Hauptbahnhof in Stuttgart Privatbahner wollen Gleise erhalten

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Die Vereinigung, die acht Gleise des heutigen Stuttgarter Hauptbahnhofs weiter betreiben will, legt ein Konzept vor. Demnach stünden drei Viertel der oberirdischen Gleisflächen auch dabei für den Städtebau zur Verfügung. Ein Gericht hat jetzt das letzte Wort.

Ein Zusammenschluss von Privatbahnen will acht der 16 Gleise im Kopfbahnhof erhalten. Potenzial für den Betrieb sei vorhanden, versichert die Stuttgarter Netz AG. Foto: Lg/Kovalenko
Ein Zusammenschluss von Privatbahnen will acht der 16 Gleise im Kopfbahnhof erhalten. Potenzial für den Betrieb sei vorhanden, versichert die Stuttgarter Netz AG.Foto: Lg/Kovalenko

Stuttgart - Der Stuttgarter Hauptbahnhof könnte sich im kommenden Jahr zum Knotenpunkt in einem sich entwickelnden Netz an Fernverkehrslinien entwickeln, die aber anders als heutige nicht unter der Ägide der Deutschen Bahn betrieben werden. Entsprechende Absichtserklärungen machten jüngst die Runde. Zumindest einer der Aspiranten, das Berliner Unternehmen Locomore, ist über das erste Ankündigungsstadium hinaus. Von den 460.000 Euro, die die Firma einsammeln möchte, um von September 2016 an eine tägliche Verbindung von und nach Berlin anbieten zu können, waren im November rund 197.000 Euro fix zusammen, weitere 31.000 Euro zugesagt.

Noch früher möchte das Heilbronner Unternehmen derschnellzug.de an den Start gehen. Am 18. März soll der erste Zug der Unterländer von Stuttgart nach Hamburg rollen. Immer freitags und samstags ist eine Verbindung in die Millionenstadt im Norden geplant. Unterwegs soll im Land in Bietigheim-Bissingen, Heilbronn und Osterburken gehalten werden. Fahrten in der Gegenrichtung sind jeweils samstags und sonntags geplant. Eine zweite Linie soll zwischen Stuttgart und Aachen fahren.

Zusammenschluss will die Hälfte aller Gleise erhalten

Die beiden Anbieter könnten aber nur die Initialzündung für privaten Eisenbahnverkehr im Stuttgarter Hauptbahnhof sein – zumindest dann, wenn die Prognosen der Stuttgarter Netz AG (SNAG) eintreffen. Der Zusammenschluss von privaten Eisenbahnunternehmen hat kürzlich ein Konzept zum Weiterbetrieb des oberirdischen Kopfbahnhofs vorgelegt. Die Privatbahner gehen davon aus, dass „insgesamt werktäglich mit bis zu 100 Zügen gerechnet“, werden könne, die im Kopfbahnhof halten. So steht es in einem Papier, dass das Netzwerk im Internet veröffentlicht hat. Um diesen Verkehr abwickeln zu können, müssten acht der heute 16 Kopfbahnhofgleise erhalten werden. Darüber hinaus möchte die SNAG die Strecken von Feuerbach, von Vaihingen und von Bad Cannstatt erhalten – letztere allerdings nur eingleisig.

Pläne für ein neues Stadtviertel auf den heutigen Bahnanlagen, wie sie in einer nun anlaufenden Bürgerbeteiligung diskutiert werden sollen, müssten nicht zur Gänze zu den Akten gelegt werden. „Für den Betrieb des Kopfbahnhofs werden neben der Gäubahntrasse rund 25 Prozent der bisherigen Flächen des bestehenden Kopfbahnhofs benötigt. Alle übrigen Flächen stehen für die städtebauliche Entwicklung zur Verfügung“, heißt es in dem 14-seitigen Papier, das von SNAG-Vorstandsmitglied Rainer Bohnet zusammengestellt worden ist. Er hat Erfahrung damit, der Bahn Paroli zu bieten. Bis 2014 war er Geschäftsführer der Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH.

