| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 11. Februar 2012
Stuttgart 21
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Großdemostration gegen Stuttgart21 Neuer Höhepunkt

Susanne Janssen und Holger Gayer, vom 27.08.2010 22:48 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Trotz des schlechten Wetters haben am Freitagabend nach Angaben des Veranstalters mehr als 50.000 Menschen gegen das umstrittene Bahnprojekt "Stuttgart 21" demonstriert. Die Polizei sprach von mehr als 30.000 Menschen, die mit Trillerpfeifen, Transparenten und Sprüchen gegen den Umbau des Hauptbahnhofs protestierten. Bei der Menschenkette, die rund um den Landtag über den Charlottenplatz und die B14 gebildet wurde, kam es zur Verletzung der Bannmeile: Hunderte Demonstranten gelangten direkt vor den Landtag und protestierten mit Sprechchören gegen das Projekt. Die Polizei, die laut Augenzeugen die Demonstranten nicht daran gehindert hatte, die Bannmeile am Landtag zu betreten, sicherte das Gebäudes. Bahnchef Rüdiger Grube plädierte unterdessen in einem Hintergrundgespräch am Stuttgarter Flughafen für ein Spitzengespräch zwischen den Projektträgern und den Gegnern von Stuttgart21. "Wir haben eine Vorbildfunktion für die Bürger und dürfen nicht sprachlos bleiben", sagte Grube zur gleichen Zeit, als in der Innenstadt die Demonstrationen ihrem Höhepunkt zustrebten. Mit Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) habe er sich schon über seinen Vorschlag verständigt.

"So ein Gespräch kann man nicht ablehnen"


Auch die Grünen wolle er einladen. Namentlich nannte Grube den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und den Fraktionschef im Landtag, Winfried Kretschmann. Voraussetzung sei, dass keine Seite Vorbedingungen stellte, sagte Grube. Er hoffe, dass der Runde Tisch bereits im September stattfinden könne. "So ein Gespräch kann man nicht ablehnen", sagte Palmer noch am Abend auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung. Grubes Angebot sei "der erste Schritt im Fahrplan zu einer Stuttgart-21-Konferenz". Die Demonstration am Freitag – bisher die größte in der Geschichte des Protestes – begann um 19 Uhr vor dem Hauptbahnhof mit dem "Schwabenstreich" mit Pfeifen, Tröten, Rasseln und Kochtöpfen. Bei der anschließenden Kundgebung forderten die Redner einen sofortigen Baustopp. Der Stuttgarter Kunsthistoriker Matthias Roser erklärte, Oberbürgermeister Wolfgang Schuster sei ein "Oberbürgermeister ohne Bürger" und müsse zurücktreten.

