Helene Hegemann
Vorwürfe gegen junge Autorin
Katja Bauer,
08.02.2010 18:19 Uhr
"„Originalität gibt es sowieso nicht, nur Echtheit.“"
Helena Hegemann zu dem Plagiatsvorwurf
Wo das herauskam? Natürlich im Netz. Der Blogger Deef Pirmasens vergleicht auf seiner Site http://www.gefuehlskonserve.de Passagen aus Hegemanns Buch mit Teilen des im vergangenen Jahr erschienenen - und weitgehend unbeachtet gebliebenen - Romans "Strobo - Technoprosa aus dem Berghain" von einem Autor namens Airen. Die Überschneidungen sind eindeutig und beziehen sich nicht nur auf einzelne ungewöhnliche Formulierungen, sondern ganze Abschnitte.
Der Verlag zumindest scheint von der Schuld seiner Bestseller-Autorin überzeugt zu sein und beeilte sich, ihr diese zuzuschieben: "Über die Verantwortung einer jungen, begabten Autorin, die mit der ,sharing'-Kultur des Internets aufgewachsen ist, mag man streiten", heißt es in einer Erklärung. "Die Position des Verlages ist eindeutig: Quellen müssen genannt und ihre Verwendung muss vom Urheber genehmigt werden."
Eine Seite praktisch abgeschrieben
Hegemann streitet ihr Tun gar nicht ab und nennt sich "total gedankenlos und egoistisch", weil sie nicht alle Menschen erwähnt habe, deren Gedanken und Texte ihr geholfen hätten. Bei der Beschreibung der Welt ihrer 16-jährigen Heldin Mifti habe sie ihre Freunde, andere Autoren und auch sich selbst total beraubt. Inhaltlich verteidigt sie aber ihre Art, einen Text zusammenzustellen: "Originalität gibt es sowieso nicht, nur Echtheit." Von Airen habe sie eine Seite praktisch abgeschrieben ohne sie groß zu verändern, damit aber in Kommunikation mit ihm treten wollen. "Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen."
Dagegen kritisiert der Blogger Pirmasens: "Was (Hegemann) aber nicht versteht oder verstehen will ist, dass Remixen, Samplen, Transformieren usw. vollkommen in Ordnung geht, so lange man sich nicht mit fremden Federn schmückt." Im sozialen Netzwerk Facebook geht Hegemann jedenfalls ziemlich unbeschwert mit der ganzen Aufregung um. An ihre Pinnwand hat sie gepostet: "die geklaute seite war nur drin um zu checken ob leute das buch lesen oder nur drüber reden."
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die zeit
helene hegemann schrieb. dort. gab ihr statement ab. unglaubliche größe. intellekt. selbstiromie. wahnsinnsmädle. eckert-schwegler
StZ mal wieder
Unglaublich. Da wirft ein Verlag die Marketingmaschine an - und alle Medien überschlagen sich. Da wird eine Unbekannte zum literarischen Genie gehypt, einige Kulturjournalisten krähen ins gleiche Horn, weil sie mit dem Buch nicht anfangen können - und schon geht ein Rauschen durch den Blätterwald. Wer es mag, den Gedanken eines spätpubertierenden Mädchens zu folgen - bitte, warum nicht. Aber Axolotl ist weder literarisch noch genial, sondern überflüssig. Und jetzt stellt sich heraus, es sind nicht einmal die eigenen Gedanken. Tja, Pech, von wegen Sharing - Kultur. Da hat sich wohl jemand mit fremden Feder geschmückt. Pech für das Marketing - die USP "literarisches Frühgenie" war wohl ein ziemlicher Fehlgrif. Frech ist aber die Formulierung, der Verlag würde die Verantwortung des Plagiats an die Autorin zurückweisen. Bei der, und zwar allein bei ihr, liegt ja wohl auch die Verantwortung. Wie soll denn ein Verlag wissen, ob ein Autor geklaut hat oder nicht. Also, dummes Zeug. Aber die Stuttgarter hat ja ohnehin eine seltsame Vorstellung von Plagiaten, und scheut nicht davor zurück, mit Abmahnautoren gemeinsame Sache zu machen, gelle. Recherche ist eure Sache nicht