Hacker schlagen zurück Datentausch-Plattform dicht gemacht
dpa, 20.01.2012 07:20 Uhr
Die Webseite Megaupload wurde dicht gemacht. Foto: dapd
Die Webseite Megaupload wurde dicht gemacht. Foto: dapd
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New York - Schlagabtausch im Netz: Nachdem die US-Behörden die Datentausch-Plattform Megaupload dichtgemacht haben, haben Netzaktivisten für Stunden die Websites von FBI und Justizministerium lahmgelegt. Am frühen Freitagmorgen deutscher Zeit gingen sie wieder. Die ebenfalls angegriffenen Internet-Seiten des amerikanischen Musikindustrie-Verbandes RIAA und des Musik-Marktführers Universal Music Group waren hingegen immer noch offline.

Die US-Behörden werfen der geschlossenen Megaupload-Plattform massive Urheberrechtsverletzungen vor. Sieben Verdächtige wurden angeklagt, darunter auch mehrere deutsche Staatsbürger. Deutsche sind auch unter den vier in Neuseeland festgenommenen Beschuldigten, wie die amerikanischen und lokalen Behörden mitteilten. Einen von ihnen ist der Gründer: Der aus Deutschland stammende bekannte Internet-Unternehmer hieß früher Kim Schmitz, änderte seinen Namen aber inzwischen in Kim Dotcom. „Auch bekannt als Kim Tim Jim Vestor“, zählte das Justizministerium auf. Der 37-Jährige mit deutscher und finnischer Staatsbürgerschaft lebte demnach zuletzt in Hongkong und Neuseeland.

Vergeltung

Nachdem die US-Behörden am späten Donnerstag den Schlag gegen Megaupload meldeten, schwor die berüchtigte Hackergruppe Anonymous Vergeltung. „Anonymous geht auf Rachefeldzug für Megaupload“, erklärten die Hacker per Kurznachrichtendienst Twitter. Sie drohte, unter anderem die Website der Bundespolizei FBI und des Justizministeriums vom Netz zu nehmen - und tatsächlich waren die Adressen Minuten später eingeschränkt zu erreichen. Anonymous dürfte dabei zu sogenannten DDOS-Attacken gegriffen haben, bei denen ein Web-Server mit Daten-Anfragen überhäuft wird, bis er unter dieser Last in die Knie geht.

Bei Megaupload konnten Daten aller Art hochgeladen werden. Nach den Vorwürfen der US-Behörden waren darunter auch in großem Stil illegal kopierte Musik, Filme, Fernsehprogramme und digitale Bücher. Den Vorwürfen zufolge geschah dies mit Wissen der Betreiber. Megaupload habe mehr als 175 Millionen Dollar illegalen Gewinn gemacht und den rechtmäßigen Eigentümern der Inhalte einen Schaden von deutlich über einer halben Milliarde Dollar zugefügt, erklärte das Justizministerium. Ein weiterer Vorwurf lautet auf Geldwäsche.

Die neuseeländische Polizei nahm die drei Deutschen und einen Niederländer auf FBI-Ersuchen fest. In Coateville nördlich von Auckland durchsuchten 70 Beamte ein Anwesen des Gründers, wie die Polizei mitteilte. Der Richter am North Shore District-Gericht lehnte eine Freilassung der Festgenommenen gegen Kaution ab. Die vier sollen Montag erneut vor Gericht erscheinen.

Bodayguards versperrten den Weg

Auf dem Anwesen bei Auckland wurden nach Angaben der Polizei Wertgegenstände und Geld im Gesamtwert von sechs Millionen neuseeländischen Dollar (etwa 3,7 Millionen Euro) sichergestellt. Darunter waren ein Rolls Royce Phantom sowie mehrere Gemälde. Bodyguards hätten den Beamten am frühen Morgen zunächst den Zutritt zu dem Anwesen verwehrt, teilte die Polizei mit. Auf den Gelände seien zwei Gewehre sichergestellt worden.

Der Kampf gegen Raubkopien im Netz ist gerade ein heiß diskutiertes Thema in den USA. Gerade erst am Mittwoch gab es eine große Internet-Protestaktion gegen neue Gesetzespläne, die unter anderem die Sperrung von Webseiten erlauben sollen. Kritiker dieser Pläne warnen, dass damit eine Zensur-Infrastruktur geschaffen werde, die auch in anderen Fällen zum Einsatz kommen könnte. Aus Protest war unter anderem das englischsprachige Online-Lexikon Wikipedia einen Tag lang nicht erreichbar.

Insofern ist der Zeitpunkt Razzia der US-Behörden interessant - denn jetzt schlugen FBI und Justizministerium auch auf Grundlage der heutigen Gesetze erfolgreich zu. Sie werfen den Megaupload-Betreibern vor, die Verbreitung von Raubkopien unterstützt zu haben. Der Anklage zufolge sollen sie ihnen bekannte Raubkopierer für der Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte bezahlt haben. Unklar ist, was mit den Daten gewöhnlicher Megaupload-Nutzer passiert, die dort ihre Dateien gelagert haben.

 

 

Kommentare (7)
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JAN
20
D.R., 15:34 Uhr

Wer sonst

als ausgerechnet die USA sind mal wieder diejenigen, die für Recht und Ordnung weltweit sorgen. Ausgerechnet diejenigen, deren gesamtes Staatsgebiet durch Vertreibung und Totschlag erworben wurde, und die bis zum heutigen Tag der Meinnung sind, dass man sich knappe Güter notfalls mit Waffengewalt sichern muss - diejenigen, die weder Umweltschutz noch internationale Gerichtshöfe anerkennen - die sind natürlich an der Durchsetzung von Eigentumsrechten interessiert. Alle Achtung! So sehr mir Megaupload und seine Hinterleute egal sind, so stört es mich, dass die USA auch das Internet nach belieben kontrollieren.

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JAN
20
1411me, 13:46 Uhr

Nicht gerecht

Wird die Post verklagt wenn in ihren Postfächer illegale Dinge sind? Wird die Bahn verklagt wenn einem Bahnhofsschließfach Drogen gefunden werden? Megavideo hat sich nie als Hostingplattform für illegale Dinge ausgegeben und es wurden auch viele normale und geschäftliche Dinge gehostet. Vielleicht wäre es gut wenn die Gesetzesschreiber und Ermittler die vom Internet keine Ahnung haben sich klar machen, dass Infrastrukturbetreiber nicht dafür haftbar gemacht werden sollten, wenn über diese Infrastruktur Straftaten begangen werden. Dies muss genauso wie es in der normalen Welt gilt auch im Internet gelten.

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JAN
20
Max, 13:22 Uhr

@BenJ.

Die Plattform war in erster Linie eine Tauschmöglichkeit von Daten im Netz. In zweiter Linie haben die User darauf reagiert, dass die großen Medien/Unterhaltungskonzerne bis heute nicht im Internetzeitalter angekommen sind und ihre mangelnde Innovationsfähigkeit mit HIlfe vom Staat aufrecht erhalten, unter anderem durch teure Lobbyarbeit. Man schließt jetzt ja auch nicht alle Schützenvereine, nur weil über diese die Möglichkeit besteht, die Waffen missbräuchlich zu nutzen!

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