Grund- und Parkrealschule in Stammheim Schulerweiterung verschiebt sich um Jahre

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Der dringend benötigte Interimsbau an der Schule am Fliegenweg wird nicht vor 2023 fertig. Die Rektoren sind empört.

An der Schule am Fliegenweg geht es eng zu. Die Schulleiter warten auf dringend benötigte  Erweiterungsbauten.  Container aufzustellen, reiche nicht aus, sagen sie. Foto: Lederer
An der Schule am Fliegenweg geht es eng zu. Die Schulleiter warten auf dringend benötigte Erweiterungsbauten. Container aufzustellen, reiche nicht aus, sagen sie. Foto: Lederer

Stammheim - Der Frust sitzt tief bei Claudia Neulinger und Philipp Malhotra. Die beiden Rektoren der Grundschule in Stammheim und der Parkrealschule in Zuffenhausen sind mehr als verärgert über die Stadtverwaltung. „Letzte Woche Montag haben wir vom Schulverwaltungsamt erfahren, dass der erste Bauabschnitt für unsere Schulerweiterung frühestens zum Jahr 2023/24 fertig wird“, sagt Neulinger. „Eigentlich hätten die ersten Gebäude schon zum kommenden Schuljahr fertig sein sollen.“ Zumindest hatten das die Planungen aus dem Jahr 2013 vorgesehen, ergänzt Malhotra. 2016 hat die Parkrealschule angefangen, von Zuffenhausen nach Stammheim umzuziehen. Jedes Jahr mit einer neuen Klassenstufe. „Wir hatten einem Umzug nach Stammheim nur unter der Bedingung zugestimmt, dass die baulichen Voraussetzungen passen“, sagt er.

Doch sie passen nicht. Es fehlt an Räumen, und der Baubeginn für die versprochenen Neubauten verschiebt sich immer weiter nach hinten. „Jedes Schuljahr kommen mindestens zwei neue fünfte Klassen von Zuffenhausen nach Stammheim“, sagt Malhotra. Und auch Claudia Neulinger benötigt weiteren Platz für ihre Grundschüler: „Vier bis fünf Grundschulklassen sind es bei uns jedes Jahr. Auch für sie haben wir nicht genügend Räume.“ Es fehlt an Klassenzimmern, Zimmern für die Ganztagsbetreuung und einer Mensa. Die Realschüler gehen mittags ins Jugendhaus zum Essen. Rund 100 Grundschüler, die eigentlich an der Schule essen sollten, müssen zu einer ehemaligen Kindertagesstätte an der Freihofstraße laufen. Gegessen wird in zwei Schichten. Den Kindern der ersten Schicht bleiben grob 30 Minuten Zeit zum Essen, dann geht es wieder an die Schule, um Platz für die anderen Kinder zu machen. Wenn die gegessen haben, laufen manche Kinder wieder von der Schule zu den Interimsräumen an der Freihofstraße, weil dort dann Arbeitsgruppen im Rahmen der Ganztagsbetreuung angeboten werden.

Es fehlen 3000 Quadratmeter Nutzfläche

Malhotra: „Es wurde vom Schulverwaltungsamt ermittelt, dass wir in Stammheim rund 3000 Quadratmeter Nutzfläche haben und ungefähr noch einmal so viel Fläche bräuchten.“ Die fehlenden Räume hatten auch schon Konsequenzen was die Aufnahme von Realschülern angeht. „30 Schüler mussten wir wegen des Raummangels schon ablehnen“, bedauert Malhotra. Und die Schülerzahlen steigen weiter. Denn in den kommenden Jahren wird das Neubaugebiet Langenäcker-Wiesert mit 320 Wohnungen in Stammheim-Ost verwirklicht.

„Es erschließt sich uns nicht, weshalb es mit der Umsetzung der Erweiterungspläne unserer Schule so lange dauert“, sagt Claudia Neulinger. „Die Gelder sind bewilligt, aber es geht nicht voran. Es hieß immer: Stammheim hat oberste Priorität, weil der politische Wille da ist – und jetzt wird der Standort kaputt gemacht.“ Auch Philipp Malhotra befürchtet durch die Verzögerungen Nachteile für die Schulentwicklung in Stammheim: „Wer meldet sein Kind denn an einer Schule an, wenn er nicht weiß, wo es unterrichtet wird – unsere Arbeit wird mit Füßen getreten“, sagt er. Der Alltag an der Schule funktioniere nur deshalb noch, weil Kollegen und Eltern nach internen Lösungen suchten und flexibel seien. „Wir haben es mit Menschen zu tun und nicht mit Maschinen wie beim Daimler – man kann die Kinder und Lehrer doch nicht hin- und herschieben, wie es einem passt.“ Für die Lehrer bedeutet der Unterricht an aktuell noch zwei Schulstandorten (Fliegenweg in Stammheim und der Marconistraße in Zuffenhausen) zusätzlichen Stress und eine extreme Belastung. Von der problematischen Personalsituation ganz zu schweigen. „Wir haben 42 Stunden Ausfallzeit pro Woche – die Kollegen sind am Limit“, schildert der Schulleiter.

Pavillons von Schimmel befallen

Auch die Lehrer an der Grundschule leiden unter den Zuständen: Die alten Pavillons aus den 1950er Jahren sind feucht und immer wieder von Schimmel befallen. Sie hätten längst abgerissen werden sollen, werden aber mangels Alternativen noch gebraucht. „Wir haben der vorübergehenden Nutzung der Pavillons nur zugestimmt, weil sie regelmäßig gestrichen werden und die Luft kontrolliert wird“, sagt Neulinger.

Im Sommer dieses Jahres hat der Gemeinderat beschlossen, dass übergangsweise Container auf dem Gelände aufgestellt und zusätzliche Räume im Ort angemietet werden sollen. Kostenpunkt: knapp drei Millionen Euro. Laut Beschlussvorlage sollen die Container Platz für acht Unterrichtsräume bieten. Für die Rektoren sind diese Container nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Für die Realschule brauchen wir allein für das kommende Jahr drei weitere Klassenzimmer und für die Grundschule zwei Räume“, sagt Malhotra. Vom Platzbedarf für Speiseräume und dem weiteren Schülerzuwachs in den Folgejahren ganz zu schweigen. Neulinger: „Wenn es nur darum ginge, zwei Jahre zu überbrücken, wären die Container in Ordnung. Aber wir schaffen es nicht, wenn es noch sechs Jahre dauert, bis der erste Bauabschnitt fertig ist.“ Wenn die Container nicht vor Schuljahresbeginn aufgestellt seien, sei das eine Katastrophe. „Dann müsste ich Grundschüler ablehnen.“

Personalmangel beim Hochbauamt

Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Stadtverwaltung wird auf Personalmangel beim Hochbauamt verwiesen. Konkrete Infos zur Problematik in Stammheim gibt es nicht. Die Leiterin des Schulverwaltungsamtes Karin Korn wollte einem Informationsgespräch zur Schulentwicklungsplanung am Mittwoch, 18. Oktober, „nicht vorgreifen“. Bei diesem Gespräch hat Schulbürgermeisterin Isabel Fezer mit Vertretern aus Politik, Schulen sowie den jeweiligen Verwaltungen über den Sachstand der Schulentwicklungsplanung und über den aktuellen Stand zum Investitions- und Schulsanierungsprogramm informiert und diskutiert. Öffentlich war die Veranstaltung nicht.

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