| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 11. Februar 2012
Stuttgart 21
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Grünen stellen Gutachten vor "Ein Fass ohne Boden"

dapd, vom 08.09.2010 14:18 Uhr
Stuttgart - Die Kosten für die mit dem umstrittenen Projekt "Stuttgart 21" verbundene ICE-Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm liegen einem Gutachten zufolge wesentlich über den bisherigen Annahmen. Die von der Grünen-Landtags- und Bundestagsfraktion beauftragten Münchner Verkehrsberater Vieregg/Rössler halten nach eigener Nachberechnung für die 60 Kilometer lange Strecke Kosten von 4,55 Milliarden Euro für wahrscheinlich. Die Bahn hatte im Juli 2,89 Milliarden Euro veranschlagt. Mit Berücksichtigung der Inflation dürften die Kosten bis 2016 laut Gutachten sogar auf 5,3 Milliarden Euro steigen. Die Deutsche Bahn wies die Kostenschätzung "mit Nachdruck als falsch und nicht nachvollziehbar" zurück. Gutachter Martin Vieregg sagte am Mittwoch, sollte die Bahn nicht umplanen und kostengünstigere Tunnelbaumaschinen verwenden, seien sogar Kosten von mehr als 10 Milliarden Euro denkbar. Dies könne insbesondere passieren, wenn man aufgrund der schwierigen hydrologischen Bedingungen im Albaufstieg im schlimmsten Fall auf Wasser in den Höhlen stoße.

Die Planungen der Bahn für die Strecke lägen hinter der aktuellen Tunnelbautechnik und wiesen noch den Stand von vor zehn Jahren auf. Die Bahn habe bisher die Kosten für einen Kubikmeter Tunnel auf etwa ein Viertel der Kosten veranschlagt, die sie für die ICE-Strecke Ingolstadt - Nürnberg veranschlagt habe. "Das ist relativ unwahrscheinlich, da die geologischen Verhältnisse am Albaufstieg viel schwieriger sind", sagte Vieregg. Zudem kritisierten die Gutachter, dass die Tauglichkeit der Strecke für den Güterzugverkehr behauptet werde, obwohl diese fachlich sehr umstritten sei. Die Gutachter schlugen vor, die Strecke Stuttgart - Ulm umzuplanen. So könne etwa im Abschnitt zwischen Kuchen und Amstetten eine neue Streckenführung mit kürzeren Tunneln gewählt werden. Bei einer solchen kostengünstigeren Variante könnte die Strecke sogar noch bis Augsburg fortgeführt werden, sagte Viereggs Kollege Karlheinz Rössler.

Winfried Kretschmann: "Moratorium ist unerlässlich"


Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Winfried Hermann (Grüne), nannte die Strecke den "größten Kostenknaller" in der gesamten Geschichte des Schienenbaus. "Wir sind überzeugt, dass der Bund die Mehrkosten nicht finanzieren kann", sagte er und forderte einen Ausstieg des Bundes. Ziel der Grünen sei es nicht, den Ausbau kaputt zumachen. Es sei aber "dringend notwendig", die Mittel effizient einzusetzen zur Realisierung des Schienenausbaus insgesamt, sagte Hermann. Die Strecke sei aber nicht so wichtig, wie es nach außen dargestellt werde. Die wichtigste Güterverkehrsachse sei nachweislich im Rheintal. Dafür bleibe kein Geld mehr. Der Bund habe bereits acht bis neun Milliarden Euro der insgesamt elf Milliarden Euro für den Ausbau des Netzes bis 2020 verplant.

