Grundstücksmarkt in Stuttgart
Eigentum gilt als krisensicher
Thomas Braun,
16.06.2010 11:48 Uhr
Der Seepark an der Vaihinger Straße in Möhringen ist eines der großen Baugebiete in der Stadt, auf dem Wohnungen entstehen. Foto: Steinert
""Sachwerte sind in der Krise durchaus gefragt, daraus resultiert auch ein Teil des Preisanstiegs.""
Stadtdirektor Karlheinz Jäger
Drei Grafiken zum Stuttgarter Immobilienmarkt »
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 6300 Immobilien (Grundstücke und Häuser) in der Stadt veräußert, ein minimaler Anstieg um rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahr (6253). Der Gesamtumsatz ging gleichwohl von 2,15 Milliarden um rund 407 Millionen auf etwa 1,74 Milliarden Euro zurück - was laut Jäger ausschließlich auf den Umsatzrückgang im Bereich der gewerblichen Immobilien zurückzuführen ist. "Der Trend aus dem Jahr 2008 setzt sich fort", bilanzierte der Vorsitzende des Gutachterausschusses. Die Zahl der verkauften gewerblichen Objekte ging um 29 Prozent zurück, der Umsatz verringerte sich von 520 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 200 Millionen Euro - das entspricht einem Rückgang von knapp 60 Prozent.
Jäger: der gewerbliche Bereich wird sich stabilisieren
Dagegen legte der Wohnungsmarkt bei der Anzahl der Verkäufe um vier Prozent und beim Umsatz sogar um acht Prozent gegenüber 2008 zu. Die Zahl der Verkäufe von Einfamilienhäusern stieg um 20 Prozent, die der Mehrfamilienhäuser immerhin um 16 Prozent. Auch beim Wohnungs- und Teileigentum - traditionell der zahlenmäßig größte Teilbereich des Stuttgarter Immobilienmarktes - gab es bei den Verkaufszahlen einen Zuwachs um vier Prozent gegenüber 2008.
Die Preise für Bestandswohnungen im Eigentumsbereich blieben 2009 weitgehend stabil, vereinzelt gab es Preissteigerungen von etwa einem Prozent. Die Preise für Neubaueigentumswohnungen erhöhten sich 2009 um durchschnittlich bis zu zwei Prozent. Der Durchschnittspreis für eine neue Eigentumswohnung lag bei 2980 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche; in bevorzugter Wohnlage mussten Käufer bis zu 7400 Euro pro Quadratmeter für einen Neubau berappen.
Bei Bestandswohnungen liegt die Preisspanne beim Kauf zwischen 800 Euro (Baujahr vor 1925) und 5385 Euro (Stuttgart-Süd). "Sachwerte sind in der Krise durchaus gefragt, daraus resultiert auch ein Teil des Preisanstiegs", sagt Jäger, der für das kommende Jahr eine weitere Stabilisierung auch für den gewerblichen Immobilienbereich prognostiziert.
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Wohnung für mittlere Einkommen mit Kindern?
Mein Mann und ich suchen seit ca. 1 Jahr eine bezahlbare 4-Zimmerwohnung oder ein kleines Haus in oder nahe bei Stuttgart. Ich will hier keine Suchanzeige aufgeben, sondern darauf hinweisen, dass bei einem sicheren Nettoeinkommen von ca. 2400.- netto bei einer drei-köpfigen Familie fast keine vernünftige Wohnung zu finden ist. Das ist ein Einkommen, das für unsere Berufserfahrung und Alter und Job durchaus im normalen Bereich liegt. Was wir bisher an bezahlbaren Wohnungen angesehen haben, möchte ich keinem zumuten. Das reicht von einfach-verglasten Fenstern mit defekter Ölheizung über verschimmelte Dielenböden unterm Billiglaminat bis zu Junkie-Nachbarn mit Kampfhunden unten im Hinterhof oder dunklen, unheizbaren EG-Whg. Ich weiß nicht, wer in dieser Stadt absahnt, aber für diejenigen, die normal arbeiten gehen, mit Mitte 20 "schon" ein Kind haben und studiert haben und somit noch nicht so lange Berufserfahrung, bietet Stuttgart überhaupt keine guten Wohnungen!! Ich bin mittlerweile der Meinung, dass Stuttgart eine extrem familien- und kinderunfreundliche Stadt ist.
stimme Otto zu
Ja, das denke ich auch. Ich konnte mich zwischen zwei Job-Angeboten entscheiden, eins in Mannheim, eins in Stuttgart und habe mich für Mannheim entschieden, obwohl ich dann weiter von meiner Familie entfernt wohne. Aber mir ist schon die Ungewissheit über diese Baustellengeschichte zu viel. Ich war an dem Tag, als das Stadtarchiv in Köln eingestürzt ist, mit der Straßenbahn sehr nah davon unterwegs mit meiner kleinen Nichte, die in die Schule geht, die gegenüber dem Stadtarchiv stand. Ein anderer Grund, mich gegen Stuttgart zu entscheiden, obwohl ich die Stadt sehr mag (und die Stuttgarter Zeitung lese!) ist der unheimliche Dreck in der Stadt, die Luft ist sehr sehr schlecht. Ich habe in der Nähe vom Neckartor zu meiner Studienzeit gewohnt und konnte innen in meiner Wohnung jede Woche massenhaft schwarzen Staub von den glatten Flächen abwischen. Das wird durch die Graberei nicht besser, oder? Es gibt andere Städte, tut mir leid, aber auch wenn Stuttgart sehr schön ist, vor allem durch seinen schönen Park und den Killesberg - die ganze Stadt umgraben, nee, da will ich nicht dabeisein!
Preissenkung durch S21
In Anbetracht der mindestens 20 - 25 jährigen Grossbaustelle S21 inmitten der Landeshauptstadt Stuttgart werden viele Bürger die Stadt verlassen, somit werden die Preise zwangsläufig fallen - oder glaubt hier tatsächlich jemand daran, dass sich die (zumind. gutbetuchten) Bürger diesem Baulärm und Dreck über ein viertel Jahrhundert aussetzen werden?