Google auf dem Vormarsch
Beben erschüttert Navi-Branche
Christiane Schulzki-Haddouti,
18.06.2010 09:20 Uhr
Navigation per Handy ist bequem – und spart die Ausgaben für ein eigenes Navigerät. Dementsprechend groß ist die Konkurrenz auf diesem lukrativen Markt. Foto: StZ
Berlin - Google hat jetzt für Android-Smartphones die Navigation mit Google Maps und einer Sprachsuche für Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien freigeschaltet. Autofahrer können damit ihr Smartphone als vollwertiges Navigationsgerät verwenden.
Die Google-Anwendung führt den Autofahrer über eine Turn-by-turn-Navigation mit Sprach- und Texthinweisen auf dem Kartenmaterial. Das Bildmaterial von Google Street-View könnte ebenfalls für die Navigation verwendet werden, doch es ist für Deutschland noch nicht verfügbar, da Google das Projekt aufgrund von Datenschutzproblemen erst einmal gestoppt hat.
Der Fahrer kann sein Ziel per Sprache oder Tastatur angeben und hierfür auch die Google-Suche verwenden. Praktisch ist das, weil etwa bei der Suche nach einem "Krankenhaus" gleich alle in der Nähe befindlichen Hospitäler angezeigt werden, die man dann einfach auswählen kann. Die Anwendung "Maps Navigation" ist für die Routenerstellung auf eine Datenverbindung angewiesen. Sobald aber eine Route geladen ist, kann das Handy wieder in den Offline-Modus wechseln.
Auf der Karte lassen sich außerdem Verkehrsinformationen und andere Daten wie etwa Parkhäuser oder Tankstellen einblenden. Für die Verkehrshinweise verwendet Google die Daten kommerzieller Anbieter, aber auch Nutzerdaten. Hat ein Autofahrer der Nutzung seiner Daten zugestimmt, wertet Google diese statistisch für die Stauerkennung aus. Anders als beim Navi-Hersteller Tom-Tom sucht die Google-Navigation bei Staus jedoch nicht selbstständig eine Ausweichroute.
Google Maps wird den deutschen Markt allerdings nicht so schnell aufrollen können: Gewarnt von Googles Vorstoß auf dem US-amerikanischen Markt im November, haben sich die Handyanbieter und andere Konkurrenten mit unterschiedlichen Ansätzen in Stellung gebracht: Nokia brachte im Januar seine Handy-Navigationslösung namens Ovi Maps kostenlos in 74 Ländern auf den Markt. Aktuell sind 16 S-60-Nokia-Handys mit der Lösung ausgestattet. Seit diesem Monat blendet Nokia zudem Tipps und Kommentare zu Hotels, Restaurants und anderen Örtlichkeiten auf der Route aus der Qype-Community in das Kartenmaterial ein.
Das Berliner Start-up Skobbler machte bereits im Herbst vergangenen Jahres Wirbel, als es eine nur wenige Euro teure iPhone-Navigationsanwendung auf den Markt brachte, die sich seither 150.000-mal verkauft hat. Seit Anfang März greift Skobbler auf das freie Kartenmaterial von Open-Street-Map zurück; zuvor hatte das Unternehmen auf die Karten des Geodatenanbieters Navteq, einer Nokia-Tochter, gesetzt. Die Daten von Open-Street-Map sammeln Tausende Freiwillige. Über einen Rückkanal können Skobbler-Nutzer fehlerhafte Stellen an den Dienst zurückmelden.
Demnächst will Skobbler mit einer kostenlosen Android-App nachlegen. Künftige Einnahmen will Skobbler-Geschäftsführer Marcus Thielking dann über lokale Werbeeinblendungen verdienen, die über Werbevermarkter wie Ad-Mob, Quattro-Wireless oder Yoc vermittelt werden. Thielking sieht hier ein "extremes Potenzial" an interessierten Kunden: "Wenn ich weiß, dass es in 500 Meter Entfernung etwas zu einem Sonderpreis gibt, hat das eine andere Informationsqualität."
