Krimikolumne

Gregor Weber: „Asphaltseele“ Rau und rotzig

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Der Schauspieler, Koch und Hauptfeldwebel Gregor Weber hat einen süffigen Männerkrimi vorgelegt. „Asphaltseele“ sollte das Zeug haben, die Leute vom Fernsehen aufs Buch zu bringen.

Einst war Gregor Weber der TV-Sohn der Familie Heinz Becker, dann „Tatort“-Kommissar in Saarbrücken. Wer hätte damals gedacht, was für ein schneidiger Krimiautor in ihm steckt! Foto: Sebastian Weidenbach
Einst war Gregor Weber der TV-Sohn der Familie Heinz Becker, dann „Tatort“-Kommissar in Saarbrücken. Wer hätte damals gedacht, was für ein schneidiger Krimiautor in ihm steckt! Foto: Sebastian Weidenbach

Stuttgart - Kommissar Rubeck, dem es nicht zum Ober-, geschweige denn zum Hauptkommissar gereicht hat, ist ein Bulle, wie er im Zerrbilderbuch steht: ein Kriegsveteran und versoffener Einzelgänger, der schon mal erst schießt und dann fragt. Sein Revier ist das Frankfurter Bahnhofsviertel, seine Tränke der „Schlabbekicker“, wo er ein „Pilsbier“ nach dem anderen in sich hineinschüttet.

Bloß-nicht-Vorzeige-Beamte wie diesen Ruben Rubeck gibt es spätestens seit Schimanski viele in der Branche. Und wie um seinen Krimigroßvater zu grüßen, trägt auch der Frankfurter Kommissar einen alten Parka (in dessen Tasche zur Not auch eine beschlagnahmte Desert Eagle passt). Man könnte über Gregor Webers „Asphaltseele“ also sagen, dass der Autor auch nur mit Wasser kocht. Um dann sofort eine seiner Figuren zitieren zu müssen: „Allerdings mit ziemlich heißem.“

Ohne Girlanden und Lametta

Denn Asphaltseele ist ein rauer und rotziger Männerkrimi ohne Girlanden und Lametta. Weber trifft genau den Ton des zeitlosen Großstadtkrimis, und als gelernter Koch geht er mit Zutaten wie etwa Humor so sparsam wie schlafwandlerisch sicher um (sehr schön etwa die Szene, in der Kommissar Rubeck im Krankenhaus dringend einen Schnaps braucht).

Ansonsten aber ist die Geschichte eine bitter ernste Angelegenheit. Rubeck gerät auf dem Heimweg von seiner Wirtschaft in einer Schießerei, ein Mann kommt dabei ums Leben, einem anderen verpasst der Kommissar zwei Kugeln. Dieser Kerl ist ein kosovarischer Berufskrimineller, und da die Polizei Interesse an seiner Aussage hätte sowie an seinem Weiterleben, passt Rubeck undercover und im halblegalen Auftrag eines LKA-Beamten im Krankenhaus ein bisschen auf ihn auf.

Geschicktes Spiel mit Grauschattierungen

Bis hierhin bewegt sich alles noch in halbwegs klaren Bahnen, doch spätestens jetzt spielt Weber geschickt mit Grauschattierungen – Gut und Böse sind keine Kategorien, die hier noch passen würden. Zumal der Autor mit präzisen Strichen den Kosovokrieg ins Spiel bringt. So nimmt eine toughe Handlung ihren Lauf, bei der Rubeck immer wieder beweisen muss, dass er beim Bund eine Menge nützliche Techniken gelernt hat.

Apropos Bund: da Gregor Weber nicht nur Koch und Schauspieler („Tatort Saarbrücken“, „Familie Heinz Becker“), sondern auch Hauptfeldwebel der Reserve ist, weiß er genau, wovon er schreibt – so auch bei den eingestreuten Kriegs- und Bundeswehrszenen, deren Hintergrund der Autor am Ende auflöst. Da ist er schon sehr nahe an der Sache. Und so kommt man bei all diesen Qualitäten schon ins Grübeln, warum die Leute immer hanebüchene Fernsehkrimis schauen, wo es doch solche Bücher gibt.

Gregor Weber: „Asphaltseele“. 240 Seiten, Paperback. Heyne Hardcore, 14,99 Euro. Auch als Hörbuch und E-Book.