Gute Gründe für mehr Taschengeld
"Leonberger Kreiszeitung", 12.11.2011 02:40 Uhr
Weil der Stadt Die Weiler Kinderuni hat zum Auftakt des Semesters mit einer Vorlesung zum Thema Rhetorik begonnen. Von Linda Mayer

Nicht überreden, sondern überzeugen", so lautete der Titel der Vorlesung an der Kinderuni, zu der sich am Donnerstagabend rund 70 Nachwuchsstudenten zwischen acht und 14 Jahren in der Aula des Weiler Schulzentrums in der Jahnstraße eingefunden haben.

"Was fällt euch auf, wenn ihr das Wort ,Rhetorik" lest", fragte Olaf Kramer, der einen Lehrstuhl am Seminar für allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen hat. Das sei kein deutsches Wort, antworteten gleich mehrere. Der Professor hakte nach: "Und, was meint ihr, woher stammt das Wort?". Viele Hände gingen hoch - doch einig waren sich die Lernbegeisterten nicht. Die Antworten reichten zwischen "aus dem Lateinischen" bis zum "Englischen" und "Griechischen". Es ist ein griechischer Begriff. "Rhetorik steht für die Kunst zu reden", erklärte Olaf Kramer, der parallel mit einem Beamer arbeitete, auf dem die Kids alles mitlesen konnten. Gleichzeitig erfuhren sie, dass die Rhetorik "eine alte Sache" sei, mindestens 2500 Jahre alt.

Mit einem kleinen Ausflug in die griechische Antike - von der Demokratie bis zu einem Bild des Georgias, der ein Wanderlehrer war und als erster anderen das bessere Reden beibrachte - verdeutlichte Kramer, dass es schon eine lange Tradition des Redens und des Argumentierens gibt. "Das ist Angela Merkel", riefen alle wie aus einem Munde, als das Foto der Kanzlerin auf dem Beamerbild erschien. Mit dieser Situation, die Merkel bei einer Neujahrsansprache zeigte, gewann Kramer die Aufmerksamkeit seiner kleinen Zuhörer. Er verwies auf das Thema Redenschreiben. "Die Politiker haben keine Zeit, ihre Reden selbst zu verfassen. Das machen die Redenschreiber", erzählte er weiter. Die Wissbegierigen erfuhren, dass so ein Redenschreiber den Politiker und seine Sprache genau kenne. Schließlich müsse eine Rede überzeugen. "Wie bekommt ihr mehr Taschengeld", stellte der Professor als Frage. Die Kinder waren sich schnell einig, dass sie vor allem gute Gründe bei ihren Eltern angeben mussten, um eine Erhöhung ihres Taschengeldes zu erreichen. Voraussetzung dafür sei, sich in den anderen, sprich in die Eltern, hineinzuversetzen, so Kramer. Für das "Überzeugen" sei "ein wichtiger Punkt die moralische Qualität des Redners (Vir bonus)", ergänzte der Uniprofessor. Am Ende haben die Kinderstudenten aus Weil der Stadt und der Umgebung viele neues Wissen mitgenommen.

"Ich weiß jetzt, was Rhetorik ist", sagte die elfjährige Geraldine Ott aus Merklingen. Und sie freut sich schon auf die kommenden drei Vorlesungen in diesem Wintersemester.

Am Donnnerstag, 17. November, um 17.30 Uhr ist die nächste Veranstaltung. Dieter Roller vom Institut für Rechnergestützte Ingenieursysteme an der Universität Stuttgart lehrt über das Thema "Können Computer intelligenter sein als Menschen?". "Ich war mit der Resonanz zufrieden", fasste Klaus Scheck zusammen, der vor sechs Jahren die Weiler Kinderuni ins Leben gerufen hat. Schließlich sei das Thema Rhetorik nicht einfach gewesen.

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