| Zeitungsgruppe Stuttgart |Donnerstag, 23. Februar 2012
Baden-Württemberg
Artikel weiterempfehlen

Grüne im Land Homosexualität als Pflichtstoff

dpa/lsw, vom 26.06.2010 16:16 Uhr
 Foto: Steinert
Foto: Steinert
Stuttgart - Die Grünen in Baden-Württemberg wollen, dass Homosexualität Pflichtstoff an den Schulen wird. Damit könne der anhaltenden Schwulenfeindlichkeit entgegengewirkt werden, sagte die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Brigitte Lösch, den "Stuttgarter Nachrichten" (Samstag). "Homophobe Einstellungen unter Jugendlichen sind nach wie vor stark ausgeprägt", meinte sie. Derzeit hänge es ausschließlich vom Engagement der Lehrer ab, ob schwule und lesbische Lebensweisen im Unterricht thematisiert würden, sagte Lösch unter Verweis auf eine Regierungsantwort zu einer entsprechenden parlamentarischen Anfrage der Grünen. Das Thema müsse daher sowohl im Bildungsplan als auch bei der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte verbindlich vorgegeben werden. Vom baden-württembergischen Kultusministerium war dazu am Samstag zunächst niemand zu erreichen.

Lösch forderte in dem Blatt zudem eine landesweite Umfrage, um das wahre Ausmaß von gewalttätigen Übergriffen gegen Schwule und Lesben im Südwesten in Erfahrung zu bringen. In den vergangenen fünf Jahren habe die Polizei im Land nur 15 homophobe Straftaten registriert, sagte sie unter Verweis auf die Regierungsantwort. Elf davon richteten sich gegen Schwule, drei davon gegen Lesben und eine Straftat gegen beide Gruppen. Die tatsächlichen Erfahrungen von Schwulen und Lesben legen aus Sicht von Lösch aber nahe, dass die Dunkelziffer in diesem Bereich außerordentlich hoch sei. So hätten bei einer bundesweiten Umfrage bis zu 35 Prozent der befragten Schwulen angegeben, schon einmal Opfer einer schwulenfeindlichen Gewalttat geworden zu sein. Nach Schätzungen der Polizei würden 90 Prozent dieser Opfer die entsprechenden Taten nicht anzeigen. Dem Bericht zufolge ist die Landesregierung durchaus offen für die von den Grünen geforderte Erhebung.
Weitere Artikel
Kommentare (32)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
JUL
01
11:13 Uhr, geschrieben von B.Lauber
@Schwoabaweiza
Sehen Sie, Herr/Frau Schwoabaweiza, und genau da kommen wir nicht zusammen. Denn wenn Sie vom Beginn der Schöpfung und von "von der Natur festgelegten Dingen, an denen Homosexuelle rütteln", steht Ihre Argumentation auf 1. religiösen Füßen (das unterstelle ich jetzt einfach mal durch die Wortwahl) und 2. auf der Grundannahme, dass Homosexualität eine Wahl ist, die ein Mensch für sich trifft - genau so, wie man z.B. seine Haarfarbe ändern kann. Aus dieser Sicht macht Ihre Argumentation durchaus Sinn, das stelle ich Ihnen gar nicht in Abrede. Aber erlauben Sie mir, diese Grundannahmen zu hinterfragen. Ob es am Anfang (wie auch immer dieser "Anfang" ausgesehen haben mag) einen Urknall oder eine Schöpfung gegeben hat, vermag ich nicht zu sagen, aber eines ist klar: Glaube kann nie Grundlage von Diskussion über Rechte sein. Allein schon deswegen nicht, weil dann diese Rechte immer nur für Mitglieder einer bestimmten religiösen Gruppe gelten würden. Zweitens ist Sexualität schlicht und ergreifend keine Wahl. Denken Sie an Ihre eigene Pubertät zurück. Gab es irgendwann einmal einen Punkt, an dem Sie sich dazu entschlossen haben, heterosexuell zu werden? Ich denke nicht. Allein die Vorstellung ist ziemlich absurd. Das Gleiche gilt für Homosexuelle. Das wäre in etwa so, als ob man einem dunkelhäutigen Menschen vorwerfen würde, er habe sich seine Hautfarbe ausgesucht und solle sich jetzt deswegen bitte nicht über Diskriminierung beschweren. Im Übrigen habe ich Sie (und zwar schon beim ersten Mal) durchaus verstanden. Ich bitte Sie aber auch zu verstehen, dass es hier nicht darum geht, als Bittsteller an die Gesellschaft zu treten, damit diese eine gewählte, unübliche, auch verpönte Lebensart toleriert. Homosexualität ist vielleicht in gewissen Kreisen verpönt. Sicherlich aber nicht gewählt und auch üblicher, als Sie denken. Deswegen geht es hier darum, gleiche Rechte zu fordern - denn diese stehen uns zu.
JUN
30
10:27 Uhr, geschrieben von May
Heuchelei
