Handbiker aus Vaihingen Der Traum von den Paralympics

Von Benjamin Schieler 

Der Vaihinger Ivo Josipovic möchte nach langer Verletzungspause wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Doch ein neues Sportgerät kostet 7000 Euro – Geld, das er nicht hat. Über das Internet sucht der 32-Jährige nun Sponsoren.

Ivo Josipovic und Christian Trepulka ist es wichtig zu betonen, dass es ihnen nicht um Almosen geht. Foto: Benjamin Schieler
Ivo Josipovic und Christian Trepulka ist es wichtig zu betonen, dass es ihnen nicht um Almosen geht.Foto: Benjamin Schieler

Vaihingen - Mit 14 Jahren erlebte der Vaihinger Ivo Josipovic als Zuschauer die Paralympics in Atlanta. Es war ein Erlebnis, das haften blieb. Eines, das den Handbiker antreibt. Er möchte noch einmal zu den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung reisen, dann als Athlet an ihnen teilnehmen. Nach mehr als dreijähriger Verletzungspause wegen langwieriger Rückenbeschwerden plant Josipovic deshalb sein Comeback. „Ich will es noch einmal wissen“, sagt er.

Die Geschichte von Ivo Josipovic und seinem Sport beginnt vor fast 20 Jahren an der Schule für Körperbehinderte in Möhringen. „Da kam ein Mann und wollte uns für den Sport motivieren“, erinnert er sich. Der Mann, Trainer bei den MTV-Stuttgart-Wheelers und selbst aktiver Spitzenfahrer, erzählt ihm, wie gut einem die Bewegung tut, psychisch und physisch, wie sehr sie das Selbstbewusstsein stärkt, wie viele Freundschaften durch den Sport entstehen. Josipovic lässt es auf einen Versuch ankommen. Sein Renndebüt, ein Zehn-Kilometer-Lauf, beendet er als Zweiter.

Angeborene Fehlbildung

Der Junge, der von Geburt an einer Spina bifida leidet, einer Fehlbildung von Wirbelsäule und Rückenmark, leckt Blut. Zehn Kilometer reichen ihm bald nicht mehr aus. Er nimmt an Marathons und Halbmarathons teil, Hannover, Karlsruhe und Stuttgart heißen zum Beispiel die Stationen im Jahr 1998. Die Sportart steckt noch in den Kinderschuhen, Josipovic ist vielerorts der jüngste Teilnehmer, er sammelt zwar keine Siege, aber Anerkennung. 2000 schafft er es zum Weltcup nach Altenstadt.

Ein jähes vorläufiges Ende nimmt die Karriere 2011 durch einen Rennunfall: Zwei Kontrahenten vor ihm kollidieren, Josipovic kann nicht mehr ausweichen, knallt gegen den Bürgersteig. „Meine Schulter und mein Rücken waren kaputt“, sagt er. Die Zeit ohne Sport nimmt ihn mit, die Krankengymnastik macht ihm zwar Spaß, sie kann seine Leidenschaft aber nicht ersetzen, genauso wenig wie das Fitnessstudio, in dem er am Ergometer 30 Kilometer pro Tag zurücklegt. Dann gibt sein Arzt grünes Licht für einen Neustart. „Da hat es wieder zu kribbeln angefangen.“

Ein neues Sportgerät, um wettbewerbsfähig zu sein

Das Problem: Sein altes Handbike ist weder gesundheitsfördernd noch konkurrenzfähig, die Zeiten haben sich gewandelt. Als er anfing, saßen die Sportler noch aufrecht, später knieten sie, heute liegen sie. „Eine Frage der Aerodynamik“, verrät Josipovic. Ohne neuwertiges Gerät keine Spitzenzeiten. Ein Wiederbeginn unter diesen Umständen? Für ihn ausgeschlossen.

Sein Traumrad aber kostet mindestens 7000 Euro – Geld, das er nicht besitzt, Kosten, die seine Krankenkasse nicht bereit ist zu übernehmen, weil es sich um ein Sportgerät und nicht um ein unverzichtbares Hilfsmittel handle. Der 32-Jährige ist also auf Sponsoren angewiesen, versucht es zunächst in der Schwabengalerie beim befreundeten Imbissbesitzer Ugur Tugrul. „Gib mir 7000 Euro“, sagt Josipovic zu ihm, Tugrul zeigt ihm den Vogel. Inzwischen firmiert Timi’s Grill vorübergehend als Hauptsponsor des Handbikers. Der Rest des Geldes soll über das Internet zusammenkommen. Der Rapper Charity, ebenfalls ein Freund, hat einen Song aufgenommen, Christian Trepulka tritt als Treuhänder und Manager auf. Letzterer, eigentlich Galerist, ist von der Lebenseinstellung seines Schützlings angetan. „Es ist toll, wie Ivo mit seiner Behinderung umgeht.“

Es geht nicht um Almosen

Beiden, dem Manager und dem Handbiker, ist es wichtig zu betonen, dass sie nicht um Almosen betteln. „Das soll keine Mitleidssache sein“, sagt Trepulka. Sie suchen nach Geldgebern, die Josipovic in der Öffentlichkeit und bei Rennen repräsentiert, so wie es andere Leistungssportler auch tun. „Ich bin für vieles bereit. Nur ein Tattoo lasse ich mir nicht machen“, stellt der Handbiker klar. Der Kontakt zu Vico Merklein steht bereits. Merklein, bei den Weltmeisterschaften vor knapp einem Jahr im kanadischen Baie-Comeau sowohl im Zeitfahren als auch im Straßenrennen Silbermedaillengewinner, ist für den Rennstall des Herstellers Sopur aktiv. Und er fährt just jenes Modell, das Josipovic möchte. Sollte alles klappen, wird sich Merklein um die individuelle Anpassung des Rads für die Bedürfnisse des Vaihingers kümmern.

Ivo Josipovic ist sich bewusst, dass der Weg in die Spitze ein steiniger ist, aber den Ehrgeiz dafür hat er. Er will Kraft und Anstrengung investieren, in der Anfangszeit 50 Trainingskilometer am Tag zurücklegen, das Pensum später nach und nach auf 100 Kilometer steigern. „Ich bin hoch motiviert“, sagt er. Sein erster großer Auftritt nach der Verletzungspause soll beim Stuttgart-Lauf 2015 sein.

Alle Informationen zur Sponsorensuche:
www.rolliboy.de

Sonderthemen