Grundsteinlegung am Hauptbahnhof Ein Hauch Paris in Stuttgart
Hildegund Oßwald, 21.07.2010 07:24 Uhr
So sollen in zwei Jahren die "Pariser Höfe" aussehen. Foto: Visualisierung: Aldinger & Wolf
So sollen in zwei Jahren die "Pariser Höfe" aussehen. Foto: Visualisierung: Aldinger & Wolf
Stuttgart - Die bisher recht einsame Baustelle der neuen Bibliothek 21 hinter dem Hauptbahnhof bekommt Gesellschaft. Am Dienstag wurde im Beisein von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster der Grundstein für den Neubau der "Pariser Höfe" gelegt. Bis in zwei Jahren wollen Münchner Investoren auf dem A-1-Gelände nördlich des Bürohauses der Südleasing 242 Stadtwohnungen und ein größeres Bürogebäude errichten.

Die Reiß & Co. Real Estate München GmbH ist damit der erste Projektentwickler, der auf dem früheren Bahngelände den von der Stadt so sehr erhofften Wohnungsbau realisiert - und das gleich im großen Stil. Der Name "Pariser Höfe" verspricht Weltformat, und die Illustrationen der Architekten zeigen einen neuen Häuserblock in einer Größenordnung, die tatsächlich großstädtisch daherkommt und im Stuttgarter Talkessel wohl neue Maßstäbe setzen wird.

Ob diese allen gefallen oder so manchem doch zu gewaltig sein werden, bleibt abzuwarten. Bei der Grundsteinlegung überwog die Freude darüber, dass die neue Bibliothek ein urbanes Umfeld bekommt, das eine gewisse Belebung verspricht, zumal sich weitere große Wohnungsprojekte hinter dem Hauptbahnhof bereits ankündigen. So sollen über dem geplanten ECE-Einkaufszentrum an der Wolframstraße neuerdings 400 bis 500 Wohnungen entstehen, ebenso weitere Stadtdomizile in dem geplanten Hochhaus zur Heilbronner Straße daneben.

Die Wohnungen verteilen sich auf zwölf Häuser


Die Münchner Investoren aber haben die Nase vorn. Sie setzen auf die große Nachfrage nach städtischen Mietwohnungen und haben für das Projekt mit der Bayerischen Versorgungskammer zum Baustart prompt bereits einen Käufer gefunden. Mit der Vermietung der vielen Ein- bis Fünfzimmerwohnungen will man bereits im kommenden Frühjahr beginnen.

Insgesamt sieht die Planung der beiden Münchner Büros KSP Jürgen Engel Architekten (Büros) und Maier Neuberger Architekten (Wohnen) einen siebengeschossigen Häuserblock mit fast 49.000 Quadratmetern vor, 12.600 davon entfallen auf den Büroteil. Zudem gibt es eine Tiefgarage mit gut 300 Plätzen. Die Wohnungen verteilen sich auf zwölf Häuser. Deren Fassade zeigt eine klare horizontale Gliederung in Sockelzone, Regelgeschosse, Terrassen und einen umlaufenden Rücksprung im Dachgeschoss. Im Sockel wird laut Bauherr ein heller Naturstein verwendet, die Obergeschosse werden hell verputzt. Innenhöfe sollen zugänglich sein Den Namen des Bauprojekts prägen neben dem angrenzenden Pariser Platz zwei große Innenhöfe. Diese werden zwar von allen Seiten zugänglich sein, sollen sich jedoch deutlich als privater Raum von den öffentlichen Plätzen unterscheiden. Der Bürohof stellt als grüne Pufferzone den Übergang von Wohnen und Arbeiten dar. Er wird bis zur Fertigstellung des Bahnprojekts Stuttgart 21 auch zur Erschließung der Büros und der innenliegenden Wohnhäuser dienen.

Beim Bürogebäude ist die Fassade der oberen Geschosse mit hellem Naturstein verkleidet. Laut Reiß & Co. wird eine Zertifizierung nach den Nachhaltigkeitskriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) angestrebt.
Kommentare (60)
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AUG
04
EJR, 15:45 Uhr

Paris wäre arm dran, wenn sein welberühmter Charme auf so einfältige Architektur angewiesen wäre !