@Schwoabaweiza: 1) Heirat war seit Menschengedenken bis Anfang des letzten Jahrhunderts ein Vertrag, ein wirtschaftliches Abkommen, für Frauen oft absolut essentiell zum Überleben und hatte mit Liebe nicht viel zu tun. Es ging darum klare Verhältnisse zu schaffen, Kinderkriegen möglich zu machen und sich finanziell und sozial abzusichern, oft auch mit klarem religiösen Hintergrund. Die Ehe so wie wir sie heute kennen ist ein Produkt der Moderne. Also entscheiden sie sich: Sehen sie die Ehe als etwas, dass Kinder absichern soll? Vielleicht auch mit religösem Hintergrund? Dann dürfen künftig unfruchtbare Paare und ältere Paare, die keine Kinder mehr bekommen können nicht heiraten. Außerdem müsste geprüft werden, ob ein Paar Kinder haben will. Wer das nicht vorhat, darf nicht heiraten. So einfach ist das. Sehen sie die Ehe als eine wirtschaftliche Absicherung? Dann wäre es doch extrem diskriminierend, wenn man dem einen Paar diese Vorteile gewährleistet und dem anderen nicht. Sehen sie die Ehe als ein Ausdruck von Liebe, etwas, dass man in erster Linie beschliesst um zu sagen, wir gehören zusammen, etwas Romantisches? Dann gibt es ebenfalls keine Rechtfertigung, dies homosexuellen Paaren zu verweigern. 2) Soso, sie entsprechen nicht der Norm. Ab wann ist es denn die Norm? Ab wieviel Prozent der Bevölkerung, ab wievielen hunderten von Millionen Menschen? Dann gehen wir doch am besten gleich dazu über, Linkshändern nicht die gleichen Rechte zu geben und Schwarzen das Wahlrecht zu nehmen, weil sie mit ihrer Hautfarbe in Deutschland ganz und gar nicht der Norm entsprechen. 3) Sie reden von der Natur? Homosexualität gibt es schon immer, tritt bei Tieren wie bei Menschen auf, überall, genau wie es Millionen von Linkshändern gibt, obwohl die Rechtshänder in der Mehrzahl sind. Homosexualität ist ein Produkt der Natur. Am Anfang standen Mann und Frau? Als wenn es nicht von Anfang an Homosexualität gegeben hätte. Aber wenn Sie so denken, dann sind Sie bestimmt gegen jede Form von tatsächlichem Eingriff und Verbiegen der Natur durch den Menschen. Wie Medizin, Operationen, das ganze Desaster, dass wir mit der Umwelt angerichtet haben. @RAGNAROEKR: Versuchen Sie es nun ersthaft so hinzustellen, als wenn es einseitig wäre, den einseitigen Aufklärungsunterricht in den Schulen zu beseitigen? Was wäre denn dann für sie nicht einseitig? Den Lehrern freizustelln, ob sie Homosexualität verschweigen, diskriminieren oder aufgeschlossen darstellen wollen? Es geht hier darum, homosexuellen Kindern zu helfen und daran zu arbeiten, Diskriminierung zu unterbinden. Es geht im Notstände, die Ihnen offensichtlich egal sind. Wie kann man etwas dagegen haben, dass Kinder aufgeschlossener und aufgeklärter werden?
JUN
30
09:38 Uhr, geschrieben von RAGNAROEKR
Bildung und Liebe schließen sich aus
@Maike Frau Maike, Ihre Kritik an Herrn Grau`s Kommentar geht am Thema vorbei. Denn die Forderung der Grünen lautete: Homosexualität zum Pflichtstoff in Schulen zu machen. Begründet wurde das damit, es hänge von den Lehrern ab, ob diese Lebensweise im Unterricht behandelt wird. Es geht also darum, eine von mehreren Lebensanschauungen gegenüber anderen privilegiert abzugrenzen. Dies ist - unabhängig von der eigenen Lebensweise - in jedem Falle eine politische Provokation. Und diese Provokation hat mit Bildung nichts zu tun. Im Gegenteil, unsere Kinder müssen gegen alle Einseitigkeit geschützt werden. Dass Lösch politischen Unsinn redet, sei zunächst an einem Beispiel festgemacht: Nehmen wir mal an, alle Banker fordern den Schulunterricht hauptsächlich auf Kapitalismus auszurichten, ja schon in der Vorschule sei Kapitalismus zu lehren. Um das deutlich zu sagen, nicht einmal ein Kapitalist darf diese schulische Verbrämung seiner Wirtschaftsideologie bildungsmäßig billigen. Und zwar eben aus dem Grunde, dass Bildung und Lebensverengung unversöhnlich zueinander stehen. Und nun, sehr geehrte Frau Maike, ist auch Ihre Begriffswahl, wie z.B. Liebe, dem Bildungswesen fremd. Bildung hat mit der Herstellung einer Liebesordnung nichts zu tun. Die Liebe hat völlig andere Strukturen und Wesensgehalte, als die Bildung oder z.B. das Recht. Der Gebildete muss nämlich auch eine Liebesordnung verwerfen können. Beanstandet wird im Übrigen die Maßlosigkeit, die eigene Lebensweise anderen überstülpen zu wollen. Und dies gilt für alle Lebensanschauungspolitiken.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  11
nächste
 
Anzeige
Umfrage
Gauck soll offenbar neuer Bundespraesident werden Das große Mäkeln

Sarrazin, Occupy, Hartz IV und seine "wilde Ehe" - bevor Joachim Gauck überhaupt zum Bundespräsidenten gewählt wurde, haben viele an dem Kandidaten etwas auszusetzen. Ist diese Vorab-Kritik berechtigt?

 
Ja, Gauck muss sich das gefallen lassen.
Nein, lasst ihn doch erstmal Präsident werden.
Das interessiert mich nicht.
 
Aktueller Stand
 
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement