Herbert Blank bei der Antiquariatsmesse Stuttgart Eine Legende behauptet sich im Internet-Zeitalter

Von Thomas Borgmann 

Herbert Blank ist seit 1971 auf der Antiquariatsmesse vertreten – eine lebende Legende. Zu seinen Kunden zählte auch Richard von Weizsäcker, der dem polnischen Politiker Lech Walesa im Namen der Bundesrepublik eine Erstausgabe von Immanuel Kants „Zum ewigen Frieden“ geschenkt hat.

Herbert Blank und seine Schätze: Goethe, Schiller, Kleist und andere Foto: Lg/Zweygarth
Herbert Blank und seine Schätze: Goethe, Schiller, Kleist und andereFoto: Lg/Zweygarth

Stuttgart - Wenn um Punkt elf Uhr die Pforten geöffnet werden, wenn die neugierigen Bücherfreunde, die privaten Sammler, die Museumsleute, die Bibliothekare, die Händler hektisch ins Kunstgebäude am Schlossplatz drängen, dann sitzt Herbert Blank trotz seiner 86 Jahre recht nervös und aufgekratzt an seinem Stand mit der Nummer 51: „Die Stuttgarter Messe, bei der ich 1971 zum allerersten Male meine Raritäten angeboten habe, ist für mich seit 45 Jahren der wichtigste Höhepunkt des Jahres. Ich habe ja nie ein Landengeschäft betrieben wie andere Antiquare, und auch im Internet bin ich mit meinem Angebot nicht vertreten. Ich bin halt ein wenig altmodisch.“

Ein Haus voller alter Bücher

Ob altmodisch oder nicht – Herbert Blank, der im Sillenbucher Ortsteil Riedenberg ein Haus bewohnt, vom Keller bis zum Dach voller Bücher, darunter eine Menge bibliophiler Raritäten, dieser freundliche, stets verschmitzt lächelnde alte Herr, ist eine lebende Legende seiner Zunft. „Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs hat mich hier in Stuttgart ein Ehepaar aufgenommen, das in diesem furchtbaren Krieg alle drei Söhne verloren hatte. Seit 1946 lebe ich in dieser Stadt, hier ist es mir bis heute immer gut gegangen“, sagt er.

Apropos Legende. Im Jahr 2002 feierte Herbert Blank einen international beachteten Welterfolg als Antiquar: „Über lange Jahre hinweg hatte ich die Bibliothek des Schriftstellers Franz Kafka quasi nachgesammelt – mehr als 600 Bände.“ Durch einen Zufall und mit Hilfe des kunstsinnigen Stuttgarters Horst Brandstätter wurde Anton Hunger, seinerzeit Pressechef von Porsche in Zuffenhausen, auf Herbert Blank und seine Kafka-Bibliothek aufmerksam – Porsche kaufte das wertvolle und einzigartige Konvolut und schenkte es mit einem spektakulären Auftritt der rührigen Kafka-Gesellschaft in Prag.

Raritäten sind dennoch schwer an den Mann zu bringen

„Das war meine Sternstunde“ sagt Herbert Blank voller Stolz. Schade nur, dass ihm sein zweiter Coup dieser Art nicht glückte: Die 3000 Bände umfassende Bibliothek des Philosophen Walter Benjamin, ebenfalls über Jahre Stück für Stück und voller Akribie zusammengetragen, hat keine Abnehmer gefunden. Der Antiquar, einer der letzten universell gebildeten Vertreter seines Standes, bietet die Benjamin-Bände jetzt als Einzelstücke an. „Es wird leider immer schwieriger, wertvolle alte Bücher an den Mann oder die Frau zu bringen“, sagt Blank. „Wenn ich in die Zeitung schaue, lese ich die Todesanzeigen und muss zur Kenntnis nehmen, dass meine alten und treuen Sammler sterben.“

Die Liste derer, die bei Herbert Blank zum illustren Kreis der Stammkunden gezählt haben, ist lang: Als Richard von Weizsäcker Bundespräsident war, kaufte das Präsidialamt ein ums andere Mal geschichtsträchtige Werke bei Blank, um sie im Namen der Bundesrepublik und ihres Präsidenten hohen Staatsgästen zu schenken. So erhielt der Pole Lech Walesa durch von Weizsäcker eine Erstausgabe von Immanuel Kants „Zum ewigen Frieden“. Wobei anzumerken wäre, dass Herbert Blank – auch jetzt wieder in seinem Katalog zur 55. Stuttgarter Antiquariatsmesse – ausschließlich Erstausgaben zum Kauf anbietet. Sein Markenzeichen seit Jahrzehnten. Das wussten auch belesene Leute zu schätzen wie etwa Hand Merkle und Marcus Bierich, die beiden ehemaligen Chefs des Hauses Bosch. Auch der Treuhandchef Detlev Rohwedder, 1991 von der RAF ermordet, war ein Büchersammler und treuer Kunde von Blank gewesen.

Ein Goethe-Bestseller für 28 000 Euro

Gestern nun feierte der 86-jährige Senior der hiesigen Antiquare einmal mehr einen schönen persönlichen Erfolg: Goethes Bestseller von 1774, „Die Leiden des jungen Werthers“, eine sehr seltene Erstausgabe, fand für 28 000 Euro einen kundigen und passionierten Käufer. Auch Heinrich von Kleists Trauerspiel „Die Familie Schroffenstein“ stieß für 16 000 Euro auf Interesse. Friedrich Schillers Doktorarbeit, 1780 gedruckt bei Cotta, findet bis Sonntagabend gewiss ebenfalls einen Käufer.

Die Bad Cannstatter Antiquarin Inge Utzt führt heute und morgen, jeweils um 15 Uhr, neugierige Bücherfreunde sachkundig über die Messe. Treffpunkt ist am Eingang zum Großen Messesaal.

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