Hauptschulen in Stuttgart Großer Andrang auf zehnte Klasse

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Künftig wird es zwei verschiedene Versionen der zehnten Klasse geben. Zwei Drittel aller Haupt- und Werkrealschüler wollen nach Klasse neun weitermachen.

Der Schulhof der Fasanenhofschule in Stuttgart Foto: Michael Steinert
Der Schulhof der Fasanenhofschule in Stuttgart Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Erstmals dürfen Neuntklässler in Haupt- und Werkrealschulen frei wählen, ob sie ein zehntes Schuljahr absolvieren wollen. Denn künftig müssen sie dafür keine Notenhürde von 2,4 mehr überspringen. Bei den Stuttgarter Schülern kommt die Neuregelung gut an: Insgesamt wollen 65,4 Prozent der 1009 Neuntklässler diese Chance im nächsten Schuljahr nutzen – allerdings mit unterschiedlichen Zielen. Denn die Landesregierung bietet Hauptschülern künftig drei Optionen an: Der Hauptschulabschluss kann in zwei Geschwindigkeiten erreicht werden, wahlweise nach der neunten oder zehnten Klasse. Wer nach Klasse zehn den mittleren Bildungsabschluss vorhat, muss aber ausreichend gute Versetzungsnoten nachweisen.

Laut Staatlichem Schulamt streben 58,5 Prozent (590 Schüler) nach der zehnten Klasse den mittleren Abschluss an – fast dreimal so viel wie bisher. Weitere 6,9 Prozent (70 Schüler) wollen die zehnte Klasse dazu nutzen, auf diesem etwas langsameren Weg den Hauptschulabschluss zu machen. Und 34,6 Prozent der Neuntklässler (349 Schüler) streben sofort den Hauptschulabschluss an und verzichten auf ein zehntes Schuljahr.

Zwei Versionen der zehnten Klasse

Bis 1. März mussten die Neuntklässler ihre Option anmelden. Zuvor seien sie ausführlich beraten worden, berichtete Manfred Rittershofer vom Staatlichen Schulamt. Denn künftig wird es zwei verschiedene Versionen der zehnten Klasse geben. Aspiranten für den langsamen Hauptschulabschluss erhalten nur noch je drei Wochenstunden in den Hauptfächern Deutsch, Englisch, Mathe – dafür aber zwei Stunden in dem neuen Fach „Kompetenztraining“. Dort sollen sie soziale Kompetenzen erwerben, aber auch Arbeitstugenden lernen. Außerdem erwartet sie acht Stunden berufsorientierter Unterricht, sechs Stunden davon in einem Betrieb.

Die Zehntklässler hingegen, die den mittleren Bildungsabschluss anstreben, müssen je sechs Wochenstunden in den Hauptfächern Deutsch, Englisch, Mathe büffeln plus fünf Stunden im Fächerverbund Material, Natur, Technik (MNT).