""Von Inflation profitiert immer nur der Schuldner, und der größte Schuldner ist der Staat.""
Henkel zum seiner Ansicht nach großen Inflationsrisiko
Stuttgart - Aus dem Alltagsgeschäft hat sich der frühere Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, längst verabschiedet; aber als Zeitgenosse und Buchautor beobachtet er gewohnt scharf die Entwicklung. Soweit es zum Beispiel den Euro betrifft, behagt sie ihm überhaupt nicht.
Herr Henkel, Sie haben die Entwicklung in Politik und Wirtschaft schon in der Vergangenheit eher in düsteren Farben gemalt. Wird jetzt im Zuge der globalen Krise alles noch schlimmer? Erst haben wir mit unvorstellbar viel Geld unsere Banken gerettet, jetzt müssen wir womöglich unsere Nachbarländer retten.
Ich war damals als BDI-Präsident mit einer Wirtschaftsdelegation in Italien; natürlich in Abstimmung mit der Bundesregierung, als es um die Frage ging, ob die Italiener den Euro einführen dürfen oder nicht. Wir waren bei Ministerpräsident Romano Prodi, seinem Finanzminister und auch beim Chef der Staatsbank, Carlo Ciampi, dem späteren Staatspräsidenten.
Mit einer weiteren Delegation war ich auch in Spanien, beim damaligen Ministerpräsidenten José María Aznar. Wir kamen zurück und haben gesagt, okay, die Länder betreiben inzwischen eine solide Politik, sie sind reif für den Euro. Aber wir waren leider nicht in Griechenland. Wenn ich damals gewusst hätte, was heute bekannt ist, hätte ich mich niemals für die Einführung des Euro starkgemacht.
Nur wegen Griechenland?
Nein. Es gab auch andere Enttäuschungen, zum Beispiel durch die eigenen Bundesregierungen. Wenn ich gewusst hätte, dass ausgerechnet Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel die Konvergenzkriterien verletzen - und zwar ohne Wirtschaftskrise -, dann hätte ich der Sache so nicht meinen Segen gegeben. Natürlich war der BDI-Präsident nur einer von vielen, die gefragt wurden, aber mit dem Wissen von heute hätten die Bedingungen damals wesentlich schärfer und verbindlicher gesetzt werden müssen.
Nun ist der Euro aber Realität.
So ist es. Wir sind damals leider nicht nach Griechenland gefahren, und heute können wir nicht mehr so einfach raus. Was die Zukunft des Euro betrifft, so mache mir große Sorgen.