Gegen 19.40 Uhr setzte sich ein kilometerlanger Protestmarsch zum Landtag in Gang. Dort wurde die Bannmeile übertreten. Mehrere Stunden vor Beginn der Demonstration wurden auf dem Bahnhofsvorplatz, wo am Mittwoch mit dem Abbruch des Nordflügels begonnen worden war, rund 30 Blockierer von der Baustellenzufahrt weggetragen. Mit starkem Aufgebot sicherte die Polizei danach die Ein- und Ausfahrt mehrerer Container. Die Auswirkungen auf den Autoverkehr hielten sich gestern in Grenzen. Bei den Blockaden am Mittwoch war es zu einem tragischen Zwischenfall gekommen. Eine knapp 60-jährige Frau, die ihre Tochter zum Bahnhof gebracht hatte, erlitt einen Herzinfarkt. Der Notarzt benötigte wegen der Staus statt der üblichen zehn rund 30 Minuten für den Weg ins Krankenhaus. Dort war die Frau gestorben. Derweil wandte sich Stuttgarts OB Wolfgang Schuster (CDU) in einem offenen Brief an die S 21-Gegner. Er habe Verständnis, dass Bürgerinnen und Bürger das Projekt Stuttgart 21 kritisch beurteilten und ihr Recht zu demonstrieren wahrnehmen. Kein Verständnis habe er "für persönliche Diffamierungen, Beleidigungen, mit denen Stuttgart-21-Befürworter eingeschüchtert, genötigt und zum Teil auch bedroht werden", heißt es in dem Schreiben.
Kommentare (61)
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AUG
30
04:57 Uhr, geschrieben von Karl Heinz Siber
@ Lüko Willms
Sie schreiben: "Kein Wunder, solange man z.B. von Karlsruhe aus schneller und bequemer am Frankfurter Flughafen ist, als am Flughafen der Landeshauptstadt, solange hat Frankfurt gegenüber Stuttgart die Nase vorn. Zum Frankfurter Flughafen ist man von Karlsruhe aus in 66 Minuten, einige Verbindungen dauern sogar nur 57 Minuten. Zum Stuttgarter Flughafen braucht man mindestens eineinviertel Stunden (vier mal am Tag mit TGV), sonst mindestens eineinhalb Stunden. Dazu muß man immer in die S-Bahn umsteigen. " Okay, nehmen wir mal an, durch S 21 würde die Fahrzeit von Karlsruhe nach Stuttgart Flughafen auf 45 Minuten verkürzt, also 12 bzw. 21 Minuten weniger als nach Frankfurt Flughafen. Würden dann alle Karlsruher nur noch von Stuttgart abfliegen, weil sie da eine Viertelstunde Anfahrtszeit sparen könnten? (Zumal es sich da ja, wie Sie so bedeutungsvoll schreiben, um den "Flughafen der Landeshauptstadt" handelt, was in Ihren Augen wohl ein zusätzlicher Anreiz ist, sich für diesen zu entscheiden.) Was ist, wenn auf der Relation KA-FRA doppelt so viele Relationen zur Verfügung stehen wie auf der Relation KA-STR? Wenn Sie also nach FRA eine größere Chance hätten, den Zug zu buchen, der Sie rechtzeitig, also weder zu früh noch zu spät, zum Flughafen bringt? Wenn, wie man hört, nur jeder 3. ICE am Stuttgarter Flughafen hält (also z.B. nur alle 90 Minuten einer), kann es Ihnen passieren, dass Sie zwar in 45 Minuten am Stuttgarter Flughafen sind, aber eben nicht zu der Uhrzeit, zu der Sie für Ihren Flug einchecken müssen, sondern 30 oder 60 Minuten früher. Davon abgesehen, ist der Status des Flughafens Stuttgart als kleiner Regionalflughafen festgeschrieben. FRA ist das große Drehkreuz, STR wird es nie werden, auch nicht mit einem noch so tollen ICE-Bahnhof.
AUG
29
17:30 Uhr, geschrieben von nochmehrfakten
@"fakten"
Zuerst einmal möchte ich der Familie mein Beileid aussprechen. Nach meinen Informationen bestätigen aber die behandelnden Ärzte der Dame die Aussagen der STZ nicht. Nicht alles was in der STZ steht ist auch wahr. Sie Frau/Herr "fakten" müssten das doch am besten wissen, oder. Deswegen wurde das Thema von der Presse auch nicht weiterverfolgt.
AUG
29
16:14 Uhr, geschrieben von Seher
Die im Dunkeln tappen...
Vielen Dank an W. Birkemeier für die "Geschichte schwäbischer Renitenz". Vielen Dank auch an die STZ , die solche Dokumente veröffentlicht. Die Bürger lassen sich nicht unbegrenzt für dumm verkaufen. Da nützt es auch nichts wenn bei Großdemonstrationen, wie am letzten Freitag, die Straßenbeleuchtung abgeschaltet wird. Will man die Polizei beim Zählen der Teilnehmer behindern? Die Polizei hat wohl einige Teilnehmer nicht gesehen. Egal, es werden immer mehr... :-)
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