Für Thielking steht fest: "Die Zeit für Navi-Apps im zweistelligen Eurobereich ist vorbei. Google macht vieles zu gut, als dass sich die Navigationshersteller noch deutlich absetzen könnten." Punkten könne man aber noch zum Beispiel mit offline verfügbaren Karten oder qualitativ hochwertigen Verkehrsdaten. Auch Zusatzdienste wie Kartenlayer seien noch interessant, doch hier bleibe abzuwarten, wie schnell Google nachlege. Für den Navi-Hersteller Tom-Tom brechen damit schwierige Zeiten an, da er mit eigenständigen Geräten bisher sein Geschäft gemacht hat. Entsprechend brachen die Aktien bereits nach der Nokia-Offensive ein.
Doch Tom-Tom rüstete bereits nach: Nutzer können über einige Geräte Ziele ebenfalls bereits mit Google-Suche ausfindig machen. Außerdem setzt man bei Tom-Tom auf höherwertige Lösungen, so etwa auf die Entwicklung von Verkehrsdiensten wie IQ Routes oder HD Traffic, der laut Tüv Süd der beste Verkehrsinformationsdienst Deutschlands sein soll.
Marketingmanager Hannes Albrecht hofft, dass die Google-Offensive auch Vorteile für Tom-Tom hat, weil viele Menschen erstmals mit dem Thema "Mobile Navigation" in Kontakt kommen: "Sobald diese Menschen aber mehr wollen, als nur irgendwie von A nach B zu kommen, werden sie schnell nach Navigationslösungen suchen, die einen echten Mehrwert bieten und sie dabei unterstützen, möglichst umweltschonend und kostengünstig zu fahren."
Noch profitiert Tom-Tom zudem davon, dass Google in Europa das digitale Kartenmaterial der Tom-Tom-Tochter Tele Atlas lizenziert hat. Doch auch diese Sicherheit könnte nicht mehr lange vorhalten: Mit seinem Street-View-Projekt hat Google bereits so viel Datenmaterial gesammelt, dass die Firma in den USA bereits eigene Karten erstellt hat. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis Google auch in Europa kartenmäßig auf eigenen Beinen stehen kann.
Die Google-Anwendung führt den Autofahrer über eine Turn-by-turn-Navigation mit Sprach- und Texthinweisen auf dem Kartenmaterial. Das Bildmaterial von Google Street-View könnte ebenfalls für die Navigation verwendet werden, doch es ist für Deutschland noch nicht verfügbar, da Google das Projekt aufgrund von Datenschutzproblemen erst einmal gestoppt hat.
Google vorne mit dabei
Der Fahrer kann sein Ziel per Sprache oder Tastatur angeben und hierfür auch die Google-Suche verwenden. Praktisch ist das, weil etwa bei der Suche nach einem "Krankenhaus" gleich alle in der Nähe befindlichen Hospitäler angezeigt werden, die man dann einfach auswählen kann. Die Anwendung "Maps Navigation" ist für die Routenerstellung auf eine Datenverbindung angewiesen. Sobald aber eine Route geladen ist, kann das Handy wieder in den Offline-Modus wechseln.
Auf der Karte lassen sich außerdem Verkehrsinformationen und andere Daten wie etwa Parkhäuser oder Tankstellen einblenden. Für die Verkehrshinweise verwendet Google die Daten kommerzieller Anbieter, aber auch Nutzerdaten. Hat ein Autofahrer der Nutzung seiner Daten zugestimmt, wertet Google diese statistisch für die Stauerkennung aus. Anders als beim Navi-Hersteller Tom-Tom sucht die Google-Navigation bei Staus jedoch nicht selbstständig eine Ausweichroute.
