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Hegelgymnasium Gewaltsongs kosten Schulkarriere

Inge Jacobs, vom 07.05.2010 08:56 Uhr
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So präsentiert sich der frühere Referendar und Death-Metal-Sänger Thomas Gurrath im Internet. Foto: StZ
So präsentiert sich der frühere Referendar und Death-Metal-Sänger Thomas Gurrath im Internet. Foto: StZ
""Die Schüler sollen selbst entscheiden, was sie gut finden.""
Thomas Gurrath, Sänger und Exreferendar

Stuttgart - Continue to kill" und "It pleases us to kill" - so heißen die Songs, die der Stuttgarter Death-Metal-Sänger Thomas Gurrath mit seiner Band "Debauchery" singt. Für seine Fans ist das Kult, und dazu gehören auch martialische Bühnenauftritte mit Pornodarstellungen, (kunst-)blutüberströmten Musikern und gewaltverherrlichenden Texten, in denen Mord und Vergewaltigung angepriesen werden - für jeden zugänglich auch im Internet. Doch der 29-jährige Sänger strebte auch eine Karriere als Gymnasiallehrer an: Ethik und Gemeinschaftskunde. Im Januar begann er seine Ausbildung als Referendar am Hegelgymnasium in Vaihingen. Doch die ist seit dem 29. März beendet.

Zum Verhängnis wurde dem Referendar eine Ethikunterrichtsstunde vor Neuntklässlern am 10. März - einen Tag, bevor sich der Amoklauf des Tim K. in Winnenden jährte. Im Unterricht thematisierte Gurrath Killerspiele und die Frage, ob die darin vom Spieler ausgeübte fiktionale Gewalt auch in echte Gewalt umschlagen könnte. In dieser Stunde hatte sich Gurrath offenbar nicht klar genug von Gewalt abgegrenzt, worauf auch die Schulleiterin Barbara Graf auf ihn aufmerksam wurde.

Gurrath wollte sich nicht von der Musik distanzieren


Es sei sein erster Unterrichtsbesuch gewesen, und die Schulleiterin wertete die mangelnde Gewaltdistanz zunächst als pädagogischen Fehler eines Anfängers. Doch auch bei der anschließenden Besprechung habe Gurrath nicht akzeptiert, dass man von ihm als Lehrer eine klare Position erwarte, so Graf. "Insbesondere nach dem Amoklauf von Winnenden erwarten wir, dass die Lehrer ihren Erziehungsauftrag wahrnehmen", sagt Graf. Sämtliche Amokläufe seien von jungen Männern begangen worden, die durch Killerspiele seelisch dafür geöffnet worden seien.

Daraufhin habe ein Kollege sich im Internet über Gurraths Musikeraktivitäten in der Death-Metal-Szene informiert - und sich ob der Darstellungen übergeben müssen. Die Musik, die Bildsprache, die Videos seien von Gewaltverherrlichung und von Folterungen von Frauen geprägt. So würden einer Frau die Beine abgesägt. "Für mich ist auch die sexualisierte Form der Gewalt besonders schlimm", sagt Graf. "Da wird die Menschenwürde mit Füßen getreten." Vor allem jüngere Schüler könnten nicht zwischen Gurraths Rolle als Musiker und als Lehrer unterscheiden.

Sie habe den Referendar aufgefordert, sich von dieser Musik zu distanzieren, weil dies unvereinbar mit seiner Vorbildfunktion als Lehrer sei. Diese Diskrepanz habe der junge Mann, den Graf als "freundlich, etwas zurückhaltend und keineswegs unreflektiert" beschreibt, nicht gesehen und sich für seine Konzertreisen während des Referendariats beurlauben lassen wollen. Schließlich habe man das Regierungspräsidium (RP) eingeschaltet, und Gurrath habe von sich aus kündigen wollen.

Alles nur "reine Unterhaltung"


Ein RP-Sprecher erklärte: "Wir haben einvernehmlich das Arbeitsverhältnis beendet." Zur Trennung sei es gekommen, weil Gurrath erklärt habe, er wolle sich stärker im künstlerischen Bereich betätigen.