Überraschendes Lob für das umgebaute Gleisvorfeld

Große Investitionen in die Stuttgarter Infrastruktur sieht das Konzept nicht vor. Etwas überraschend findet sich darin sogar Lob für den Zustand der Schienen und Gleise des Hauptbahnhofs. „Die zu übernehmenden Gleise und Weichen befinden sich überwiegend in einem guten Betriebszustand. Im Zuge der Bauarbeiten von Stuttgart 21 wurde das Weichenvorfeld fast vollständig umgebaut und erneuert. Bei einer Lebensdauer von über 30 Jahren besteht kurzfristig nur ein überschaubarer Erneuerungsbedarf bei den Anlagen.“ S-21-Kritiker hatten der Bahn hingegen wiederholt vorgeworfen, beim Umbau des Gleisvorfelds etwa zu enge Radien verbaut zu haben, die auch ursächlich seien für eine Folge von drei Zugentgleisungen im Jahr 2012. Auch bei der Signaltechnik soll auf Altbewährtes zurückgegriffen und das bisherige Stellwerk weiterbetrieben werden. Auf diese Weise kalkuliert die SNAG für ihr Vorhaben mit jährlichen Pacht-, Personal- und Energiekosten von 1,6 Millionen Euro.

Demgegenüber sollen Einnahmen aus Trassen- und Stationsgebühren in Höhe von 1,8 Millionen Euro stehen. Zu diesem Zweck regt die SNAG an, die Nebenbahnen in der Region künftig bis in die Stuttgarter City fahren zu lassen. Namentlich nennt das Papier die Strohgäu-, die Schönbuch-, die Ammertal- und die Wieslaufbahn. Auch Züge der Zollern-Alb-Bahn (Tübingen-Sigmaringen), für die wegen des bisherigen Dieselbetriebs der unterirdische Durchgangsbahnhof von Stuttgart 21 tabu wäre, sehen die selbst ernannten Kopfbahnhofbetreiber auf den verbleibenden oberirdischen Gleisen.

Erhalt der oberirdischen Gleise ein Fall fürs Gericht

Und auch auf den bisherigen Hausherrn des Hauptbahnhofs, die Deutsche Bahn, bauen die Privatbahner. Unter Hinweis auf die von der DB im März 2015 angekündigte Fernverkehrsoffensive rechnet sich die SNAG Chancen aus, den einen oder anderen Zug des bundeseigenen Bahnkonzerns an die oberirdischen Bahnsteige lotsen zu können. Die für den Fernverkehr zuständige DB-Tochter müsse Gewinne erwirtschaften. „Es ist somit nicht undenkbar, dass die DB Fernverkehr AG sich zukünftig dafür entscheiden könnte, weiter einen günstigeren oberirdischen Bahnhof anzufahren“, heißt es in dem Konzept.

Damit daraus Konkretes wird, müsste die SNAG Zugriff auf die bestehenden Anlagen in Stuttgart bekommen. Das will der Zusammenschluss gerichtlich erreichen. Die Privatbahner streben an, dass die Bundesrepublik ein förmliches Stilllegungsverfahren für die nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 nicht mehr benötigten Anlagen eröffnet. In dessen Zuge könnte die SNAG dann ihr Interesse bekunden. Eine entsprechende Klage ist im August 2012 beim Stuttgarter Verwaltungsgericht eingegangen, Eine Verhandlung war im März 2015 geplatzt.

Im Vorfeld des Termins war nach Angaben des Verwaltungsgerichts der Vorstand des klagenden Unternehmens zurückgetreten. Das Gremium ist nun wieder besetzt, ein neuerlicher Verhandlungstermin aber nach Angaben von Gerichtssprecherin Ulrike Zeitler derzeit nicht abzusehen.

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485 KommentareKommentar schreiben

Gut, dass sich jemand um den Kopfbahnhof kümmert: der teure Tiefbahnhof ist einfach nicht leistungsfähig genug, schon gar nicht für das Wachstum der Zukunft. Da könnte die SNAG noch zum Retter des Bahnverkehrs werden.

Die SNAG: braucht vor Allem endlich mal einen Telefonanschluss. Sonst wird das nix mit der Übernahme des Sackbahnhofs samt Tunnelgebirge und der damit verbundenen Sanierung desselben. (Schätzungsweise mind. 3 Milliarden Euro?)

neue Taktik...: zu warten bis ein Thema schläft und dann mal ganz ungestört an der Verschwörung arbeiten, wird nichts bringen... doch der Ruf ist vollends ruiniert. ---------------------------------------------------------------------------------------------------------- Frohe Weihnachten auch an die die selten an den Anderen denken und glauben eine Firma wäre eine Sache.