Google Maps wird den deutschen Markt allerdings nicht so schnell aufrollen können: Gewarnt von Googles Vorstoß auf dem US-amerikanischen Markt im November, haben sich die Handyanbieter und andere Konkurrenten mit unterschiedlichen Ansätzen in Stellung gebracht: Nokia brachte im Januar seine Handy-Navigationslösung namens Ovi Maps kostenlos in 74 Ländern auf den Markt. Aktuell sind 16 S-60-Nokia-Handys mit der Lösung ausgestattet. Seit diesem Monat blendet Nokia zudem Tipps und Kommentare zu Hotels, Restaurants und anderen Örtlichkeiten auf der Route aus der Qype-Community in das Kartenmaterial ein.
Skobbler will mit einer kostenlosen Android-App nachlegen
Das Berliner Start-up Skobbler machte bereits im Herbst vergangenen Jahres Wirbel, als es eine nur wenige Euro teure iPhone-Navigationsanwendung auf den Markt brachte, die sich seither 150.000-mal verkauft hat. Seit Anfang März greift Skobbler auf das freie Kartenmaterial von Open-Street-Map zurück; zuvor hatte das Unternehmen auf die Karten des Geodatenanbieters Navteq, einer Nokia-Tochter, gesetzt. Die Daten von Open-Street-Map sammeln Tausende Freiwillige. Über einen Rückkanal können Skobbler-Nutzer fehlerhafte Stellen an den Dienst zurückmelden.
Demnächst will Skobbler mit einer kostenlosen Android-App nachlegen. Künftige Einnahmen will Skobbler-Geschäftsführer Marcus Thielking dann über lokale Werbeeinblendungen verdienen, die über Werbevermarkter wie Ad-Mob, Quattro-Wireless oder Yoc vermittelt werden. Thielking sieht hier ein "extremes Potenzial" an interessierten Kunden: "Wenn ich weiß, dass es in 500 Meter Entfernung etwas zu einem Sonderpreis gibt, hat das eine andere Informationsqualität."
Für Thielking steht fest: "Die Zeit für Navi-Apps im zweistelligen Eurobereich ist vorbei. Google macht vieles zu gut, als dass sich die Navigationshersteller noch deutlich absetzen könnten." Punkten könne man aber noch zum Beispiel mit offline verfügbaren Karten oder qualitativ hochwertigen Verkehrsdaten. Auch Zusatzdienste wie Kartenlayer seien noch interessant, doch hier bleibe abzuwarten, wie schnell Google nachlege. Für den Navi-Hersteller Tom-Tom brechen damit schwierige Zeiten an, da er mit eigenständigen Geräten bisher sein Geschäft gemacht hat. Entsprechend brachen die Aktien bereits nach der Nokia-Offensive ein.
Bei Tom-Tom setzt man auf höhere Leistung
Doch Tom-Tom rüstete bereits nach: Nutzer können über einige Geräte Ziele ebenfalls bereits mit Google-Suche ausfindig machen. Außerdem setzt man bei Tom-Tom auf höherwertige Lösungen, so etwa auf die Entwicklung von Verkehrsdiensten wie IQ Routes oder HD Traffic, der laut Tüv Süd der beste Verkehrsinformationsdienst Deutschlands sein soll.
Marketingmanager Hannes Albrecht hofft, dass die Google-Offensive auch Vorteile für Tom-Tom hat, weil viele Menschen erstmals mit dem Thema "Mobile Navigation" in Kontakt kommen: "Sobald diese Menschen aber mehr wollen, als nur irgendwie von A nach B zu kommen, werden sie schnell nach Navigationslösungen suchen, die einen echten Mehrwert bieten und sie dabei unterstützen, möglichst umweltschonend und kostengünstig zu fahren."
Noch profitiert Tom-Tom zudem davon, dass Google in Europa das digitale Kartenmaterial der Tom-Tom-Tochter Tele Atlas lizenziert hat. Doch auch diese Sicherheit könnte nicht mehr lange vorhalten: Mit seinem Street-View-Projekt hat Google bereits so viel Datenmaterial gesammelt, dass die Firma in den USA bereits eigene Karten erstellt hat. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis Google auch in Europa kartenmäßig auf eigenen Beinen stehen kann.
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