Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte Tam Tam mit Tamara

Von Nadja Dilger und Ina Schäfer 

Was im Club passiert, bleibt im Club – von wegen! Bei unseren Gute-Nacht-Geschichten wird ausgeplaudert, was das Zeug hält. Stuttgarter DJs, Barkeeper und Türsteher bekommen absolute Sprecherlaubnis und hauen uns die derbsten Nightlife-Storys um die Ohren. Na, dann gut’s Nächtle! Dieses Mal: Tamara aus dem Climax.

Hat für ihre Gäste immer einen Spruch auf Lager und ein herzhaftes Lachen übrig: Tamara. Foto: Ina Schäfer 13 Bilder
Hat für ihre Gäste immer einen Spruch auf Lager und ein herzhaftes Lachen übrig: Tamara.Foto: Ina Schäfer

Stuttgart - Nach acht Jahren von Griechenland in die schwäbische Heimat zurückzukehren, klingt hart. Meeresrauschen, Sonne satt und die berühmte griechische Lebensfreude vermisst Tamara schon manchmal. Auch das Café, das sie dort betrieben hat. Doch genug der Nostalgie: Die 34-Jährige hat die herzliche Art einfach eingepackt und mitgenommen - ein Glück, für die Gäste im Climax! Seit Mai steht Tamara nämlich an der Garderobe des Clubs an der Calwer Straße, scherzt mit den Feiernden, die ihre Jacken abgeben und lacht ihr herzhaftes Lachen.

Tamara fühlt sich wohl. "Wir sind wie eine Familie", sagt sie über ihr Team im Climax. Auch wenn sie sagt, sie hätte "einen der härtesten Jobs der Stadt", mag sie ihre Arbeit an der Garderobe. "Das spannende ist, dass ich genau sehe, wer im Club ist und was sie so treiben", sagt sie. Was die Jacken angeht, die sie so jedes Wochenende auf die Bügel hängt, findet sie: je schräger, desto besser. "Wenn jemand ein bisschen freaky ist und man das anhand der Kleidung sieht, dann sag ich dazu nur 'cool, bleib genau der Freak, der du bist!'" Was sie in ihrem Kabuff tut, wenn sie mal nichts zu tun hat? "Sinnvolle und weniger sinnvolle Posts auf Facebook veröffentlichen und mit den besten Kollegen der Welt unseren berühmten Sauren trinken."

Und wenn die Frohnatur nicht gerade an der Garderobe steht, arbeitet sie ehrenamtlich mit Behinderten in der Diakonie in Waiblingen. Wir sagen Hut ab! und freuen uns auf die Geschichten:

Kassenzettel statt Abholzettel

Wenn du an der Garderobe arbeitest, musst du stur sein, aber auch ein klein wenig Einfühlungsvermögen haben. Denn es ist echt schwer einem Betrunkenen zu erklären, dass er mir gerade seinen Pennymarkt-Kassenzettel unter die Nase hält und nicht seine Garderobenmarke. 

Kleiderbügel forever

Sprüche höre ich im Laufe der Nacht so einige. Wie zum Beispiel: "Hey, meine Jacke hat 1000 Euro gekostet, wenn die weg ist, warte ich nachher auf dich!" Der schlechteste Anmachspruch war: "Darf ich auf ewig dein Kleiderbügel sein?" Gute beziehungsweise niveauvolle Sprüche, hab ich echt noch keine gehört.

Geduld ist Trumpf

Die Leute beschweren sich des öfteren darüber, dass sie sooo lange warten müssen. Das Problem: Mit 400 Jacken ist die Garderobe voll, oft steh ich da alleine - also sorry Leute, das dauert halt dann mal. Wer nicht warten möchte: Binde dir deine Jacke um den Arsch und gut.

Süße Rache

Ich habe ja schon erwähnt, dass man an der Garderobe auch mal stur und knallhart sein muss. Eines Nachts ging es dem Ende zu, und alle Leute stürmten die Garderobe, um ihre Jacken abzuholen. Einer meiner Kollegen war schon am auffüllen und wollte zu mir hinter die Garderobentheke. Da sagt ein Gast doch glatt: "Was willst denn jetzt du dumme Schwuchtel hier? Wir warten alle!" Daraufhin hat er seine Jacke von mir morgens als allerletzter bekommen. Er hat die ganze Zeit protestiert, dass ich das nicht machen kann. Meine Antwort war nur: "Du glaubst gar nicht, was ich alles kann, wenn man so mit meinen Kollegen spricht!" Rache ist süß...

Tolle Jungs

Richtig ausgeartet ist es eigentlich noch nie. Dass einer gewalttätig geworden ist oder so. Wir haben an allen Tagen ganz tolle Jungs an der Tür, Schlägereien kommen deshalb selten bei uns vor. Klar gibt es die üblichen Verdächtigen, aber wie gesagt: tolle Jungs an der Tür!

Trauer um Gast

Schlimm war im letzten Jahr für uns, dass Lena gestorben ist. Das Mädchen, das auf dem Pragfriedhof ermordet wurde. Sie war ein gern gesehener Gast im Climax, viele von uns kannten sie. Mir ging die Sache sehr nah. Seitdem frage ich mich: Wie oft bin ich schon nachts allein irgendwo durch Stuttgart gelaufen? Man macht sich ja sonst nie Gedanken darüber, dass etwas passieren könnte. Ruhe in Frieden, Lena.

Goldene Regel

Zum Schluss noch ein Tipp an alle, die mit ihrem Date ins Climax wollen: Tut es nicht Leute! Da drin sind doch schon so einige Beziehungen zu Bruch gegangen.