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Baden-Württemberg
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Günter Bächle Mappus-Entdecker rechnet ab

Andreas Müller, vom 05.03.2010 07:19 Uhr
Günter Bächle (59)sieht es als "fatales Signal", mit 59 Jahren zum alten Eisen gelegt zu werden. Foto: Bechtle
Günter Bächle (59)sieht es als "fatales Signal", mit 59 Jahren zum alten Eisen gelegt zu werden. Foto: Bechtle
""Da wird jemand mit 59 Jahren von der CDU-Mehrheit als altes Eisen abgelegt.""
Günter Bächle (59) über seine Niederlage

Stuttgart - Als einer der politischen Ziehväter von Stefan Mappus war Günter Bächle in den vergangenen Wochen ein gefragter Gesprächspartner der Medien. Bundesweit gab der Kommunalpolitiker aus Mühlacker im Enzkreis Auskunft über Wesen und Werdegang des neuen Ministerpräsidenten. In der "Zeit" etwa äußerte er sich zu der Vermutung, von ihm habe Mappus das Draufhauen gelernt. "Wir sind uns da a bissle ähnlich", wurde er zitiert, "aber gelernt? Man muss auch eine Begabung dafür haben". Und im Berliner "Tagesspiegel" empfahl der 59-Jährige dem 43-Jährigen im Blick auf manche Überreaktion, er müsse noch gelassener werden; seine Ehefrau werde da sicher "ausgleichend" wirken. Immer schimmerte bei seinen Interviews der Stolz durch, das politische Talent des neuen CDU-Vormanns früh erkannt zu haben.

In seinem Blog zieht Günther Bächle über die CDU vom Leder »

Nun aber macht Bächle Schlagzeilen, die seinem "Schützling" gar nicht gefallen können. Der Hintergrund ist die Enttäuschung darüber, dass seine eigenen politischen Karriereträume geplatzt sind. Seit vielen Jahren engagiert sich der in Ludwigsburg tätige Zeitungsredakteur ehrenamtlich für die CDU: im Gemeinderat von Mühlacker, im Kreistag des Enzkreises und im Regionalverband Nordschwarzwald, jeweils als Fraktionschef. Vom nächsten Jahr an wollte er endlich hauptamtlich Politik betreiben - als neuer Landtagsabgeordneter in der Nachfolge des nicht wieder kandidierenden Winfried Scheuermann (72).

Bächle nicht als Kandidat nominiert


Bächles Chancen schienen nicht schlecht zu sein. Der unermüdliche Einsatz für die CDU, glaubten er und seine Anhänger, werde nun belohnt. Doch die Kandidatennominierung unter Leitung des Nochkreisvorsitzenden Mappus verlief ganz anders als erwartet. Unter drei Bewerbern landete der Parteiveteran im ersten Wahlgang auf dem dritten Platz. Im zweiten fiel er noch weiter zurück, im entscheidenden dritten war er damit ganz aus dem Rennen. Gewählt wurde schließlich Viktoria Schmid (41) aus Niefern-Öschelbronn - eine dreifache Mutter, Bildjournalistin und Neugemeinderätin aus prominenter Familie. Ihr Vater ist der verstorbene Staatsminister und Geheimdienstkoordinator Lutz Stavenhagen, ihre Mutter die CDU-Vizekreischefin und Mappus-Vertraute Christine Stavenhagen. In ihr habe man eine "tolle Kandidatin für den Enzkreis", lobte der Ministerpräsident.

Wie kam es zu der überraschenden, zumindest überraschend deutlichen Abfuhr für Bächle? Vielleicht sei er mit seinen 59 Jahren zu alt, analysierte die Lokalpresse, die Partei habe wohl einen "echten Generationswechsel" gewollt. Auch die Vorstellungsreden hätten eine Rolle gespielt: Während sich der Mann aus Mühlacker "stark auf die politischen Inhalte konzentrierte", hätten seine Konkurrenten "auf persönlichere Art" für sich geworben.

Wurde nach Geschlecht gewählt statt nach Kompetenz?


Bächle selbst war jedenfalls tief getroffen - und zieht seither verbal vom Leder. In seinem Internettagebuch rechnet er gnadenlos mit der Kreis-CDU ab. Kommunalpolitische Erfahrung und Inhalte zählten wohl nichts mehr, schimpft er da. "Junge Frau", das sei inzwischen Argument genug bei Personalentscheidungen - auch wenn man, wie Schmid, "keine Inhalte zu bieten" habe.

Nach außen sei es ein fatales Signal, mit 59 Jahren "als altes Eisen abgelegt" zu werden: die Generation 60 plus stehe schließlich am treuesten zur Union. "CDU wählen dürfen die 59-Jährigen schon noch, oder?", fragt er sarkastisch. Einen weiteren Grund seiner Niederlage sieht Bächle in der Polarisierung der Partei: Vertreter aus dem Osten und dem Westen des Enzkreises stünden sich "zunehmend wie Lager gegenüber". Es sei "der CDU nicht gelungen, einen einheitlichen Kreisverband zu bilden, fern von regionalen Eifersüchteleien". Das darf der seit anderthalb Jahrzehnten amtierende Vorsitzende Mappus getrost auf sich beziehen.

Was sagt er zur Kritik seines einstigen Förderers? Gar nichts, erwidert die Sprecherin des Kreisverbands. Die für die Partei schädliche Diskussion soll wohl nicht unnötig verlängert werden.

Günter Bächle labt sich derweil an dem Zuspruch, den er von vielen Seiten erhalte. "Es geht offensichtlich weniger um Inhalte als darum, sich durch einen internen Wahlkampf einen Unterstützerblock zu schaffen", bedauerte der CDU-Chef von Mühlacker. Einen weiteren Mitbürger zitiert der Unterlegene mit dem Unverständnis darüber, dass eine Frau "ohne auch nur ansatzweise erkennbare Programmatik" gewonnen habe. Politik, so Bächles Fazit, mache er fortan nur noch "auf Sparflamme", jetzt komme "die Zeit des Beobachtens". Es klingt ein bisschen wie eine Drohung.

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MRZ
05
10:35 Uhr, geschrieben von Z.U. Späth
Abgehalfterterter Mappus-Freund decouvriert Machenschafen im CDU-Kandidatenkarusell
Unwillkürlich muß man an Konrad Adenauer denken, der einst meinte, die Steigerung von "Feind" laute: Feind, Todfeind, Parteifreund. Herr Bächle merkt nun selbst, dass die "richtigen" Beziehungen eine entscheidende Rolle spielen. Ob der oder die Andere bessere oder schlechtere Qualitäten hat, ist nicht entscheidend. Aber das wiederholt sich ja bis zum Berliner Kabinett, wo ein FDP-Brüderle vollkommene Inkompetenz verbreitet, ein Vizekanzler volkstribunenartige Unflätigkeiten loslässt, ein Rössler als Oberarzt einer nicht finanzierbaren Kopfpauschale nachjoggt und eine Familienministerin aus Kochs Küchenkabinett unausgegorene Pflegemodelle auf den Tisch bringen will,, die von der Wirtschaft und Fachleuten aller anderen Parteien als ungenießbar verworfen werden. Herr Bächle, Sie haben in den letzten Jahrzehnten Ihre Freizeit und Ihre Kompetenz umsonst eingebracht. Der Dank des Vaterlands ist Ihnen - wie Herr Mappus zeigt - gewiss(?)!
 
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