Haus der Geschichte „Ohne Carl Laemmle säße ich nicht hier“

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Sandys Vater Hermann Einstein, ein Jude aus Bad Buchau, entkam der Verfolgung durch die Nazis, weil er in die USA auswandern konnte. Dabei half ihm der Filmproduzent und Erfinder von Hollywood Carl Laemmle, dem das Haus der Geschichte eine Ausstellung widmet.

Sandy Einstein vor der Wand mit Namen von Juden, die von Carl Laemmle gerettet wurden – darunter ist auch sein Vater Hermann Einstein. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Sandy Einstein vor der Wand mit Namen von Juden, die von Carl Laemmle gerettet wurden – darunter ist auch sein Vater Hermann Einstein. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Herr Einstein, Sie sind hier in dem Land, in dem Ihr Vater Hermann Einstein geboren wurde. Wie fühlt sich das für Sie an?
Ich bin ja nicht zum ersten Mal hier in Deutschland. Ich war schon im September 2013 in Bad Buchau, wo mein Vater Hermann Einstein 1902 geboren wurde, und in Laupheim, wo er später als Lehrer und Kantor an einer jüdischen Schule arbeitete.
Wie ist es Ihnen damals ergangen?
In Bad Buchau fand ich einen Stammbaum meiner Familie, der bis ins Jahr 1665 zurückging. Das war bemerkenswert. Dann ging ich durch die Straßen, durch die auch mein Vater gegangen war, sah das Haus meiner Familie – das war alles sehr emotional für mich. Und in Laupheim habe ich in dem Hotel übernachtet, in dem auch Carl Laemmle abstieg, wenn er in den 1920er Jahren seine Heimatstadt besuchte. Das alles war für mich ein ganz besonderes, ein sehr beeindruckendes Erlebnis.
Und heute?
Auch dieser Besuch ist für mich sehr wichtig. Die Ausstellung im Haus der Geschichte über Carl Laemmle 150 Jahre nach seiner Geburt war überfällig. Wissen Sie, viele Leute erinnern sich an ihn als Filmmogul, an die Universal Studios, an Hollywood und an all die Filme. Und es gibt einige, die auch ein bisschen über die Bürgschaften wissen, mit denen Juden in der Nazizeit in die USA ausreisen konnten. Aber dass Carl Laemmle 300 solcher Bürgschaften unterzeichnet und die Leute gerettet hat, das wissen viel zu wenige. Auch ich wusste das lange Zeit nicht.
Wie haben Sie erfahren, dass auch Ihr Vater zu den Juden gehörte, die von Laemmle eine Bürgschaft, ein Affidavit, erhielten?
Ich fand im Jahr 2010 heraus, dass Laemmle meinen Vater gerettet hatte. Ich hatte Briefe meines Vaters an Laemmle, aber ich konnte sie damals nicht richtig einschätzen. Denn als ich aufwuchs, erzählte mein Vater nichts über seine Vergangenheit, und ich fragte ihn auch nicht danach. Ich begriff die Zusammenhänge erst, als ich einen Artikel von Udo Bayer (dem Biografen Laemmles) über die Bürgschaften im Internet fand und las. Da erkannte ich, dass mein Vater zu denen gehört hatte, die von Laemmle ein Affidavit erhielten – und seitdem beschäftige ich mich damit. Und obwohl ich Pressearbeit in der Musikbranche gemacht hatte, war es sehr schwierig, Medien dafür zu interessieren.