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Glücksspiel in Stuttgart Keiner will Spielhallen im Stadtbezirk
Heike Armbruster, 24.01.2012 09:30 Uhr
Offiziell gibt es  bis zu 9036 Spielautomaten im Stadtgebiet Foto: Horst Rudel
Offiziell gibt es bis zu 9036 Spielautomaten im Stadtgebiet Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Spielhallen in der gesamten Innenstadt einfach verbieten, das kann die Stadt Stuttgart schon rein rechtlich nicht. Doch die kommunalen Gremien versuchen ihr Möglichstes, um die Ansiedlung weiterer Spielotheken zu verhindern. Die Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang einzelner Straßenzüge spielt dabei ebenso eine Rolle wie die große Sorge um den Jugendschutz und um die Verschuldung Spielsüchtiger.

Das Instrument, mit dem Gemeinderat und Bezirksbeiräte künftig die Ansiedlung von Spielhallen oder auch Wettbüros begrenzen möchten, ist die neue Vergnügungsstättenkonzeption. Das Stuttgarter Planungsbüro Dr. Accocella hat sie ausgearbeitet und stellt das Konzept in einer Sitzung am 9. Februar allen 23 Bezirksbeiräten vor. Demnach sollen in der Innenstadt neue Spielhallen nur noch in Mitte erlaubt werden, für die bestehen Spielhallen in West, Süd und Ost gilt ein Bestandsschutz.

Bislang gibt es im ganzen Stadtgebiet 128 Spielhallen, 72 davon stehen in den Innenstadtbezirken, 59 direkt in Mitte. Bei bis zu zwölf erlaubten Automaten pro Spielhalle macht das offiziell bis zu 864 Spielautomaten in der Innenstadt, bis zu 1536 in ganz Stuttgart – die Glücksspielautomaten in Kneipen und Gaststätten nicht miteingerechnet.

Letztere machen allerdings den weit größeren Teil der Spielgeräte aus. Bis zu 7500 Automaten stehen in den Kneipen der gesamten Stadt Stuttgart, so Martin Treutler, der Dienststellenleiter der Gewerbe- und Gaststättenbehörde. Genauer lasse sich die Zahl nicht beziffern, denn jede Aufstellerlaubnis gelte je nach Größe der Gaststätte für bis zu drei Automaten. Eine Statistik, in welchen Bezirken diese Automaten stehen, gibt es nicht.

Das Geschäft boomt

Das Geschäft mit Münzspielautomaten boomt. Vor 15 Jahren gab es in der Innenstadt gerade mal drei Spielhallen. Vor zehn Jahren waren es bereits 13 Spielhallen, davon standen wiederum elf in Mitte und zwei in Ost. Das Wachstum auf mittlerweile 72 Spielhallen in der Innenstadt zeigt, warum Bezirksbeiräte und Gemeinderat nun verhindern wollen, dass zu den Tausenden Automaten, die es bereits gibt, noch weitere hinzu kommen.

So lange die Bundespolitik das Geschäft mit den Spielautomaten nicht einschränkt, müssen Gemeinderat und Baurechtsamt sorgsam überlegen, mit welchen Argumenten sie eine Spielhalle ablehnen. Das wird auch in der Innenstadt weiter möglich sein – trotz der neuen Konzeption. Nur eben nicht überall. Weil das Planungsrecht so vielschichtig ist, gilt oft an einer Ecke eine andere Regelung als 200 Meter weiter entfernt. In der Theodor-Heuss-Straße sind Spielhallen grundsätzlich erlaubt, während sie in der Königstraße im Erdgeschoss verboten sind. „Für den Citybereich gilt das entlang aller wichtiger Fußgängerverbindungen“, erläutert Kirsten Rickes, die Leiterin des Baurechtsamts.

Für Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin von Mitte, gehen diese Ausnahmeregelungen jedoch nicht weit genug, denn die Spielhallen verdrängen andere Geschäfte, weil die Betreiber das fünffache der üblichen Miete bezahlten. „Das ist Irrsinn“, sagt Kienzle.

„Wir haben einen Einbruch bei den kommerziellen Gewerbetreibenden und durch die zugeklebten Fronten der Spielhallen immer mehr tote Augen im Gesicht der Stadt.“ Angesichts der Zunahme an Spielsüchtigen und dem Andrang an den Schuldnerberatungsstellen sei es unverantwortlich, noch mehr Spielhallen und Wettbüros in Stuttgart zuzulassen. Wenn man sie jedoch nicht ganz verhindern können, dann sollte man sie zumindest in den Erdgeschossen der Häuser verbieten.

Kommentare (1)
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JAN
24
Alex, 09:30 Uhr

Spielhallen

Stuttgart ist mit der Anzahl der Spielhallen noch relativ "harmlos". In Spielhallen wird gezockt, der Spieler wird abgezockt. Die einzigen Gewinner sind Automatenaufsteller und Spielhallenbetreiber. Hartz-VI-Empfänger sitzen vor den Geräten und träumen vom Gewinn, während ihnen der letzte Cent aus der Tasche gezogen wird. In Leonberg, einer Stadt mit 49000 Einwohnern, gibt es mehr als 15 Spielhallen.In anderen Städten ist es auch nicht besser. Glücksspiel ist reine Ausbeutung. Der Islam zum Beispiel verbietet das Glücksspiel. Und das ist richtig so.Daran sollten sich die Stadträte aller Städte einmal denken, nicht nur an die Einnahmen der Vergnügungssteuer.

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