Heimatminister Markus Söder Heimat ist: Glockenläuten, Bratwurstduft, Lebkuchen

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In Bayern ist der Heimatminister aus der Taufe gehoben worden. Derzeit bekleidet Markus Söder den Posten. Mit welchem Ziel?

Markus Söders (CSU) Aufgabe als Heimatminister besteht vorwiegend darin, „gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen“ im ganzen Freistaat herzustellen. Foto: dpa
Markus Söders (CSU) Aufgabe als Heimatminister besteht vorwiegend darin, „gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen“ im ganzen Freistaat herzustellen. Foto: dpa

München - Markus Söder ist, was man im Bayerischen ein „gstandenes Mannsbild“ nennt: 1,94 Meter groß, 105 Kilo schwer. Der richtige Kerl, um die ebenfalls recht habhaften Schätze des Freistaats zu verwalten und zu mehren. Seit 2011 ist Söder Finanzminister, was angesichts des weißblauen Wirtschafts- und Steuerbooms die wahrscheinlich an Sorgen ärmste Aufgabe in der ganzen Repu­blik darstellt. Sein einnehmendes Wesen erstreckt sich auch über Märchenschlösser wie Neuschwanstein; er verwaltet Staatsbesitz wie den am Münchner Hofbräuhaus oder Beteiligungen wie die am Münchner Flughafen. Darüber hinaus zeichnet der 50-Jährige seit vier Jahren für „Landesentwicklung und Heimat“ verantwortlich. Damit war Bayern, das 1970 das weltweit erste Umweltministerium eingerichtet hat, wieder einmal Vorreiter: Einen Minister für Heimat gab’s in deutschen Landen zuvor nirgends. Nach dem Machtwechsel im Mai hat nun Nordrhein-Westfalen nachgezogen.

Söder kann nicht schuhplatteln – muss er auch nicht

Heimat aber, was ist das? In der Klischeevorstellung von Bayern scheint die Antwort leicht, zumal auch innerhalb der weißblauen Rautenwelt die Klischees innigst gepflegt werden – durch die TV-Serie „Dahoam is Dahoam“ zum Beispiel, die wochentäglich übers öffentlich-rechtliche Fernsehen flimmert und in der Söder selbst schon eine Gastrolle hatte. Dass Söder nun schuhplatteln könnte, ist nicht überliefert. Muss er auch nicht. Denn der Heimatbegriff, wie er sich im Titel von Söders Ministerium niederschlägt, hat mit Lederhosen, Trachtengruppen und Maibaumaufstellen nichts zu tun. Da ist nichts Gefühliges; insofern mag der ministerielle Begriff von Heimat, wie Söders Sprecherin einräumt, „vielleicht eine Verkürzung“ sein. Es gehe, ganz nüchtern, um „Infrastrukturförderung für den ländlichen Raum“.

Im Spannungsfeld zwischen Boomregion und Waldgebiet

Heimat, so verstanden, bedeutet nichts anderes als Provinzentwicklung. „Basis für alles ist das Geld“, sagt Söder. Als Minister hat er den bayerischen Verfassungsauftrag, „gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen“ im ganzen Freistaat herzustellen. Nicht eben einfach im Spannungsfeld zwischen der Spitzen-Boomregion München und jenen tiefen östlich-/nordöstlichen Waldgebieten, die allzu lange durch den Eisernen Vorhang in ihrer Entwicklung gehemmt waren. Mit der Folge zum Beispiel, dass das „verfügbare Einkommen“ in München trotz aller Großstadtpreise bis heute 1,5-mal so hoch ist wie das in der Oberpfalz.

Wo sind die „Räume mit besonderem Handlungsbedarf“?

Söders „Heimatstrategie“ ruht auf fünf Säulen: Gefordert wird erstens ein besserer Finanzausgleich zwischen den Kommunen. Zweitens sind die „RmbH“ ausfindig gemacht worden, „Räume mit besonderem Handlungsbedarf“. In ihnen finden sich fast die Hälfte der bayerischen Landkreise und Gemeinden wieder – zu ihrer Verblüffung auch solche, die sich bisher für gar nicht strukturschwach hielten. Drittens soll Nordbayern speziell gefördert werden. Viertens verspricht die Landesregierung „auch noch dem hintersten Einödhof“ einen Breitbandzugang zum Internet, damit die Betriebe konkurrenzfähig bleiben. Der fünfte Punkt ist speziell: Nachdem Bayern seine Fachhochschulen – heute Technische Hochschulen – und seine „Technologie-Camps“ quer übers Land gestreut hat, werden auch Behörden dezentralisiert. Das heißt: vom quirligen München in stille Provinzen verlagert.

Das finden hauptstadtverwöhnte Beamte nicht unbedingt lustig. Aber der Chef geht voran: Söder hat sich fürs Heimatministerium den Dienstsitz in Nürnberg eingerichtet. Dort verbinden sich Dezentralisierung als Staatsräson und private Vorlieben: Söder ist Nürnberger. „Da gehöre ich hin, da bleibe ich auch“, sagt er. Da kommt dann auch das Gefühlige durch. Heimat, verriet Söder kürzlich, sei für ihn: „Glockenläuten, Bratwurstduft, Lebkuchen.“