S21 ist am Ende: Fehlende Baugenehmigungen, fehlende Planungen, fehlende Finanzierung. Dazu die verbleibenden Kopfbahnhofgleise, die aufgrund ihrer geringeren Betriebskosten und Trassen- und Stationsgebühren nicht nur von den Privatbahnen sondern auch von den Zügen der klammen DB AG genutzt werden. Daran kann auch die von der DB AG betriebene Dauerblockade des Bundesrechnungshof-Berichts etwas ändern.

Ich würde nicht vorzeitig das Ende von S21 verkünden. S21 ist leider zäher als die meisten gedacht haben. Ein Problem ist meiner Meinung nach, dass damit wahrscheinlich einige Karieren (politisch als auch bei der DB AG) verbunden sind. Und bevor die aufgeben, vergeuden sie lieber sinnlos fremdes Geld. --- Ich halte eine Fertigstellung von S21 auch für sehr fraglich, vor allem wenn die DB AG jetzt auch noch "Die Bahn fährt in das Milliardenloch" (StZ, 09.12.2015). Und S21 ist wohl für die DB AG unwirtschaftlich. --- Aber bis 2018 ist angeblich das Geld noch da und ich denke, dass auch so lange noch weiter gebaut wird. Was dann kommt, das wird spannend. Wahrscheinlich wird das Land und die Stadt bluten müssen, denn die DB AG hat ja kein Geld.

Realistisch sein: 1. Einsehen, dass die Zeit der Grundsatzdiskussionen vorbei ist. Alles wurde tausendmal durchgekaut und langweilt nur noch. 2. Planänderungen, probleme,sind normal und da um gelöst zu werden. 3. Optimierung ist gefragt, nicht kleinliches herum nörgeln . 4. Keine SNAG der Welt , kein Engelhardt , niemand wird daran etwas ändern . Es ist ganz einfach durch.

Herr Frieder, -1- Was Sie langweilt, könnte die Bevölkerugn in Stuttgart und Ba-Wü noch eine ganze Stange Geld kosten. Und da wird es um Millarden und nicht Millionen gehen. -2- Planänderungen sind normal, das Problem der Planänderungen sind deren mittlerweile hohe Anzahl, u.a. weil man Warnungen einfach IGNORIERT HAT (u.a. Doline), deren weiter Kostensteigerungen und Terminverschiebungen. Bei einem Projekt, welches heute schon für den Bauherren, von dem man heute in der StZ lesen konnte: "Die Bahn fährt in das Milliardenloch", unwirtschaftlich ist ein sehr fragwürdiges vorgehen. -3- Was bedeutet Optimierung. Entweder Richtung Sicherheit optimieren, dann gehen die Kosten hoch oder Richtung Kosten optimieren, dann mit weniger Sicherheit. -4- Der Punkt ist nicht mehr als eine Hoffnung/leere Behauptung ohne irgendwelche fundamentierte Belege. Auch wenn Sie das noch 1000 mal wiederholen, richtig wird es dadurch nicht. ----- Es ist für mich manchmal erschreckend zu sehen, wie weit sich manche der S21-Befürworter von der Realität bei S21 entfernen um noch positiv über S21 denken zu können. Denn was in Stuttgart bei der Planung (u.a. Fluchttreppentürme, zuerst ohne, dann mit, dann ans Ende, ...), Finanzierung (wieviel wurde da schon versprochen und nicht gehalten), usw. so abgeht ist für ein Projekt dieser Größenordnung einfach katastrophal.

2- Planänderungen sind normal, das Problem der Planänderungen sind deren mittlerweile hohe Anzahl, u.a. weil man Warnungen einfach IGNORIERT HAT.............: Bitte zeigen sie mir mal ein Beispiel einer Planänerunderung die man nur deswegen machen musste, weil man ein Warnung ignoriert hat !

Dabei geht es mir um die Planänderung, dass man jetzt deutlich mehr dieser Pfähle in die Trennschicht zum Mineralwasser einbringen muss, weil man die dort befindliche Doline einfach ignoriert hat.

