Heiner Geißler Der Schlichterspruch im Wortlaut

Von StZ 
Ab 2016 wird sich der Bund an den Gesamtkosten von 2,9 Milliarden Euro mit 1,8 Milliarden Euro beteiligen. Nach Auskunft des Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Verkehr Winfried Hermann im Schlichtungsverfahren ist jedoch die Finanzierung durch den Bund nicht abschließend gesichert. Diese Aussage basiert allerdings auf einer Prognose für das Jahr 2016 und unterstellt, daß die dann vorhandene Mehrheit im Deutschen Bundestag aus dem Projekt aussteigen würde. Es kann natürlich auch gerade umgekehrt sein. Infolgedessen können solche Annahmen nicht Grundlage des Schlichterspruches sein.

Es steht fest, daß von den sieben Planfeststellungsabschnitten für die Neubaustrecke von Wendungen vier sich noch im Planfeststellungsverfahren befinden. Da die Neubaustrecke eine zwingende Voraussetzung für den Tiefbahnhof bedeutet und die Bahn mit den Bauarbeiten fortfahren will, ist es vordringlich, daß die Projektträger für die Neubaustrecke so rasch wie möglich für die rechtliche und finanzielle Absicherung der Neubaustrecke Sorge tragen.

11. Für die Fortführung des Baues von S 21 halte ich aus den genannten Gründen folgende Verbesserungen für unabdingbar:

1. Die durch den Gleisabbau frei werdenden Grundstücke werden der Grundstücksspekulation entzogen und daher in eine Stiftung überführt, in deren Stiftungszweck folgende Ziele festgeschrieben werden müssen: - Erhaltung einer Frischluftschneise für die Stuttgarter Innenstadt. - Die übrigen Flächen müssen ökologisch, familien- und kinderfreundlich, mehrgenerationengerecht, barrierefrei und zu erschwinglichen Preisen bebaut werden. - Für notwendig halte ich eine offene Parkanlage mit großen Schotterflächen

2. Die Bäume im Schloßgarten bleiben erhalten. Es dürfen nur diejenigen Bäume gefällt werden, die ohnehin wegen Krankheiten, Altersschwäche in der nächsten Zeit absterben würden. Wenn Bäume durch den Neubau existentiell gefährdet sind, werden sie in eine geeignete Zone verpflanzt. Die Stadt sollte für diese Entscheidungen ein Mediationsverfahren mit Bürgerbeteiligung vorsehen.

3. Die Gäubahn bleibt aus landschaftlichen, ökologischen und verkehrlichen Gesichtspunkten erhalten und wird leistungsfähig, z.B. über den Bahnhof Feuerbach, an den Tiefbahnhof angebunden.

4. Im Bahnhof selber wird die Verkehrssicherheit entscheidend verbessert. Im Interesse von Behinderten, Familien mit Kindern, älteren und kranken Menschen müssen die Durchgänge gemessen an der bisherigen Planfeststellung verbreitert, die Fluchtwege sind barrierefrei zu machen.

5. Die bisher vorgesehenen Maßnahmen im Bahnhof und in den Tunnels zum Brandschutz und zur Entrauchung müssen verbessert werden. Die Vorschläge der Stuttgarter Feuerwehr werden berücksichtigt.

6. Für das Streckennetz sind folgende Verbesserungen vorzusehen: 7. Erweiterung des Tiefbahnhofs um ein 9. und 10. Gleis. 8. Zweigleisige westliche Anbindung des Flughafen Fernbahnhofs an die Neubaustrecke 9. Zweigleisige und kreuzungsfrei angebundene Wendlinger Kurve 10. Anbindung der bestehenden Ferngleise von Zuffenhausen an den neuen Tunnel von Bad Canstatt zum Hauptbahnhof. 11. Ausrüstung aller Strecken von S 21 bis Wendungen zusätzlich mit konventioneller Leit- und Sicherungstechnik.

