Gut für Zeitarbeiter Übernahmequote steigt beachtlich
Jens Gieseler, 03.01.2012 14:13 Uhr
Qualifizierte Zeitarbeiter haben derzeit gute Chancen, von der Firma, in der sie leihweise eingesetzt sind, fest übernommen zu werden. Foto: dpa
Qualifizierte Zeitarbeiter haben derzeit gute Chancen, von der Firma, in der sie leihweise eingesetzt sind, fest übernommen zu werden. Foto: dpa

Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) verzeichnet eine gestiegene Übernahmequote von 35 Prozent. Einzelne Unternehmen verlieren an Firmen sogar 90 Prozent der Facharbeiter.

Personaldienstleister erleben als Erste Veränderungen am Arbeitsmarkt. Das Mittelstandsbarometer des IGZ zeigt, dass Kunden verstärkt Zeitarbeiter übernehmen. Die Quote stieg um 2,2 auf 34,7 Prozent. Auch die Anzahl der unbefristeten Arbeitsverhältnisse bei den 2340 Mitgliedsunternehmen stieg leicht. Inzwischen sind 84 Prozent von deren 340.000 Mitarbeitern zeitlich unbegrenzt angestellt.

Längst nutzen Unternehmen Zeitarbeitsfirmen als externe Personalrecruiter. Die Dienstleister finden die passenden Mitarbeiter. Außerdem tragen sie das Beschäftigungsrisiko in der Anlernphase, wenn die Neuen beispielsweise krank werden oder Urlaub nehmen. Stellen die Firmen nach sechs oder zwölf Monaten fest, es passt, übernehmen sie den Zeitarbeiter in ein Angestelltenverhältnis. Die fällige Abstandsgebühr ist oft günstiger als die langwierige Personalsuche.

„Wir tragen das Risiko für die Unternehmen“, sagt Hagen Baur von Fair Personalleasing. Deren Geschäfte laufen gut. Gegenwärtig arbeiten rund 125 Angestellte in Fremdfirmen. Allerdings wird inzwischen ein Drittel der ungelernten Kräfte übernommen. Von den Facharbeitern werden nach einem Jahr sogar neun von zehn Facharbeitern von den Fremdfirmen angestellt. „Die Quote war bei uns nie so niedrig, wie von Gewerkschaften behauptet, gegenwärtig ist sie sehr hoch“, so der Donzdorfer Geschäftsführer.

Weil gute Fachkräfte gefragt sind, benötigt Baur mindestens eine Woche, um einen Facharbeiter zu finden. Selbst für ungelernte Produktionshelfer gehen drei Tage ins Land. Doch die Diskussion über Mindestlöhne oder gar Equal Pay – Zeitarbeiter und Angestellte erhalten den gleichen Lohn – führt zu Missstimmung. „Die Schmerzgrenze für Unternehmen liegt bei acht Euro Stundenlohn für ungelernte Kräfte, vielleicht 8,30“, so Baurs Einschätzung. Equal Pay bringe das flexible Arbeitsmodell zum Stillstand, ist sich der Betriebswirt sicher.

Der IGZ-Tarifvertrag garantiert mindestens 7,89 Euro pro Stunde. Lohnsprünge sind gerade bei Unqualifizierten kaum machbar, bestätigt die IGZ-Bundesvorsitzende Ariane Durian: „Das wird schnell zu teuer. Denn die erbrachte Wertschöpfung dieser Arbeit reicht dafür nicht aus.“ Zusätzlich zum Lohn müssen die Firmen die Dienstleistung des Vermittlers zahlen. Aus ihrer Sicht würde eine deutlich höhere Bezahlung zum Problem der wenig qualifizierten Mitarbeiter. „Für diese Klientel ist der Einstieg eine gute, vielleicht die einzige Chance, um einen unbefristeten Job zu bekommen“, so Durian. Wer sich engagiere, werde oft von der Fremdfirma übernommen, stimmt auch Baur zu.

Der Betreuungsaufwand gerade in der Anfangszeit sei höher als bei qualifizierten Kräften. „Unsere Disponenten begleiten beispielsweise Produktionshelfer intensiv“, sagt die Karlsruher Geschäftsführerin. Dazu gehöre grundsätzlich ein Besuch beim Kunden, ob die Arbeitsstelle und der persönliche Umgang passen, und etliche Telefonkontakte nach dem Eintritt.

Connect Personal Service in Karlsruhe vermittelt vor allem Kaufleute und Akademiker. Bei ihnen spielt das Thema Equal Pay als Konfliktthema seltener eine Rolle. Je höher qualifiziert die Kandidaten sind, desto wertvoller ist den Kunden deren Wissen. „Gute ITler bekommen als Zeitarbeitskräfte teilweise eine höhere Bezahlung als die Stammbelegschaft“, weiß Durian. Denn die Investition lohnt sich für die Firmen, weil sie Projekte nur mit diesen Fachleuten überhaupt umsetzen können.