Laut dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Winfried Kretschmann ist ein Moratorium nun "unerlässlich". Auch Bahnchef Rüdiger Grube müsse ein Interesse daran haben, wenn bereits gebaut werde, das Projekt aber nicht finanzierbar sei. Die Bahn wies die in dem Gutachten genannten Zahlen zurück. Hier werde zum wiederholten Male "mit Horrorzahlen" versucht, die Bevölkerung zu verunsichern und Stimmung gegen das Projekt zu machen, sagte ein Sprecher. Die Deutsche Bahn habe erst Ende Juli auf Basis ihrer Entwurfsplanung eine aktualisierte Kostenrechnung vorgestellt, in die exakte Daten über Mengen und Preise sowie Gewerke und geologische Verhältnisse eingeflossen seien und die eine präzise Berechnung der Baukosten ermögliche.
Kommentare (120)
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SEP
11
20:04 Uhr, geschrieben von Jakutzi
@Lurchi Leonberg
Lieber @Lurchi Leonberg, wenn man die Demonstranten mit den Kosten fuer Polizeieinsaetze, die volkswirtschaftlichen Schaeden ihre Verkehrsbockaden und den Mehrkosten fuer das Projekt S21 infolge der anhaltenden Behinderungen der Bauarbeiten belasten wuerde, dann waere bald keiner mehr auf der Strasse.
SEP
10
09:22 Uhr, geschrieben von benkert
@stuggiwatcher
...Untertürkheim ist ein Auf-(Ab)stellbereich für in Stuttgart endende Züge und der 1. "Losfahrbahnhof" von in Stuttgart beginnenden Zügen. Von Untertürkheim wird als 1. Station wohl immer erst HBF tief/Bad Canstatt angefahren. Sie liegen richtig, im Grunde gibt es in Untertürkheim einen 2. Bahnhof (Abstellbahnhof) in dem alle Züge des nicht durchgehenden Fernverkehrs enden bzw. starten. So ist es im Konzept S 21 vorgesehen.(ob man dort bereits als Fahrgast einsteigen kann, weiss ich nicht-möglich wäre es ) hierzu noch ein Hinweis: Sollte z.B. ein ICE/IC/ IRE in Untertürkheim starten, der Ri München oder Richtung KA/Mannheim fährt, muß dieser kurz vor der Einfahrt HBF tief (noch im aufgeweiteten Tunnel-ca. 200 m vor dem Bahnhof) über Kreuzungsweichen auf das richtige Fernbahn-Ausfahrgleis geleitet werden. In dieser Zeit sind alle weiteren Einfahrten in den HBF der gequerten Gleise blockiert, weil sog. "Flankenfahrten" möglich sind.(d.h. ein auf einem "gequerten" Gleis fahrender Zug könnte diesem in die Flanke fahren). Ein Faktor, der die Leistungsfähigkeit des Bhf. einschränkt, weil alle zu querenden Gleise im BHF für max. 2 Minuten gesperrt sind. Sind bereits Verspätungen im System - aus welcher Richtung auch immer- wird es dann sehr schwierig, einen pünklichen, reibungslosen und umsteigefreundlichen Betrieb zu gewährleisten. Nicht so gut. Auch sind Kreuzungsweichen relativ störanfällig. Liegen Störungen im Weichensystem vor, muß diese Störung erst aufgehoben werden, bevor freie Einfahrt in HBF möglich. mfG mfG
SEP
10
04:20 Uhr, geschrieben von Matthias
@Banhofslaie -Nachtrag
Hallo Bahnhofslaie, ich habe mir die Seite von H. Busch durchgesehen. Wirklich interessant und informativ. Interessant sind seine Ausfuehrungen, dass man S21 mit K21 vergleichen muss und dann bekommt man auch die gleiche Leistungsfaehigkeit. Heisst damit aber auch, dass der derzeitige Bahnhof schlechter ist als S21. Ich will aber jetzt darauf nicht herumreiten. Das Problem, dass viele S21 Befuerworter mit K21 haben, ist die fehlende Umsetzungswahrscheinlichkeit. Sie hoeren hier gar nichts. Kein Gruener hat sich hier positioniert. Kein Politiker hat gesagt, dass das Geld da ist. Hier sehe ich auch das Kardinalproblem bei der ganzen Sache. Man haette sich darauf einige muessen, dass auf jeden Fall gebaut/modernisiert wird und das entsprechende Gelder vorhanden sind. Bei S21 hat man es umgekehrt gemacht. Man hat erst das Projekt aus der Taufe gehoben, kam dann bei der Finanzierung unter die Raeder und hat dann 20 Jahre versucht, die Finanzierung sicher zu stellen. Hier waere auch ein Ansatz aus meiner Sicht, eine Beruhigung herzustellen. Man braucht hier keinen Volksentscheid, sondern 6 Monate Ruhe - Finanzierung steht - und man setzt sich nochmals zusammen und optimiert S21 oder entscheidet sich von mir aus auch fuer K21. Nur nochmals 10 Jahre warten oder bis zum St. Nimmerleinstag - das lehne ich ab.
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