Hermann-Hesse-Bahn Klage gegen Hesse-Bahn liegt auf Eis

Von Florian Mader 

Calw prüft jetzt einen Fledermaus-Schutz, den es so noch nirgends gibt – und ein Modell für viele Eisenbahntunnel sein könnte.

Die Mopsfledermaus lebt in den Tunnels der Hesse-Bahn. Foto: Nabu
Die Mopsfledermaus lebt in den Tunnels der Hesse-Bahn. Foto: Nabu

Stuttgart - Alle Verhandlungspartner sind am Freitag mit zufriedenen Gesichtern aus dem Verkehrsministerium gelaufen. Jetzt macht sich das Landratsamt Calw wieder an die konkreten Planungen für seine Hesse-Bahn, die einmal von Calw nach Renningen fahren soll.

Denn das Projekt liegt weitgehend auf Eis, seit der Naturschutzbund (Nabu) beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim Klage eingereicht hat. „Ja, die Klage ruht jetzt“, bestätigt der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle unserer Zeitung. Das heißt: Sie wird vom Gericht derzeit nicht bearbeitet. Das heißt aber auch: Zurückgezogen hat der Nabu seine Klage keineswegs.

Wann zieht der Nabu seine Klage zurück?

„Das machen wir erst, wenn die Pläne umsetzungsreif sind“, erklärt Enssle. „Das müssen wir jetzt prüfen.“ Konkret geht es um die Fledermäuse, die in den beiden alten Tunneln auf der Strecke zwischen Calw und Renningen leben. Um sie zu schützen, hatte der Nabu gegen das Projekt geklagt.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte daraufhin zu Vermittlungsgesprächen eingeladen. Schließlich liege ihm das Projekt am Herzen, betonte der Verkehrsminister immer wieder. „Die Wiederinbetriebnahme der Bahn ist mir persönlich wichtig, um den Raum Calw mit dem umwelt- und klimafreundlichen Schienenverkehr an den Raum Stuttgart anzubinden“, lässt sich Hermann in einer Pressemitteilung zitieren.

Das ausgerechnet ein Naturschutzbund dieses Schienenprojekt blockiert, hat den grünen Landespolitikern überhaupt nicht behagt. Die Vermittlung hat nun aber offenbar gefruchtet – jedenfalls vorerst. „Fledermauskammern“ heißt der gemeinsame Vorschlag, mit dem Naturschutz und Bahnverkehr unter einen Hut gebracht werden sollen. Teile des Tunnels sollen abgetrennt werden und den Fledermäusen als Lebensraum dienen.

Alle Beteiligten sind jedenfalls glücklich. „Das ist eine viel versprechende Variante“, sagt der Nabu-Vorsitzende Johannes Enssle. Dennoch, auch das betont er, sei diese Einigung erst ein allererster Schritt. Viel mehr als eine Handskizze existiert von den Fledermauskammern noch nicht. Auch sind sie noch in keinem Tunnel dieser Welt verbaut oder gar getestet worden.

Calw darf erst mal noch nicht weitermachen

Werden die Kammern mit Beton abgetrennt? Oder per Folie? Und wie ist das mit dem Brandschutz vereinbar? All das sollen jetzt weitere Planungen und Gutachten zeigen. Und wann dann der Nabu seine Klage endgültig zurückzieht? „Das kann ich noch nicht beantworten“, sagt der Vorsitzende. „Das hängt davon ab, wie zuversichtlich wir mit den Lösungen sind. Solange die Klage aber nicht zurückgezogen ist, darf das Landratsamt Calw noch keine weiteren Schritte für die Hesse-Bahn unternehmen.

Dennoch ist man dort jetzt wieder entspannter als noch vor wenigen Wochen. „Wir geben jetzt Gas“, sagt Michael Stierle, der Chefplaner der Hesse-Bahn. Damit dann die Bagger sofort anrücken können, sobald alle juristischen Streitereien ausgeräumt sind. Denn die Nabu-Klage ist nicht das einzige derzeitige Hindernis für die Planer. Auch die Stadt Weil der Stadt und mehrere Privatpersonen haben in Mannheim eine Klage liegen.

„Diese Klagen sind aber inhaltlich deutlich einfacher zu bearbeiten“, sagt Michael Stierle. Daher hofft er: „Die Gerichte könnten sich schneller damit beschäftigen.“

Bleibt noch die Frage offen, wer die zusätzlichen Kammern für die Fledermäuse in den Tunneln bezahlt. Das ist noch offen, teilt das Landratsamt Calw mit. Die derzeitigen Planungen und Gutachten zahlen die Projektplaner zwar noch. „Aber dann müssen wir Gespräche führen“, sagt Michael Stierle. Er verweist darauf, dass die Kammern „Modellcharakter“ hätten. „Wir entwickeln hier ein Modell zur Koexistenz von europaweit geschützten Arten und Bahnverkehr, das dann auch übertragen werden kann“, sagt Stierle – und hofft darauf, dass sich das Land dann an der Grundlagenforschung beteiligen wird.