Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte Drinks mit Yase

Von Ina Schäfer 

Was im Club passiert, bleibt im Club – von wegen! Bei unseren Gute-Nacht-Geschichten wird ausgeplaudert, was das Zeug hält. Stuttgarter DJs, Barkeeper und Türsteher bekommen absolute Sprecherlaubnis und hauen uns die derbsten Nightlife-Storys um die Ohren. Na, dann gut’s Nächtle! Dieses Mal: Yasemin Oksaz aus dem Mrs. Jones.

Seit zehn Jahren happy am Hans-im-Glück-Brunnnen: Yasemin Oksaz. Foto: Tanja Simoncev 12 Bilder
Seit zehn Jahren happy am Hans-im-Glück-Brunnnen: Yasemin Oksaz.Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Es gibt eine Sache, die haben Barkeeper mit Anwälten und Ärzten gemeinsam: die Schweigepflicht. "Uns wird alles erzählt, das Herz ausgeschüttet und Geheimnisse anvertraut", sagt Yasemin Oksaz. Nichts davon aber, verlasse die Theke, an der die Geschichten neben der Drinks die Seiten wechseln. Die 42-Jährige ("42 ist das neue 28!") arbeitet seit zehn Jahren in der Bar Mrs. Jones am Hans-im-Glück-Brunnen. Genau so lange, wie es den Laden gibt.

Die Erklärung ist relativ einfach: Der Besitzer ist ihr Bruder Yusuf Oksaz, der neben dem Mrs. Jones die Clubs Romy S. und Dilayla betreibt. Beide sind gebürtige Stuttgarter mit türkischen Wurzeln. Yasemin ist nach der Grundschule in die Türkei, hat dort 22 Jahre lang gelebt, studiert und schließlich in der Tourismusbranche gearbeitet. Ein toller Job, der ihr irgendwann aber nicht mehr gereicht hat. Genau zu der Zeit kam ein Anruf ihres Bruders, mit dem Angebot in seinem neuen Lokal Mrs. Jones zu arbeiten. Yasemin sagte, sie schaue es sich mal an, packte ihre Koffer, "und nach zehn Jahren schaue ich immer noch", sagt sie lachend.

Ein Glück für ihre Stammgäste, denen Yasemin - "Yase" - inzwischen fast jeden Wunsch von den Augen ablesen kann. Zumindest den Getränkewunsch. "Manche müssen sich nur setzen und bekommen ihr Getränk ohne zu bestellen", sagt sie. Und mit denen hat Yasemin in den vergangenen zehn Jahren natürlich einiges erlebt:

No Money, No Longdrinks

Einer hat bei mir mal eine Bananensaftschorle bestellt. Da hab ich ihm gleich gesagt: Wenn du Durchfall kriegst, gehst du aber bitte nach Hause! Die Geschmäcker sind verschieden...Was die Leute bestellen, hängt ansonsten stark vom Zeitraum ab. Am Monatsanfang werden viele Long Drinks bestellt, am Monatsende, wieder mehr Bier und Wein. Da geht das Geld langsam zur Neige.

Wundersame Wunderheilung

Die Leute vergessen nachts ja einiges. Manchmal finden wir im tiefsten Winter liegengelassene Winterjacken. Die Leute müssen ja frieren auf dem Heimweg! Am skurrilsten war mal, als im Dilayla am Ende des Abends Krücken gefunden wurden. Da ist im Club wohl ein Wunder geschehen und der Gast wurde bei uns geheilt!

Selfie-Sucht

Das mit den Instagram-Fotos hat wirklich überhandgenommen. Manchmal brauchen die Gäste eine halbe Stunde, bis sie mit den Selfies durch sind, und endlich in die Getränkekarte kucken. Echt jetzt, Mädels? Am Ende bestellt ihr doch eh 'ne Latte Macchiato, also was soll das?

Vom Gin zum Ehering

Toll sind natürlich unsere Stammgäste. Einer hat sogar seiner Freundin bei mir an der Theke einen Heiratsantrag gemacht. Da flossen viele Tränen! Sie hatten ihr erstes Date im Mrs. Jones - und am Ende wussten wir noch vor der Frau und der Familie über den Heiratsantrag Bescheid.

Hotel Jones

Unter der Woche geht es bei uns eher gesittet zu, am Wochenende wird richtig gefeiert. Vor allem am Rosenmontag lassen es die Leute bei uns richtig krachen, das ist super. Wenn Leute mal richtig betrunken sind, bekommen sie von mir einen Kaffee oder Softgetränke - das klappt immer ganz gut.  Einmal kam ein Mann herein geschwankt, das war 2006 während der Fußball-WM. Er war sichtlich betrunken und ist zu mir an die Bar gekommen. "Meine Schlüssel!" hat er mich angebrüllt. Und ich so: "Äh, du weißt schon, dass das eine Kneipe ist und kein Hotel?" Wusste er nicht und ist wieder gegangen.

Ungebetener Besuch

Ich wohne über dem Mrs. Jones. Das ist auch wirklich kein Geheimnis, aber an einem Abend hat es ein Stammgast doch übertrieben. Wir eröffnen täglich um 16 Uhr, da wir eine geschlossene Gesellschaft ab 18 Uhr hatten, haben wir das Mrs. Jones davor zu gelassen. Dann hat besagter Stammgast einfach bei mir Zuhause geklingelt und gefragt, wann wir aufmachen! Das fand ich schon ein bisschen dreist...Was hat er denn erwartet, dass ich ihm ein Bier anbiete?

Da waren's nur noch 9

Kürzlich dachte ein Gast wohl er könne mit zehn Gin Tonic den Laden kaufen. Er ist mir an der Bar so auf die Pelle gerückt, dass ich gar nicht mehr richtig arbeiten konnte. Als ich ihn gebeten habe, doch bitte drei Schritte zurückzugehen, ist er richtig sauer geworden und wollte seine zehnköpfige Crew zum Abhauen mobilisieren. Letztlich hat er das Mrs. Jones alleine verlassen. Seine Freunde meinten dann, "der ist jetzt sauer", und sind bis Feierabend geblieben.

Haarige Angelegenheit

Anmachsprüche hört man als Frau an der Bar natürlich einige. Der lustigste Spruch kam mal von einem Stammgast. Er hat mich so stürmisch umarmt, dass meine ganze Frisur hinüber war. Als ich mich beschwert habe, meinte er nur: "Baby, wenn ich mit dir fertig bin, hast du 'ne Dauerwelle!"