KommentarGoogle bietet neue Dienste Mein bester Freund, der Spion

Von Daniel Gräfe 

Mit Google können die Nutzer künftig noch mehr Alltagsroutinen an künstlich-intelligente Helfer auslagern. Die Privatsphäre wird dabei kurz über lang abgeschafft – und das nicht nur für die Nutzer, meint Daniel Gräfe.

Google-Chef Sundar Pichai präsentiert auf Googles Entwicklerkonferenz auch den Fotodienst Google Lens. Foto: Getty Images
Google-Chef Sundar Pichai präsentiert auf Googles Entwicklerkonferenz auch den Fotodienst Google Lens. Foto: Getty Images

Stuttgart - Google rüstet den Menschen schneller mit künstlicher Intelligenz auf, als es die meisten für möglich gehalten haben. Schon vermeintlich harmlose Dienste, die jetzt auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz Google I/O, vorgestellt wurden, greifen tief in den Alltag der Nutzer ein. So können mit Googles überarbeiteten Fotodienst mit der integrierten Gesichtserkennung die Nutzer die aufgenommenen Partybilder automatisch mit denjenigen teilen, die darauf zu sehen sind. Sie können Objekte und Gebäude identifizieren und sich Informationen darüber anzeigen lassen.

Immer mehr dieser mit künstlicher Intelligenz versehener Dienste erkennen auch automatisch, was ein Nutzer jetzt oder in naher Zukunft machen will und lassen sich dabei kinderleicht mit wenigen Worten steuern. Überall und zu jeder Zeit. Wer will, erhält mit diesen Assistenten einen persönlichen Freund und Butler im Doppelpack, die den Kalender durchforsten, den Weg ansagen, Leute erkennen und Pläne vorschlagen können. Doch der Freund ist gleichzeitig ein Spion, der über den Nutzer das Intimste weiß. Und der Butler ein Mini-Diktator, der subtil das Verhalten der Nutzer mit steuert.

Die Privatsphäre wird abgeschafft

Das Problem ist, dass dabei auch schnell sehr sensible Informationen ausgetauscht werden, ohne dass der Nutzer es weiß oder es einfach wieder vergessen hat, weil ja alles so bequem ist. Die Dienste von Google und Mitbewerbern wie Facebook und Amazon lösen dabei die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre auf, weil sie umso besser funktionieren, je mehr der Nutzer von sich preisgibt.

Das größere Problem allerdings ist, dass sich auch Nicht-Nutzer diesen Diensten nicht entziehen können. Denn auch sie werden dabei durch die Gesichtserkennung erfasst und ihre Internet-Daten abgeglichen, sie werden mit belauscht, identifiziert und lokalisiert. Über kurz oder lang wird das, was wir in unserer Gesellschaft heute unter Privatsphäre verstehen, abgeschafft.