Güterverkehr in Stuttgart Stadträte wollen laute Güterzüge stoppen
Wolfgang Schulz-Braunschmidt, 08.02.2012 14:30 Uhr
Anwohner protestieren gegen Lärm, der von der Bahnstrecke ausgeht. Foto: Kai Müller
Anwohner protestieren gegen Lärm, der von der Bahnstrecke ausgeht. Foto: Kai Müller
"Zu viel Lärm macht krank"
Snezana Jovanovic, Landesgesundheitsamt

Stuttgart - Die Stadt will mehr Druck auf die Bahn ausüben – aber nicht bei Stuttgart 21, sondern beim Reizthema Güterverkehr. „Lassen Sie ihre Bundestagsabgeordneten an den Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) schreiben“, empfahl Umweltbürgermeister Matthias Hahn am Dienstag im Ausschuss für Umwelt und Technik den Stadträten. Dieser müsse aber endlich leisere Güterzüge einsetzen, die Bundesregierung endlich den sogenannten Schienenbonus abschaffen, der es der Bahn erlaube, mit uralten Güterwaggons „auch heute noch so viel gesundheitsschädlichen Lärm wie vor hundert Jahren“ zu machen. Der Transport auf der Schiene müsse umwelt- und menschenverträglich sein.

Anlass der Schwerpunktdebatte zum Thema Schienenlärm war ein Antrag der SPD-Fraktion. Die hatte zahlreiche Beschwerden aus der Bevölkerung wegen des nächtlichen Schienenlärms auf der knapp zwölf Kilometer langen Schienentrasse zwischen Untertürkheim und Kornwestheim aufgegriffen. „Die Bürger kritisieren, dass der laute Güterzugverkehr in der Nacht dort erheblich zugenommen hat“, sagte SPD-Stadträtin Marita Gröger. Das sei auch kein Wunder, weil die Bahn viele Güterwagen einsetze, die im Schnitt 40 Jahre alt seien. Von den rund 150 000 Güterwaggons, die in Deutschland ständig unterwegs seien, hätten erst etwa 8000 eine sogenannte Flüsterbremse, die den Lärm halbiere.

Schienenbonus aus einer anderen Zeit

„Wir brauchen eine Initiative über den Städtetag, damit die Bahn beim Güterverkehr endlich leiser wird“, forderte Gröger. Die Bundesregierung müsse den Schienenbonus – wie im schwarz-gelben Koalitionsvertrag vereinbart – endlich streichen.

Die Bahn lehnt die Streichung dieses Privilegs allerdings entschieden ab. „Unserer Ansicht nach ist die geplante Abschaffung des Schienenbonus wissenschaftlich nicht begründet“, heißt es in ihrer schriftlichen Stellungnahme zu der SPD-Anfrage. Die Stadtverwaltung erklärt in ihrer Antwort auf die SPD-Anfrage die Abschaffung für gerechtfertigt. Der Schienenbonus beruhe auf Studien, die „nicht den neuesten Stand der Lärmeinwirkungsforschung hinsichtlich der gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Schienenlärms während der Nachtzeit berücksichtigten“. Zuvor hatte die Expertin Snezana Jovanovic vom Landesgesundheitsamt den Stadträten die gesundheitlichen Gefahren zu hoher Geräuschpegel erklärt. „Zu viel Lärm macht krank“, lautete ihr eindeutiges Fazit.

Kommentare (23)
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FEB
08
Lärmgeplagter, 23:58 Uhr

„Güter gehören auf die Schiene“, betonte auch die CDU-Stadträtin Ursula Pfau.

Dann müsste die CDU gegen S21 sein und für Investitionen in modernen leiseren Güterverkehr auf der Schiene.

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FEB
08
Reinhardt, 23:45 Uhr

Realität

Es ist in meinen Augen und vor allem auch Ohren ein Unding, Güterzüge mitten durch eine Stadt zu lassen und dann noch wie momentan ca. 30 Stück pro Tag. Die Bahnlinie ist zum Teil keine 10m von den Häusern entfernt. Dass ein Land, eine Stadt so etwas zulassen kann ist eine Zumutung, dass eine Bahn soetwas macht ist ignorant und respektlos, aber leider ist man von der Bahn keine Rücksichtnahme gewohnt. Ein Großkonzern wie er schlimmer und ignoranter seinen Kunden, der Bevölkerung etc. gegenüber nicht sein kann. Ich hoffe, unsere Politiker, welcher Couleur auch immer, denn alle sind dem Wohle des Volkes verpflichtet, verstehen endlich, was Ihre Pflicht ist, denn es gibt Lärmschutzverordnugnen, die hier rücksichtslos gebrochen werden und hier wird mit dem sehr wichtigen Schlaf- und Ruhebedürfnis von sehr vielen Menschen ignorant umgegangen!!!

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FEB
08
Edgar Hoch, 22:42 Uhr

Seit Jahrzehnten weiß die Bahn um die lauten Güterzüge...

Herr Fahrion, die Bahn weiß nicht erst seit gestern von dem Leid der lärmgeplagten Anwohner des Mittelrheintals durch die lauten nächtlichen Güterzüger der Bahn. Das ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Es ist ein Hohn, zu behaupten, die Bahn könne nicht von heute auf morgen alle Waggons mit Flüsterbremsen ausrüsten - denn die Bahn hatte schon viele Jahrzehnte Zeit, damit anzufangen - und könnte von vorvorgestern auf gestern, spätestens aber heute, nicht erst morgen FERTIG sein! Aber die Umrüstung bringt keine Einnahmen, sie kostet nur Geld - und darum hat die Bahn daran kein Interesse. - Woher kommt das plötzliche Interesse an leiseren Güterzügen? Weil nun andere Teile von Stuttgart betroffen sind als seither? (Die vielleicht "wichtiger" sind?) Es fuhren auch seither schon die gleichen lauten Güterzüge auf den Bahnstrecken im Neckartal, Remstal usw. Warum haben Sie sich für diese Anwohner nicht genauso eingesetzt?

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