Gutachten zu Stuttgart 21 Bahn-Land-Verhältnis ist belastet

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Das Verhältnis zwischen Bahn und Land ist erheblich gestört, nachdem das Gutachten des Ingenieurbüros PTV bekannt geworden ist. Die Bahn wirft dem Verkehrsminister Winfried Hermann Geheimniskrämerei vor, Hermann kontert mit dem selben Argument.

Der Fildertunnel ist in Arbeit und soll im Juli getauft werden. Foto: Achim Zweygarth
Der Fildertunnel ist in Arbeit und soll im Juli getauft werden.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Eigentlich wolle er dazu gar nichts sagen, sagt Wolfgang Dietrich mehrfach, als er von Journalisten auf den Streit über das von der Firma PTV erstellte Gutachten des Verkehrsministeriums zu den Personenströmen im alten und geplanten Bahnhof angesprochen wird (die StZ berichtete). Dann sagt der S-21-Projektsprecher doch ziemlich viel, und so füllen sich nach und nach die Notizblöcke. Es sei „höchst fragwürdig“, dass das Ministerium die Studie, die die Einschätzungen der Bahn stützt, zunächst nicht veröffentlicht habe. Er sei enttäuscht vom Verhalten des Ministers Winfried Hermann (Grüne), das ein „großer Rückschlag“ in der sich zuletzt bessernden Zusammenarbeit der Projektpartner Bahn und Land sei. „Ich hatte gedacht, diese Art des Umgangs gehört der Vergangenheit an“, sagt Dietrich – und denkt wohl an die Zeiten, als sich der S-21-kritische Minister und die Bahn unversöhnlich wie Gegner gegenüberstanden.

Verhältnis zwischen Bahn und Land ist nach wie vor belastet

Viel besser scheint das Verhältnis nicht geworden zu sein, denn Hermann kontert Dietrichs Aussagen nicht weniger scharf. „Die Kritik ist absurd“, sagt er. Der Vorwurf der Geheimniskrämerei sei schon deshalb aus der Luft gegriffen, weil die Bahn seit Juni 2013 von seinem Ministerium in die Erstellung der PTV-Untersuchung eingebunden gewesen sei. Dietrich hatte gesagt, er habe erst am 19. Februar von der Studie erfahren, könne aber nicht für die gesamte Bahn sprechen. Die Daten, mit denen PTV arbeitete, seien, so Hermann, sogar von der Bahn gekommen, die das Gutachten dann auch am 24. Oktober 2013 zur Stellungnahme vorgelegt bekommen habe.

Hermann wirft Bahn Geheimniskrämerei vor

Und weil Angriff die beste Verteidigung ist, legt Hermann nach und wirft der Bahn selbst Geheimniskrämerei vor. Entgegen „ihrer Ankündigung zur Transparenz“ stelle sie ihre aktualisierte Personenstromanalyse den Projektpartnern selbst auf Nachfrage nicht zur Verfügung oder veröffentliche sie gar. Die Bahn wolle diese Studie, die die neuen Fluchttreppenhäuser berücksichtige, erst Anfang Mai vorstellen. „Insofern ist der Vorwurf haltlos, das Ministerium habe die von ihm beauftragte Untersuchung geheim gehalten“, sagt Hermann. Denn auch die sollte veröffentlicht werden, wenn es ergänzende gutachterliche Aussagen zu diesen Punkten gebe – also etwa, wie sich die wegen des Brandschutzes notwendigen Fluchttreppenhäuser auswirkten.

Dietrich: PTV-Gutachten bestätigt Bahn-Gutachten von 2009

Das sieht Dietrich vollkommen anders. Die Untersuchung von PTV bestätige das von S-21-Gegnern heftig attackierte Bahn-Gutachten aus dem Jahr 2009. Bahn-Mitarbeiter und er, die sich auf dieses Gutachten beriefen, hätten sich „massivste Angriffe“, „übelste Beschimpfungen bis hin zum Vorwurf der Täuschung“ gefallen lassen müssen. „Das war kaum aushaltbar“, sagt Dietrich. Neue Fragestellungen zu prüfen, wie es Hermann will, hält der Projektsprecher für überflüssig. Die neuen Fluchttreppenhäuser hätten im Normalbetrieb keine Auswirkungen. „So blöd sind wir bei der Bahn weiß Gott nicht, dass wir das nicht selbst untersucht hätten“, sagt Dietrich, der seine Verbitterung kaum verbergen kann. „Das ist ja nicht das erste Mal, dass das passiert“, sagt er, „und das werde ich noch aufarbeiten.“

Auf Arbeitsebene „gute und sachliche Zusammenarbeit“

Die Kooperation mit dem Land sei nun „gewaltig belastet“, sagt Dietrich, auch wenn es „auf Arbeitsebene eine gute und sachliche Zusammenarbeit gibt“. Das hören nicht nur die Medienvertreter, sondern auch der Sprecher des Ministeriums, der die Pressekonferenz verfolgt und im übrigen sein eigenes Aufnahmegerät aufgebaut hat. Einige Stunden später kommt Hermanns Antwort – schwarz auf weiß.