Diesem Bauteil einen "Hauch von Paris" anzudichten zu wollen, ist eine ernsthafte Beleidigung der Architekturkultur unserer französischen Nachbarn ! Die Bezeichnung "Pariser Platz" und "Straßburger Platz" sind nichts weiter als eine hilflose, kleinkarierte, zugleich zutiefst verletzende Anbiederung für diese wunderbaren Städte. Sie sind ein "Manifest der Stuttgarter Kulturbanausen" im Rathaus, die in Ermangelung von Selbstsicherheit, Souveränität und kosmopolitischem Lebensstil und Lebenserfahrung jeden Mist mitmachen, der Ihnen "modern" oder "weltmännisch" erscheint - "Let's Putz" in der Turboversion !

JUL
23
Ja21, 10:44 Uhr

Machtgeile B-Politker!!!

@Kai: Dann muss ich es wohl erklären: Gemeint ist sicher nicht die Landesregierung. Ich denke, die steht da drüber. Gemeint sind die ganzen Gestalten, die hier Ihre Chance sehen und suchen nach "oben" zu kommen/sich politisch einen Namen zu machen. Dies tun sie, indem sie die wildesten Parolen um sich werfen. Ich kann mir bei allem Respekt nicht vorstellen, dass man komplett hinter allen diesen wirren Argumenten stehen kann (natürlich treffen einzelne Dinge zu - es ist nicht alles quatsch). Nun - es trifft auf jeden Fall den Nerv vieler Leute und setzt bei diesen (leider meist destruktive) Energien frei. Diese Lust an der Macht (das Thema ist dankbar aber denjenigen vermutl. nicht so wichtig wie sie manchmal tun) prangere ich an und appelliere an eine Freisetzung von positiven und konstruktiver Energie. Ruhe ist NICHT die erste Bürgerpflicht! Aber immer nur nörgeln nervt einfach.

JUL
23
bahnfahrer, 09:12 Uhr

noch mal S21 unter dem Aspekt der Architektur

Danke für die wirklich sachlichen und freundlichen Reaktionen - auch von S21-Befürworterseite - auf meinen Beitrag! In der Tat, so könnte eine fruchtbare Auseinandersetzung um S21 stattfinden. Wie das eben nicht geht, das zeigt leider Ihr Beitrag, G.W.. Zur Sache: Natürlich handelt es sich bei dem von mir geposteten Link nicht um einen für Stuttgart eins zu eins umsetzbaren Entwurf, sondern um eine Anregung, in welche Richtung man denken könnte. Interessante Architektur muss, könnte ich mir denken, nicht unbedingt unerschwinglich sein. G.W., Sie sprechen von einem "gelungenen Entwurf". Nun ja, da lässt sich schwer argumentieren, da "Geschmäcker" bekanntlich verschieden sind. Für mich allerdings sehen die "Pariser Höfe" so einfallslos aus wie das bereits beim Bahnhof erstellte Bankenensemble. Mein Tipp: Vergleichen Sie doch einfach mal diese LBBW-Bankenwüste mit dem LBBW-Bau vom Büro Behnisch an der Hohe Straße! Ein deutlicher Unterschied, wie ich finde, der zeigt, was - vermutlich mit wenig Mehraufwand - möglich sein könnte. Und stellen Sie sich, das ganz nebenbei, einen lichtdurchfluteten oberirdischen Stuttgarter Hauptbahnhof vor, der die Reisenden offen und freundlich empfängt, im Gegensatz zu einem engen, unterirdischen, von einigen "Lichtaugen" (die vielleicht sogar noch weggespart werden) und künstlichem Licht halbwegs erhellten Tiefbahnhof, dem der Ankommende sich im dunklen Tunnel nähert. Apropos: Kennen sie den ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe? Fahren Sie mal hin! Dieser Bahnhof wird nicht einmal wie der zukünftige Stuttgarter durch Tunnel erreicht und ist nicht unterirdisch, sondern befindet sich in einem Trog - alles andere als ein attraktives Tor zur Stadt! "Halbdunkles Zwielicht! Nix wie weg!", wird dem erschrockenen Reisenden so signalisiert. P.S. Lieber ProS21, sehr gerne würde ich Sie natürlich in den Reihen der S21-Gegner begrüßen ;-)

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