Heilbronn Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen gegen Skandalarzt

dpa, 07.01.2013 15:51 Uhr

Heilbronn - Die Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen gegen einen niederländischen Skandalarzt eingeleitet, der über Jahre unentdeckt in Heilbronn praktizierte. Man prüfe den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung, bestätigte ein Sprecher der Behörde am Montag. Hintergrund seien Medienberichte, nach denen der Skandalarzt auch in Heilbronn eine Patientin geschädigt haben könnte.

Der Arzt, den niederländische Medien „Dr. Frankenstein“ tauften, arbeitete seit 2011 am Heilbronner SLK-Klinikum am Gesundbrunnen, obwohl er in den größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte der Niederlande verwickelt ist. Dort soll er in mehr als 20 Fällen Patienten fälschlicherweise unheilbare Krankheiten attestiert haben.

Die Klinik sucht weiter nach Erklärungen dafür. Der Geschäftsführung seien die Vorwürfe gegen 67-jährigen Neurologen schlicht nicht bekanntgewesen, versicherte ein Sprecher am Montag erneut. Allerdings musste er einräumen, dass bereits 2011 Infos über die Ermittlungen gegen den Arzt kursierten. Diese seien damals aber nicht bis zur Geschäftsführung gelangt. Auch seien die Mitarbeiter, die diese Infos hatten, gar nicht mehr im Haus tätig.

2011 landete der umstrittene Mediziner in Heilbronn

Klinikchef Thomas Jendges hatte am Wochenende gesagt, in Heilbronn sei „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ keine Patienten geschädigt worden. Ein Sprecher der Klink sagte, man gehe derzeit davon aus, dass sich mögliche Ermittlungen gegen den Arzt und nicht gegen die Klinik richten.

Der Mediziner soll in den größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte der Niederlande verwickelt sein. Er soll in mehr als 20 Fällen Patienten fälschlicherweise unheilbare Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson attestiert haben. Sie waren zum Teil jahrelang mit schweren Medikamenten behandelt worden. Ein Patient habe Selbstmord begangen, nachdem ihm fälschlicherweise Alzheimer attestiert worden war. Bei mindestens 13 Patienten sollen aufgrund der falschen Diagnosen unnötig Gehirnoperationen ausgeführt worden sein.

2011 landete der umstrittene Mediziner über eine Vermittlungsagentur in Heilbronn. Alle notwendigen Urkunden - einschließlich einer deutschen Approbation und einer Facharztanerkennung - hätten vorgelegen und keinen Anlass zur Skepsis gegeben, hieß es. Politiker in den Niederlanden fordern eine europäische schwarze Liste, um solche Fälle zu verhindern. Heilbronns Klinikchef Jendges forderte ebenfalls neue Richtlinien: Angesichts der Personalnot an Kliniken in Deutschland müssten immer öfter Ärzte aus anderen europäischen Ländern beschäftigt werden.