Hai-Alarm auf Mallorca Raubfische müssen sich vor dem Menschen fürchten

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Haie lösen bei Badenden Urängste aus – wie am vergangenen Wochenende auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca. Dabei müssten die Raubfische eigentlich vor uns Angst haben.

Ein Blauhai macht den Illetes-Strand bei  Palma de Mallorca unsicher. Foto: dpa
Ein Blauhai macht den Illetes-Strand bei Palma de Mallorca unsicher. Foto: dpa

Palma de Mallorca - Die Nachricht kommt fast jedes Jahr passend zur Badesaison: „Hai-Alarm im Mittelmeer!“ In der Folge läuft ein bewährtes Ritual ab: Nachdem irgendwo in Strandnähe eine oder mehrere der charakteristischen Rückenflossen gesichtet wurden, werden Meeresbiologen und Tierschützer konsultiert, die alle das Gleiche sagen: Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Haiunfalls zu werden, ist verschwindend gering – insbesondere im Mittelmeer, wo es vor allem relativ kleine Haiarten gibt. Und natürlich gibt es auch Zahlen, die das eindeutig belegen. Demnach wurden in Spanien – einschließlich Mallorca – seit dem Jahr 1900 gerade mal 25 Zwischenfälle mit Haien gemeldet.

In einer Langzeitstudie konnte der Wiener Meeresbiologe Jürgen Kriwet keine Zunahme von Haiangriffen oder daraus resultierenden Todesfällen feststellen. Was zugenommen habe, sei dagegen die Berichterstattung über solche Fälle. „Soziale Medien tragen dazu bei, dass sich entsprechende Nachrichten heute viel schneller verbreiten“, sagt Kriwet. Ein Smartphone-Schnappschuss bei Facebook oder Twitter reicht vollkommen aus, um etwas Hysterie zu verbreiten.

In diesem Jahr hat es wieder mal Mallorca erwischt. Auf der beliebtesten Badeinsel der Deutschen wurde am Samstag und Sonntag an drei verschiedenen Stränden vor der Südwestküste ein Blauhai gesichtet. Ein etwa eineinhalb Meter langes Tier wurde dann am Sonntagabend von der Küstenwache gefangen und eingeschläfert. Der Hai war von einem Angelhaken schwer verletzt worden, erklärten Meeresbiologen. Im vergangenen Jahr war ebenfalls auf Mallorca ein Blauhai im Hafenbecken von Porti Pi gesichtet worden – rund 500 Meter vom Ufer entfernt. Die große öffentliche Aufmerksamkeit, die das Haithema genießt, ist zutiefst irrational – und nur damit zu erklären, dass die Meeresräuber an menschliche Urängste appellieren – die bei vielen noch durch den Kinoschocker „Der Weiße Hai“ verstärkt wurden.

Viele Haiarten sind vom Aussterben bedroht

Bei manchen Zeitgenossen ist es vielleicht auch die Lust an einer ordentlichen Portion Grusel im langweiligen Alltag. Tatsächlich können Haie nur in ganz wenigen Ausnahmesituationen zu einer Gefahr für Menschen werden. Ansonsten verhält es sich genau andersherum: Der Mensch ist die größte Gefahr für die perfekt angepassten Raubfische, die als Erfolgsmodell der Evolution gelten. „Weltweit stehen viele Haiarten vor dem Aussterben“, sagt der Biologe Kriwet. Durch die Überfischung der Meere kommen sie schlechter an Futter. Zudem werden mehr als 100 Millionen Haie getötet, nur um an ihre Flossen zu kommen. Auch in deutschen Fischregalen sind sogenannte Schillerlocken zu finden, die aus dem Fleisch von Dornhaien hergestellt werden.

Es gibt für Haie also viele Gründe, sich von Menschen fernzuhalten – was sie in der Regel auch tun. Die meisten sind so scheu, dass man sie gar nicht zu Gesicht bekommt. „Gesunde Haie nähern sich ohnehin nicht der Küste“, heißt es angesichts der aktuellen Sichtungen auf Mallorca bei der regionalen Tier- und Umweltschutzgruppe GOB. „Der Blauhai suchte wahrscheinlich verzweifelt nach Nahrung“, sagt Kriwet. Wenn Menschen doch mal mit Haien zusammentreffen, dann hängt das zum Teil auch damit zusammen, dass inzwischen auch Regionen der Welt touristisch erschlossen sind, in die sich früher kaum ein Mensch verirrt hätte. Auch das wirkt sich in vielen Fällen nicht unbedingt förderlich auf die dortigen Haibestände aus.

In Spanien hat der verirrte und verletzte Blauhai auch massive Kritik an den Fangmethoden der Fischer ausgelöst. Haie, Meeresschildkröten und andere Tiere verbeißen sich oft in einem der Tausenden Angelhaken, die an kilometerlangen Schleppleinen durch die Meere gezogen werden.