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Haushaltsmisere Stuttgart droht ein Sparkommissar

StZ, vom 30.07.2010 18:22 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Der Stadtkämmerer Michael Föll ist voller Vorfreude, denn am Wochenende beginnt sein Urlaub. Deshalb sagte der Christdemokrat am Donnerstag, einen Tag nach den für ihn und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (beide CDU) höchst ärgerlichen Streitereien im Gemeinderat über die Waffensteuer und die Bettensteuer: "Ich habe Humor und Gelassenheit - und ich glaube an das Gute im Menschen." Und: "Meine Mitarbeiter und ich sind ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, im Stadthaushalt Geld zu sparen, wir suchen wie die Trüffelschweine."

Einen Blick in sein wahres Innenleben wollte der stellvertretende Rathauschef am Donnerstag allerdings nicht gewähren. Denn was sich das heillos zerstrittene Stuttgarter Stadtparlament an seinem letzten Sitzungstag vor den Ferien leistete, kann der erfahrene Kommunalpolitiker Michael Föll in Wahrheit nur schwer ertragen. Trotzdem sagt er: "Wir müssen sechs Millionen Euro erzielen: durch Einsparungen, durch höhere Einnahmen - oder durch beides." Obwohl der Rat seine Entscheidung über die Betten- und die Waffensteuer auf den 23. September vertagt habe, so Föll, "haben wir sechzig Prozent der sechs Millionen Euro erreicht, der Rest fehlt noch."

Und in der Tat: unter dem Motto "Kleinvieh macht auch Mist" hat der Gemeinderat beschlossen, die Kleinbahn auf dem Killesberg künftig von der Straßenbahn AG betreuen zu lassen, was den Stadthaushalt um 65.000 Euro entlastet. Wer künftig sein Haus, Grundstück oder die Wohnung vom städtischen Gutachterausschuss gerichtsfest schätzen lassen will, muss höhere Gebühren bezahlen: so kommen 180.000 Euro zusätzlich in die Stadtkasse. Unterm Strich hat der Gemeinderat am Mittwoch durch ein halbes Dutzend verschiedener Spar- und Einnahmebeschlüsse knapp 3,9 Millionen Euro erzielt - und das mit einer breiten Mehrheit.

Die eigentlichen politischen Streitpunkte sind allerdings ungelöst. Eine Mehrheit, die quer durch den Gemeinderat geht, ist nicht bereit, das städtische Weingut zu verpachten, was 250.000 Euro bringen sollte. Die Fusion von Sportamt und Bäderbetrieben ist vom Tisch, die auf 500.000 Euro geschätzte Einsparung hat sich in Luft aufgelöst. Und aus der von Michael Föll selbst ins Gespräch gebrachten Waffenbesitzsteuer wird eine Hängepartie, ebenso wie aus der Entscheidung über die Bettensteuer. Der Kämmerer weiß bereits, was am 23. September, wenn diese beiden Streitfälle wieder aufgerufen werden, im Rathaus passiert: "Ich glaube, der Rat erzielt bis dahin keinen wesentlichen Erkenntnisgewinn."

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Kommentare (37)
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AUG
04
09:25 Uhr, geschrieben von Herr D.
Sparprogramm
Alle zu Wolff & Müller. Dann muss die Stadt keine Gehälter mehr zahlen! Herr Föll hat's doch schon vor gemacht...
AUG
01
18:46 Uhr, geschrieben von maschmi
S21 ausklammern
Ich habe eigentlich nur eine Frage gestellt: kann man der Stadt als Bürger vorschlagen, wo "die Stadt" sparen kann? Es ging mir nicht darum, wo der Bürger sparen kann und will. S21 sollte man deshalb ausklammern, weil es sich um ein Bahnprojekt handelt, für das die Stadt, die massiv davon profitiert, Geld zuschießt. Dass meine Meinung strittig ist, ist mir bekannt, möchte ich aber bei einem Kommentar zu Einsparmöglichkeiten nicht diskutieren, das mache ich regelmäßig an anderer Stelle (und werde dafür beschimpft). Vielleicht komme ich am Montag mal mit einem Pro-S21-Schild an den Bahnhof und schaue, wie die "anderen" reagieren... Also zurück zum Thema: in Unternehmen gibt es doch auch häufig Verbesserungsprogramme, bei denen die Mitarbeiter Vorschläge unterbreiten können. Wieso sollte eine Stadt das seinen Bürgern nicht anbieten?
AUG
01
15:47 Uhr, geschrieben von Sarah Wiener
Intelligent Sparen fordert intelligente Stadtväter.
Doch diese sind in Stuttgart scheinbar nicht vorhanden. So wird das wichtigste parlamentarische Recht, das Haushaltsrecht von unfähigen Politikern irgend einem ebensolchen Beamten übergeben. Ich lache nur noch.
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