Gurrath räumt gegenüber der StZ ein: "Die Texte sind gewaltverherrlichend." Es sei aber alles "reine Unterhaltung" und "die Schüler sollen selbst entscheiden, was sie gut finden". Die seien schlau genug, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Er selbst sei zur Kündigung genötigt worden. Eine Rückkehroption habe er jedoch auch: "Aber dafür muss ich drei Jahre abstinent sein."

Diese Option akzeptiert zwar auch die Vize-Elternbeiratsvorsitzende Heidrun Falk. Doch jetzt seien die Eltern "froh, dass so schnell Konsequenzen gezogen wurden". Dass ein Lehrer mit Gewaltdarstellungen, und dazu noch frauenfeindlichen, an die Öffentlichkeit gehe, sei "schlicht widerlich". In einem Video gehe es um die Vergewaltigung einer Schülerin im Schulgelände. "So jemanden wollen wir nicht als Lehrer. Einer der vornehmsten Aufgaben der Lehrer ist es doch, dass sie unseren Kindern beibringen, wie wir gewaltfrei in einer Gesellschaft leben können."
Kommentare (42)
Kommentarregeln
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NOV
26
17:03 Uhr, geschrieben von TimG
Kann es noch schlimmer werden?
Auch ich habe das Bedürfnis, meine Meinung hier einmal kurz kundzutun, denn auch ich fühle mich dieser Musikrichtung verbunden und war ebenso empört über das Handeln der Direktorin, wie über die periphere Berichterstattung der Journalisten, die, meiner Meinung nach, doch etwas zu sehr Partei ergreift. Erstens sei zu sagen, dass ich in meinem Bekanntenkreis diejenigen, die Metal hören, zu den intelligentesten und potentiell gewaltverachtendsten zähle, deren Wut und Gewaltbereitschaft keinesfalls von irgendwelchen ominösen Musikstücken geschürt wird. Zweitens, um hier mal die Angelegenheit mit dem "Video über eine vergewaltigte Schülerin" aus dem Weg zu räumen: Es gibt KEIN Video, dieser Song ist allerdings, und das wollen einige hier aus mir unbekannten Gründen nicht wahrhaben,existent und als "Weißes Fleisch" [Back In Blood, 2007] betitelt, da er eine Coverversion eben jenes Stücks der Band "Rammstein" darstellt. B2T: Anscheinend ist die werte Direktorin etwas eingerostet, was Ethikunterricht und Subkulturen angeht. Vielleicht sollte sie sich mehr Zeit nehmen, die Leute hinter ihren Pulten kennenzulernen und nebenbei mal ein bisschen das GG studieren, in dem Meinungsfreiheit, auch für Death Metal-Sänger, als uneingeschränktes Menschenrecht gilt. Warum die Dame so scharf darauf ist, dass ausgerechnet ihre Auffassung von Killerspielen von einem für den Ethikunterricht ausgebildeten (nun ja Ex-)Lehrer unter den Schülern verbreitet werden soll, ist meiner Meinung nach auch sehr fraglich. Solch eine janusköpfige Schulleiterin, die sich wahrscheinlich bei jeder Umfrage als "tolerant" beschreiben würde, wünsche ich meinen Kindern nicht! Nebenbei gesagt kenne ich auch einen Deutschlehrer, der in der Oberstufe unterrichtet. Selbiger spielt besagte "Killerspiele" und ist überzeugter Pazifist.
AUG
12
16:30 Uhr, geschrieben von Felix
Lüge
Es stimmt nicht, dass es ein Video mit einer vergewaltigten Schülerin gibt. Es ist schlicht und einfach journalistisch schlampig recherchiert; gibt aber gut den Standpunkt der Autorin wieder, unbedingt über die emotionale Schiene Unverständnis zu schüren. 6 - Durchgefallen.
AUG
12
12:24 Uhr, geschrieben von Daniel Sissenich
@ Tobi
Nachdem ich meinen Beitrag abgeschickt hatte, hab ich die Kommentaren gelesen (in diesem Fall bewußt erst danach). Und bin auch zu dem Schluß gekommen, daß die Existenz dieses Songs zumindest fragwürdig ist. Gibt es von der StZ da eine Richtigstellung/einen Kommentar dazu?
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