Herr Burghart ...: das was bzw. wie sie es vorbringen, ist einfach nur falsch ! .. Die Frage nach belegbarém ,das die Planänderung die sie oben anführen === ....""die Planänderung, dass man jetzt deutlich mehr dieser Pfähle in die Trennschicht zum Mineralwasser einbringen muss, weil man die dort befindliche Doline einfach ignoriert hat."" ...... schenke ich mir, denn es bringt nichts! .....Glauben sie was sie wollen! ... Das sie aber in Polen leben, wundert mich ihre massive Beitragsschreiberei und ihre angebliches Detailwissen schon, denn viele Dinge die sie hier so in den Raum stellen sind auch nicht im Internet oder gar nur aus der StZ zu entnehmen....Ganz ehrlich Herr Burghart ,ich glaube nicht das sie in Polen wohnen ,sondern eher einer der Parkschützer vor Ort sind !

Planänderungen: Herr Burghart, bitte listen Sie die Planänderungen auf (Nummer mit Text, um was es sich handelt), dann merken Sie vielleicht, welchen Unfug Sie hier verbreiten.___________ Begründen Sie auch bitte, was S21 mit dem "Milliardenloch", in das die Bahn angeblich fährt, zu tun hat.

Herr Peter, Sie begründen bzw. belegen doch NIE etwas und fordern es trotzdem von andern. Beschämend. Aber Schamgefühl scheint Ihnen fremd zu sein. --- Fragen Sie die Projektverantwortlichen wegen der Planänderungen, das ist deren Geschäft nicht meines. Aber es gibt zum Trog mittlerweile die 15(!). Planänderung. Und manche davon sind äußerst fragwürdig, u.a. die deutliche Erhöhung der Anzahl der Pfähle in die Trennschicht zum Mineralwasser. Aber für S21 scheint man bereit zu sein, wirklich alles zu opfern. --- "Millardenloch": Sind Sie unfähig das zu verstehen was ich geschrieben habe oder wollen Sie einfach provozieren? Das Millardenloch S21 ist für die DB AG definitiv UNWIRTSCHAFTLICH und bringt demnach ZUSÄTZLICH VERLUSTE. Und da die DB AG aus anderen Quellen schon Verluste einfährt ist es meiner Meinung nach unverantwortlich einfach noch zusätzliche Verluste in Millardenhöhe aufzuhalsen, nur weil man mit S21 eben "Recht" behalten muss. Und die angeblichen Vorteile von S21 sind bisher nur (teilweise sehr zweifelhafte) Behauptungen und nichts Sicheres.

mittlerweile die 15(!). Planänderung. Und manche davon sind äußerst fragwürdig, u.a. die deutliche Erhöhung der Anzahl der Pfähle in die Trennschicht zum Mineralwasser.......: Ach jetzt ist es eher eine Spekulation ihrerseits , in einem Beitrag weiter obén schrieben sie ja noch ganz überzeugt ::===....""die Planänderung, dass man jetzt deutlich mehr dieser Pfähle in die Trennschicht zum Mineralwasser einbringen muss, weil man die dort befindliche Doline einfach ignoriert hat." -- Komisch ,hier wussten sie noch das diese Planänderung gemacht wurde , weil man die "dort befindliche Doline einfach ignoriert hat " ? --Jetzt ist der Grund dieser Palnänderung nur noch fragwürdig ? ---- Sie ändern ihre Aussagen aber schnell !

Mumpitz: Herr Burghart, Ihre unglaubwürdigen Rundumschläge können Sie sich sparen. Wenn jemand seine Beiträge belegt, dann bin ich das. Was ich jedoch NICHT belege, sind Phantasie-Beiträge wie die Ihren, das müssen Sie schon selbst machen. _________ Wenn SIE eine Behauptung bezüglich der Planänderungen aufstellen, sollten Sie diese auch belegen können. Ich sehe aber, dass Sie noch nicht einmal wissen, von was Sie schreiben. Es gibt keine 15. Planänderung zum Trog. ____________ Was das von Ihnen angekündigte Milliardenloch anbelangt, so habe ich Sie schon einmal aufgeklärt. Ich zitiere aus meinem Beitrag: „Wie ich der Presse entnehmen kann, weist die Bahn ein positives operatives Ergebnis VOR Steuern und Zinsen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro auf. Laut Presse sorgen Abschreibungen im Güterverkehr und Kosten der Restrukturierung zu einem Verlust. Außerdem muss die Bahn 850 Mio. Euro an den Bund abliefern.“ Und nun erklären Sie uns bitte, was das mit S21 zu tun hat. __________ Sollten Sie allerdings auf Ihrem Kindergartenniveau beharren, erspare ich mir in Zukunft eine Antwort auf derartigen Mumpitz.

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