Handy im Unterricht Geldbußen für Handynutzer
Inge Jacobs, 19.04.2010 16:42 Uhr
Für viele Schüler bieten Handys einen willkommene Abwechslung vom Unterricht – die Konzentration bleibt auf der Strecke. Foto: dpa
Für viele Schüler bieten Handys einen willkommene Abwechslung vom Unterricht – die Konzentration bleibt auf der Strecke. Foto: dpa
""Es ist wichtig, dass den Schülern die Rote Karte gezeigt wird.""
Schulleiterin Renate Schlüter zu Gewaltvideos

Stuttgart - Handys sind Kult und Statussymbole, auch und besonders bei Schülern. Doch das ständige Gebimmel und Gesimse, Fotografieren und Filmen ist vielen Lehrern auf die Nerven gegangen. Um diese Störungen zu unterbinden, haben zahlreiche Schulen Strafmaßnahmen beschlossen. Einen besonders ungewöhnlichen Weg wählte dabei das Wirtschaftsgymnasium West. Seit zwei Jahren werden dort Schüler, die mit angeschaltetem Handy im Schulgebäude erwischt werden, zur Kasse gebeten. So wurde es nach einstimmigem Beschluss der Schulkonferenz in der Hausordnung festgelegt.

Beim ersten Verstoß werden 2,50 Euro fällig, beim zweiten Mal fünf Euro, "beim dritten Mal gibt's ein Gespräch mit mir", berichtet Wilhelm Hartmann, der Schulleiter des WG West. Die Bußgelder fließen in das Kässle, mit dem Schüler bei Studienfahrten unterstützt werden. Die Verwendung dieser Gelder werde vom Elternbeirat regelmäßig überprüft, versichert Hartmann. Bei weiteren oder besonders schlimmen Verstößen wird Paragraf 90 des Schulgesetzes angewendet. Die dort verankerten Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen reichen bis zum Schulausschluss. Doch dies sei bisher in diesem Zusammenhang noch nicht vorgekommen.

Handynutzung nur noch heimlich


Die Bußgeldregelung am WG West, die dort übrigens auch erfolgreich im Fall von Rauchen in Nichtraucherzonen angewendet wird, wurde vor kurzem auf unbefristete Zeit verlängert. Allerdings sei im Vorfeld heftig darüber gestritten worden, berichtet der stellvertretende SMV-Sprecher Johannes Behringer: "Viele Schüler wollen immer erreichbar sein. Und wenn sie der Unterricht langweilt, gehen sie im Internet auf Facebook. Oder sie hören in den Pausen Musik. Das stört dann die anderen." Einige Schüler hätten das mit den Geldstrafen blöd gefunden, sagt der SMV-Sprecher. Das Verbot habe zur Folge gehabt, dass viele ihr Handy nun nur noch heimlich benutzen.

Trotzdem wurden bereits im ersten Quartal dieses Jahres rund 45 Schüler zur Kasse gebeten - und 125 Euro landeten im Kässle. Vier Schüler mussten beim Schulleiter antreten und nachsitzen. Bei insgesamt 1100 Schülern ist Hartmann mit dem Effekt der Maßnahmen zufrieden. "Es wirkt", sagt der Schulleiter.

Eine generelle Vorschrift, wie an Schulen mit Handys umgegangen werden muss, gibt es in Baden-Württemberg übrigens nicht, wie das Kultusministerium auf Nachfrage mitteilt. So sei die Nutzung von Mobiltelefonen im Unterricht nicht explizit verboten. Wenn dadurch allerdings die Schüler in ihrem Lernen oder der Unterricht gestört seien, gelten die abgestuften Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen des Schulgesetzes. Geldbußen könnten allenfalls als freiwillige Sanktion eingesetzt werden, erklärt die Ministeriumssprecherin.

Kommentare (3)
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MAI
06
N30, 11:14 Uhr

Am Ende der Fahnenstange

Der Ansatz das Handy im Unterricht auszuschalten ist richtig. Aber mittels einer Geldbuße das Handy im Unterricht zu verbieten ist doch erschreckend zu weit gegangen. Viel mehr ist es doch wichtig dass man mit den SchülerInnen ins Gespräch kommt und eine Handyregelung gemeinsam durchführt. Man sieht doch überall: wird ein Verbot ohne das Verständnis der Schuler durchgedrückt, gehen die SchülerInnen (zu Recht) auf die Barrikaden. Wenn dann nur noch eine Geldstrafe nützt, ist man doch schon nicht nur moralisch am Ende der Fahnenstange angelangt. Es gibt derweil aber eine Projektgruppe von Schülern an der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe, die eine Lösung für einen handyfreien Unterricht "gebastelt hat. Als Konzept ist die Aufklärung vor einer Regelung unabdingbar. Die Gruppe bastelte ein gerät (Paul), das Handystrahlung "bemerkt" und als erinnerer in Klassenräumen eingesetzt wird. Mittlerweile ist das sog. "Paulprojekt" in Deutschland und im deutschen Ausland unterwegs, um an anderen Schulen, Schüler über die Gefahren des Handys aufzuklären und ihr Projekt vorzustellen. Ab Januar 2010 wird der "Mitschüler" Paul II vertrieben. Als Schule ist es nötig mit und nicht gegen die SchülerInnen zu arbeiten!

APR
19
Arno, 21:45 Uhr

Im Grunde genommen eine Gute Sache

Im Unterricht ist sollen Handys natürlich ausgeschaltet oder lautlos in der Tasche sein. Welche Sanktionen ergriffen werden sollen die einzelnen Schulen selbst entscheiden.

APR
19
Claudio, 16:55 Uhr

Richtiger Weg

Der richtige Weg wird hier eingeschlagen, die Nutzung von Handys während der Schulzeit zu verbieten. Ein wichtiges Gespräch nach Hause kann im Anschluss an den Unterricht erfolgen. Das ging vor Einsatz eines Mobilfinktelefones auch sehr gut. Handys sind mittlerweile mehr Spielzeug als Telefon, daher würde ich das gleiche sogar noch auf den Arbeitsplatz ausdehnen. Private Telefonate und SMS / MMS / Filme / Videoaufnahmen etc. pp. gehören nicht ins Büro. In der Mittagspause kann jeder machen, was er für richtig hält, aber während der Arbeitszeit muss das Handy ruhen. Es gibt nichts, dass so wichtig wäre, dass man das nicht auch über den Festnetzapparat erledigen könnte. Dafür benötigt es aber immer noch die Zustimmung der Firma.