Grundsteinlegung in Stuttgart für Arena 2036 Forschungshalle für das Auto der Zukunft entsteht

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Superleichte Autos und eine smarte Fertigung ohne Fließband: beides entwickeln Wissenschaftler gemeinsam mit Unternehmen in einer Halle auf dem Vaihinger Unicampus. Zwei Minister sind begeistert.

Am Pfaffenwaldring sollen superleichte Autos und eine  Fertigung ohne Fließband entwickelt werden, die jederzeit verändert werden kann. Foto: Christian Hass
Am Pfaffenwaldring sollen superleichte Autos und eine Fertigung ohne Fließband entwickelt werden, die jederzeit verändert werden kann.Foto: Christian Hass

Stuttgart - Am Pfaffenwaldring auf dem Vaihinger Unicampus markieren 32 Stelen den Raum, den die Forschungsfabrik Arena 2036 einnehmen wird. In der dort entstehenden Forschungshalle werden 160 Wissenschaftler an neuen Technologien für das Leichtbauauto der Zukunft arbeiten und ganz neue Formen der Produktion entwickeln. An dem Vorhaben beteiligt sind, neben der Uni Stuttgart, BASF, Bosch, Daimler, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf, Fraunhofer-Institute sowie weitere Firmen. Dass zur Grundsteinlegung am Donnerstag gleich zwei Minister kamen, zeigt die Bedeutung des Vorhabens für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort.

Enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft

So sprach Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) von einem „wirklich großartigen Tag für das Autoland Baden-Württemberg“ und einem „Leuchtturmprojekt“. Ziel sei, die Autoproduktion der Zukunft vor allem flexibler zu machen – flexibler für die Veränderungen der Märkte, aber auch für die Anforderungen von Kunden und Politik. Arena biete die Chance, Produktionstechnologien auszuprobieren, etwa bei Leichtbau und Robotik; aber auch, Gesamtproduktionskonzepte zu entwickeln. Die enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft schaffe dabei eine neue Dynamik. Die spiegele sich auch im Projektverlauf wider. Denn bereits im Dezember 2016 soll die Forschungshalle fertig sein. Sie wurde von der Henn GmbH aus München entworfen und soll Platz bieten für unterschiedlichste Versuchsaufbauten einer wandlungsfähigen Produktion. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) verwies auf die großen Umbrüche durch die Digitalisierung. Für die Produktionstechnologie der Zukunft bedeute das, das Fließband zu überwinden und die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine neu zu organisieren. Dass der Leichtbau und innovative Produktionstechnologien eng zusammengeführt würden, sei für das Autotechnikland Baden-Württemberg von zentraler Bedeutung. Es gelte nun, Industrie 4.0 voranzutreiben. „Das Thema brennt“, so Bauer. Dass die Uni Stuttgart die Hälfte der Kosten für den Neubau von insgesamt 27 Millionen Euro aus eigenen Mitteln bestreite, nötige ihr Respekt ab. Die andere Hälfte kommt aus dem Programm „Innovation und Energiewende in Baden-Württemberg 2014-2020“. Das Arena-Projekt selbst wird vom Bund maximal 15 Jahre lang mit jährlich bis zu zwei Millionen Euro gefördert.

Die Kooperationspartner zeigten sich von dem Projekt angetan: Es biete den Charme, Erfahrungen aus der eigenen Fertigung einzubringen, sagte Sven Hamann, bei Bosch Leiter des Zentralbereichs Forschung und Vorausentwicklung, Produktionstechnik. „Für uns ist es eine gut geeignete Plattform, um gemeinsam mit Partnern aus der Wissenschaft an neuen Lösungen zu arbeiten.“

Auch Mittelständler sollen von dem Projekt profitieren

Auch Andreas Friedrich, bei Daimler Leiter der Technologiefabrik Mercedes-Benz Cars, sieht Arena 2036 „als Riesenchance für uns alle, besser und schneller zu werden und neue Geschäftsmodelle zu finden“. Dies sei auch notwendig, da es große Veränderungen in den Märkten gebe, auf die man schneller reagieren müsse. Das Fahrzeug der Zukunft zeichne sich aus durch Individualität, Intelligenz, Leichtbau, Nachhaltigkeit, Sicherheit, Vernetzung – doch diesem Ziel könne man sich nur ganzheitlich nähern. Unirektor Wolfram Ressel stellte klar: „Wirtschaft und Wissenschaft stehen nicht in Konkurrenz – sie können sich ergänzen.“ Minister Schmid fügte hinzu, es gehe auch darum, die Digitalisierung in die Fläche zu bringen, zu kleineren Mittelständlern.