Gutachten zu Stuttgart 21
Experte: Projekt ist profitabel
dpa/hog,
26.08.2010 11:57 Uhr
Mit den Baggern werden Fakten geschaffen. Foto: dpa
""Wenn man die
Bürger mit
einbezogen hätte, wäre das
besser gewesen.""
Werner Rothengatter zur Entscheidungsfindung
Dennoch hält er den Zeitraum, in dem die Kosten wieder einspielt werden, bei einem Projekt dieser Größenordnung für "nicht schlecht". Von ursprünglich 19 Jahren könne sich die Amortisationszeit auf 30 Jahre verlängern, sagte der Professor, der vor gut einem Jahr ein Gutachten über die wirtschaftlichen Aspekte von Stuttgart 21 mit erstellt hatte.
Gestiegene Baukosten sind normal
Dass die Kosten bereits zum Baubeginn deutlich gestiegen sind, hält Rothengatter für normal. "Bei der Schnellbahntrasse Köln-Rhein-Main haben sich die Kosten sogar verdoppelt", sagt er. Dennoch halte er es für möglich, Teile des Vorhabens zeitlich zu strecken und dadurch eine Kostenentlastung zu erreichen. Aus Sicht des Wissenschaftlers gibt es bei dem Bahnprojekt Stuttgart-Ulm zwei Quellen der Profitabilität: "Rund ein Drittel der Kosten fließt schon während der Bauphase vor allem in Form von Umsatz- und Einkommensteuern an die öffentliche Hand zurück", sagt Rothengatter. Der Rest werde durch die Steuereinnahmen aus den wirtschaftlichen Aktivitäten nach Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs und der Neubaustrecke nach Ulm eingespielt.
Denn schnelle Verbindungen kurbeln nach Überzeugung des 66-Jährigen die Wirtschaft an. "Japan, Frankreich und China sind Länder, die erkannt haben, dass Hochgeschwindigkeitsstrecken das wirtschaftliche Wachstum beflügeln." In Frankreich seien weitere 2000 Kilometer Schnellbahntrassen geplant, in China 10 000 Kilometer. Insbesondere Hightechfirmen und der Produktion vorgelagerte Dienstleister seien auf eine gute Infrastruktur angewiesen. Rothengatter geht für das Land von 8000 zusätzlichen Arbeitsplätzen infolge der Bahnvorhaben aus.
Geheimniskrämerei hat Proteste angestachelt
Der Kommunikationspolitik der Projektträger stellt Rothengatter ein schlechtes Zeugnis aus. "Die Geheimniskrämerei von Bahn, Land und Bund hat die Proteste noch angestachelt. Wenn man mit offenen Karten gespielt und die Bürger in den Entscheidungsprozess einbezogen hätte, wäre das für die Akzeptanz besser gewesen.
Mit den Grünen, die sich an die Spitze des Widerstands gegen Stuttgart 21 gesetzt haben, ging der Professor hart ins Gericht: "Ich verstehe nicht, dass die Grünen umweltpolitischen Aspekte wie die geringere Umweltbelastung durch die erwartete Verkehrsverlagerung zur Schiene und die Entsiegelung großer durch den Kopfbahnhof versiegelter Flächen ignorieren." Ein solches Langfristprojekt sollte aus seiner Sicht nicht dazu dienen, aus der Skepsis der Bürger gegenüber großen Veränderungen kurzfristiges politisches Kapital zu schlagen.
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@unwichtig
„Ich habe bisher nicht verstanden, an welchen Orten Flächen entsiegelt werden. Ich habe verstanden: Die Abstellfläche des alten Bahnhofs wird an andere Stelle verlegt (Canstatt?). Dort wird die freie neue Fläche also wieder versiegelt. Der Rest der neuen Flächen wird bebaut, die Parkvergrößerung ist möglicherweise kleiner als die neu versiegelte Fläche der neuen Abstellfläche. Weiß jemand bescheid?“ Ja :) Der neue Abstellbahnhof entsteht auf der Fläche des jetzigen Güterbahnhofs in Untertürkheim. Siehe die Pressemitteilung zum Start des PF-Verfahrens unter http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1315418/index.htm . Zitat daraus: „Der Abschnitt 1.6b umfasst den Umbau des derzeitigen Güterbahnhofs Untertürkheim in einen Abstellbahnhof mit Abstell-, Reinigungs- und Instandhaltungsanlagen auf einer Länge von ca. 2 km. “ Es werden also bei der Verlegung des Abstellbahnhofs keine neuen Flächen versiegelt, nur alte „entsiegelt“. Hoffe, mal wieder mit sachlichen Infos weitergeholfen zu haben :)
Guten Morgen - Zeit zum Aufwachen!
Liebe S21-Gegner, ich komme selber aus Stuttgart, lebe jetzt seit 10 Jahren in Berlin. S21 ist aus meiner Sicht die Chance für Stuttgart, einen kosequenten Schritt in Richtung dynamische, veränderungsbereite Gr0ßstadt zu machen. Im Gegensatz dazu steht eine, zugegebener Maßen, wirtschaftlich extrem starke mittelgroße deutsche Stadt mit Hang zur Provinzialität. Obwohl ich mich schon lange als Berliner fühle, sehe ich Stuttgart immer noch als meine Heimatstadt und bin auch regelmässig vor Ort - das Bild, dass jetzt aber in ganz Deutschland von den Stuttgartern entstehen muss, ist aus meiner Sicht meilenweit entfernt von den Köpfen, die mit Ihren fortschrittlichen Idenn und Fleiß Stuttgart und die Region drumherum wirtschaftlich zu dem gemacht haben, was es heute ist. Zieht doch auf die Schwäbische Alb, wenn euch das mittlerweile alles zu schnell geht! Grüße von der Spree
Arbeitsplätze????
Was nur noch 8000??? Alles steigt, die Kosten, die Wut, Die Polizeipräsenz, die Zahl der Demonstranten, der zeitliche Rahmen bis S21 sich amortisiert.... und was sinkt? Die Anzahl der Arbeitsplätzchen die durch S21 entstehen.... WO sollen die denn genau entsstehen??? Mehr als eine nackte Zahl liefert uns der Fachmann leider nicht. Dafür aber die erstaunliche Erkenntnis, dass 1/3 der Gesamtkosten über Steuern wieder dem Staat zufließen... Mensch dolle Sache: Nur würde man da gar nichts ausgeben, hätte der Staat sogar 3/3 zur Verfügung! Alles andere in den Ausführungen dieses Fachmanns sind nette Behauptungen..... nicht mehr.... 30 Jahre? Viel zu lange! Da lebt ja nicht mal mehr der Schuster....wen sollten wir dann in Regreß nehmen?? Aber das ist auch Theorie: Stuttgart21 wird nicht kommen und das ist Gut so....