Guttenbergs Plagiatsaffäre Schavan: Das ist keine Lappalie

dpa, 28.02.2011 14:04 Uhr
Berlin - Der Rückhalt für Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den eigenen Reihen bröckelt. Mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat sich erstmals eine Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel und Kabinettskollegin kritisch zur Plagiats-Affäre geäußert. Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) soll Guttenberg erneut kritisiert haben. Aus der FDP kommt der Ruf nach einem Rückzug des Verteidigungsministers.

"Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich", sagte Schavan der "Süddeutschen Zeitung" (Montag). "Wissenschaft hat auch mit Vertrauen zu tun. Auf die Erklärung, eine Arbeit sei nach bestem Wissen und Gewissen verfasst worden, muss ein Doktorvater vertrauen können." Niemand solle auf die Idee kommen, "dass ich den Vorgang für eine Lappalie halte". Die Ministerin sagte aber auch: "Er hat eine zweite Chance verdient, zumal doch alle wissen, dass er ein großes politisches Talent ist."

Mehr als 25.000 Doktoranden wandten sich in einem Brief im Internet an Merkel. Sie kritisieren darin die Äußerung der Kanzlerin, sie habe mit Guttenberg keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter, sondern einen Minister eingestellt. "Dies ist eine Verhöhnung aller wissenschaftlichen Hilfskräfte sowie aller Doktorandinnen und Doktoranden, die auf ehrliche Art und Weise versuchen, ihren Teil zum wissenschaftlichen Fortschritt beizutragen", heißt es in dem Brief.

Bundestagspräsident Lammert soll die Affäre und ihre Begleitumstände als "Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie" bezeichnet haben. So habe er sich am Freitag vor Abgeordneten der SPD-Arbeitsgruppe Demokratie geäußert, berichtete die "Mitteldeutsche Zeitung" aus Halle (Montag). Ein Sprecher Lammerts sagte, das Gespräch sei vertraulich gewesen, ohne sich den Inhalten zu äußern. Zuvor hatte sich Lammert bereits kritisch darüber geäußert, dass Guttenberg Arbeiten des Wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag ohne Quellenhinweis und möglicherweise ohne Genehmigung verwendet hat.