Google vs. Microsoft Konkurrenzkampf um Bummel im Netz
Julia Schwarz, 29.12.2011 07:11 Uhr
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Wie sieht Stuttgart bei Microsofts neuem 3-D-Dienst Bing Streetside aus, wie bei Google Streetview? Wir vergleichen fünf markante Plätze. Hier der Schlossplatz bei Bing... Foto: Screenshot/StZ
Wie sieht Stuttgart bei Microsofts neuem 3-D-Dienst Bing Streetside aus, wie bei Google Streetview? Wir vergleichen fünf markante Plätze. Hier der Schlossplatz bei Bing... Foto: Screenshot/StZ

Stuttgart - Menschen in T-Shirts, die über den Stuttgarter Schlossplatz flanieren, bunte Blumenrabatten und plätschernde Springbrunnen: so kennt man die Landeshauptstadt im Sommer. Seit einigen Tagen zeigt sie sich so auch im Internet auf den Seiten des digitalen Kartenanbieters Bing Maps. Das Programm Streetside des IT-Konzerns Microsoft macht es möglich.

Seit den Weihnachtsfeiertagen veröffentlicht Microsoft erste Panoramaansichten aus Deutschland und auch die Bilder, die in Stuttgart seit Anfang September aufgenommen werden, sind ab sofort im Netz verfügbar. Noch bis Ende Januar 2012 werden mehrere Kameraautos, die mit einer Spezialtechnik ausgerüstet sind, im Auftrag von Microsoft in unregelmäßigen Zeitabständen in Stuttgart unterwegs sein. „Wir filmen vorrangig Straßen mit Geschäften und Plätze von öffentlichem Interesse“, sagt Thomas Baumgärtner, Pressesprecher bei Microsoft.

„Unsere Schwerpunkte liegen auf touristischen Sehenswürdigkeiten und nicht auf Wohnhäusern. Deshalb fahren wir Wohngebiete auch nicht flächendeckend ab.“ Auch beim Konkurrenzangebot Google Streetview gibt es bis heute weiße Flecken in Stuttgart. Neben München, Nürnberg, Augsburg und Stuttgart hat der Softwarehersteller seit Mitte Mai die Straßenzüge von 25 Großstädten in ganz Deutschland abgefilmt.

So sieht Stuttgart bei Google Streetview aus - und hier die gleiche Ansicht bei Bing Streetside (dazu muss Microsoft Silverlight installiert sein).


Größere Kartenansicht

In den nächsten Wochen soll das Bildmaterial ins Netz eingepflegt werden. „Alle 14 Tage liefern die Fahrzeuge Daten an unser zuständiges Rechenzentrum“, erläutert Baumgärtner die Vorgehensweise des IT-Riesen. „So können wir eine fortlaufende Veröffentlichung des Fotomaterials gewährleisten.“

Die Bilder werden mit Hilfe einer hochauflösenden 360-Grad-Kamera erfasst, die auf einem Autodach montiert ist. Mehrere Sensoren und GPS-Empfänger erfassen zudem stetig die exakte Position der Kameras. „Instrumente zur genauen Ortung der Fahrzeuge sind natürlich besonders wichtig, aber auch eine ausgeklügelte Technik, die die Kamera vor Erschütterungen schützt, ist unabdingbar“, so Baumgärtner.

„Gerade in den Innenstädten müssen wir mit unseren Autos häufig über Kopfsteinpflaster fahren. Ohne gewisse Vorkehrungen wäre die Qualität der Bilder so schlecht, dass wir sie gar nicht verwenden könnten.“Eine automatische Software stellt zudem sicher, dass Gesichter und Autokennzeichen durch Verpixelung unkenntlich gemacht werden. Für eine einzelne Panoramaansicht werden schließlich Hunderte von Bildern zu einem nahtlosen 3-D-Modell zusammengefügt.

Kritik von der Verbraucherzentrale

Das Angebot richtet sich unter anderem an Touristen, die dank eines kurzen Online-Ausflugs ihr Reiseziel schon einmal auf Augenhöhe und in Echtansicht digital erkunden können. Die Straßenperspektive soll außerdem Verbrauchern neue Navigationsmöglichkeiten bieten. So können Suchanfragen und Wegbeschreibungen durch visuelle Informationen angereichert und insbesondere bei der Nutzung eines Smartphones dem aktuellen Standort angepasst werden.

Der Geodatendienst Streetside stellt damit eine unmittelbare Konkurrenz zu Googles Streetview dar. Allerdings ist die Farbqualität und auch die Schärfe von Objekten bei Streetside noch ausbaufähig. Die Treppe am linken Seitenflügel des Neuen Schlosses ist zumindest nur bei Microsoft orange gestreift.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisiert unterdessen, dass es noch immer keinen einmaligen, für alle Kartendienste geltenden Widerspruch gibt. Wer keine Abbildung seines Hauses im Internet wünscht, muss daher im Auge behalten, welche neuen Dienste angeboten werden und jedes Mal aufs Neue Widerspruch bei dem entsprechenden Anbieter einlegen.

„Die Unternehmen sollten verpflichtet werden, bei einer zentralen Stelle nachzufragen, ob ein Widerspruch vorliegt oder nicht“, fordert Eckhard Benner, Sprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Das würde Mietern und Hauseigentümern einiges an Zeit und Arbeit ersparen.“

Seit den Weihnachtsfeiertagen veröffentlicht der IT-Konzern Microsoft erste Panoramaansichten aus Deutschland und auch Bilder der Landeshauptstadt sind ab sofort im Netz verfügbar. Noch bis Ende Januar 2012 werden mehrere Kameraautos, die mit einer Spezialtechnik zur Erstellung von Bildmaterial ausgerüstet sind, in unregelmäßigen Zeitabständen in Stuttgart unterwegs sein.

Weitere Informationen:

Widerspruch: Wer als Hausbesitzer oder Mieter sein Eigenheim durch Verpixelung unkenntlich machen lassen wollte, konnte bis Ende September Widerspruch bei Microsoft einlegen. Aber auch nachträglich kann man noch das Entfernen von Häusern oder Geschäften fordern.

Vorgehen: Auch wer die Frist für den Vorabwiderspruch verpasst hat, hat weiterhin das Recht, dass die Aufnahmen der eigenen Häuserfront unkenntlich gemacht werden. Gebäude können mit Hilfe eines roten Rechtecks direkt auf der Kartendarstellung im Internet markiert werden. Für Rückfragen muss eine gültige E-Mail-Adresse angegeben werden. Nach Angaben von Microsoft werden die Bilder nach drei bis vier Tagen bearbeitet und die entsprechenden Objekte verpixelt. Auch auf dem Postweg kann die Unkenntlichmachung des eigenen Hauses beantragt werden.

Kontakt: Informationen gibt es bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg unter der Rufnummer 66 91 10 oder im Internet unter der Adresse www.vz-bw.de.

Kommentare (1)
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DEZ
29
S. Wenz, 13:15 Uhr

"Verbraucher"zentrale

Muss ich, wenn ich künftig durch ein Wohngebiet in Degerloch streife und ungefragt, zufällig Häuser ablichte das Einverständnis der Verbraucherzentrale einholen, nur für den Fall, dass ich diese Bilder auf Facebook veröffentliche?

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