er trotzdem den Wunsch, etwas berühmter zu werden und auch über Baden-Württemberg hinaus zu spielen. „Es ist mein Traum, dass ich möglichst viele Leute mit meiner Musik ansprechen kann“, sagt er. Um einen Fan muss Micha Schlüter jedenfalls nicht kämpfen. Seine Tochter Leni hat er mit seinem Gitarrenspiel und Gesang sofort gewonnen, erzählt der junge Papa stolz. „Sie liebt es, wenn ich ihr vorspiele.“

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