12. Die Deutsche Bahn AG verpflichtet sich, einen Streßtest für den geplanten Bahnknoten Stuttgart 21 anhand einer Simulation durchzuführen. Sie muß dabei den Nachweis führen, daß ein Fahrplan mit 30 Prozent Leistungszuwachs in der Spitzenstunde mit guter Betriebsqualität möglich ist. Dabei müssen anerkannte Standards des Bahnverkehrs für Zugfolgen, Haltezeiten und Fahrzeiten zur Anwendung kommen. Auch für den Fall einer Sperrung des S-Bahn-Tunnels oder des Fildertunnels muß ein funktionierendes Notfallkonzept vorgelegt werden. Die Projektträger verpflichten sich, alle Ergänzungen der Infrastruktur, die sich aus den Ergebnissen der Simulation als notwendig erweisen, bis zur Inbetriebnahme von S 21 herzustellen. Welche der von mir vorgeschlagenen Baumaßnahmen zur Verbesserung der Strecken bis zur Inbetriebnahme von S 21 realisiert werden, hängt von den Ergebnissen der Simulation ab. Diese von mir vorgetragenen Vorschläge in den Ziffern 11 und 12 werden von beiden Seiten für notwendig gehalten.
22 Kommentare Kommentar schreiben

S21 minus: Alle, die sich jetzt durch Geißlers Spruch bestätigt in ihrem Tiefenstreben fühlen und darin nur den vermeintlichen Weiterbau-Persilschein sehen, sollten seine Aussagen genauer betrachten. Denn aus seinen zahlreichen Verbesserungsforderungen geht doch hervor, dass das derzeit gültige Projekt 'S21 minus' in den meisten funktionalen Belangen knapp über Schrottwert liegt, also genau die Lösung, die uns seit mindestens 10 Jahren als Glanzstück des Technologiestandorts Deutschland und Zukunftsgarant verkauft wird, die Lösung, der jeder huldigen musste, wenn er sich nicht das Fortschrittverständnis der Amish vorwerfen lassen wollte. Das vorliegende Resultat der ganzen S21-Planungen, in die soviel Zeit und Geld gesteckt wurde, ist als Quintessenz des Schlichterspruchs schlampig und mangelhaft. Und Bahn, Stadt und Landesregierung haben ja allen diesbezüglichen Aussagen zugestimmt; weitreichende Korrekturen werden nötig sein, auch unabhängig vom Stresstest, der ja z.B. mit Barrierefreiheit und Sicherheitserfordernissen nichts zu tun hat. Nur das Faktische hält das Projekt noch am Leben, nur das Alibi der angeblich unzumutbaren Planungszeit für Alternativen und das Schreckgespenst der Ausstiegskosten.

Geissler wurde an der Nase herumgeführt: Mehrmals hat Kefer in der Schlichtung betont 'wir werden Zuwachs auf der Schiene haben, wir wollen mehr Menschen auf die Schiene bringen' Nun kommt T.Gönner und sagt im Interview der Stuttgarter Zeitung : ' Wir waren heute bereit den Kritikern zuzugestehen, dass wir in der Spitzenstunde diese (30% höhere) Leistungsfähigkeit simmulieren und prüfen, obwohl wir davon ausgehen, dass es vor dem Hintergrund des demographischen Wandels , aber auch der Verkehrsprognosen NICHT notwendig ist.' Keiner muss sich wundern, wenn da die Demonstrationen weitergehen. OBEN BLEIBEN

@Peter H.: .... ein köstlicher Kommentar! Traurig gleichzeitig, dass die witzige Ironie leider sehr viel Wahrheit enthält .............. aber super gut geschrieben, ich konnte mich wenigstens mal wieder amüsieren in diesem ganzen Trauerspiel. Danke!

Profiteure genießen die Nachbesserungen. Wir zahlen sie nur!: Je teurer desto besser für die Bahn. Und auch für alle anderen Profiteure des Projekts. Je teurer desto mehr Prozente davon in die eigene Tasche.

ach ja: erst war der Herr Geißler der Held, die Hoffnung aller Bahnfahrer, der Messias all der Geknechteten. Jetzt hat er nicht in eurem Sinne gesprochen, jetzt ist er der Depp. Bravo!!!

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