Stuttgart - Ganz ehrlich: Pumps haben ganz objektiv keine Vorteile. Sie sind nicht sonderlich bequem, oft gar gänzlich unbequem, sie hinterlassen schmerzhafte Druckstellen oder Blasen, es ist anstrengend, länger als zwanzig Minuten darin zu gehen, und empfindlich ist das Schuhwerk obendrein.
Aber: keine Frau trägt Pumps beziehungsweise High Heels (alles ab zehn Zentimeter Absatz) aus objektiven Gründen. Wäre die Vernunft das Maß aller Dinge, würde niemand jemals Pumps tragen. Orthopäden müssten sich nicht mit Ballengroßzehen, Spreiz-, Senk-, Plattfüßen, Wirbelsäulenbeschwerden und Knieschmerzen befassen.
Fußpfleger könnten ihre Salons schließen und Designer wie Jimmy Choo, Manolo Blahnik oder Christian Louboutin Konkurs anmelden. Frauen hätten bis ins hohe Alter gesunde, wohlgeformte Füße, und Kostverächter hätten nichts zu schimpfen: "Also ich könnte nicht auf solchen Dingern laufen, da macht man sich doch die Füße kaputt!"
Man gönnt sich ja sonst nichts
Da wir aber nicht im Schlaraffenland der Birkenstock-Träumer leben und der Mensch (die Frau) mitunter ein unbelehrbarer Quadratschädel ist, gibt es so wunderschöne Dinge wie Peeptoes, Riemchenpumps, Wedges oder Stilettos. Mit hohen Hacken an den Fersen kann man hoch erhobenen Hauptes über Stock und Stein trippeln, sich über Kopfsteinpflaster, Gitter und Schotter ärgern und sich dabei trotzdem wunderbar erhaben fühlen.
Dass man die unpraktischen Gehhülsen nach ein paar Gängen durch derart unwegsames Gelände, wie es nun mal in jeder Stadt vorkommt, zum Schuhmacher tragen muss: geschenkt. Man gönnt sich ja sonst nichts (höchstens ein paar Handtaschen).
Früher, als kleines Mädchen, zählte es zu den ganz besonderen Momenten, in die zehn Nummern zu großen Uniform-Absatzschuhe der Mutter zu steigen und damit durch die Wohnung zu schlurfen. "Schau mal, Mama: jetzt bin ich eine richtige Frau!" Was wir damals noch nicht benennen konnten, aber tief in unserer Aschenputtelseele ahnten: Pumps verlängern optisch die Beine (je höher der Absatz, desto mehr), sie ermöglichen einen aufrechten Gang, sie machen einen hübschen Cinderella-Fuß, kurz: sie sind das Tüpfelchen auf dem i eines jeden Outfits.
Die Pumps passen immer
Spätestens seit "Sex and the City" sitzt die Formel: Jeans plus T-Shirt plus High Heels ist gleich ein Hingucker. Wohingegen Jeans plus T-Shirt plus Turnschuhe gleich ein Nullachtfünfzehner ist.
Heute zählt es zu den täglichen, kleinen Freuden der Pumps-Freundin (inzwischen mit passender Schuhgröße), nach jedem erfolgreich absolvierten Gang über das frisch gebohnerte, fies-rutschige Parkett der Betriebskantine eine Beckerfaust zu ballen. Der Albtraum ist nur allzu greifbar: der Absatz rutscht weg, der Fuß knickt um, das Tablett taumelt bedrohlich, der Inhalt des Glases ergießt sich auf den frisch gebohnerten Boden, die Pumps-Freundin verliert den Halt und ...
Bis vor Kurzem gehörte es übrigens zu den letzten Geheimnissen der Pumps-Freundin, warum das zwölfte (beliebig zu ersetzen durch das zwanzigste, dreißigste, hundertste) Paar High Heels nun auch noch sein musste, wo doch erst vor einem Monat der begehbare Schuhschrank vergrößert wurde. Gewiefte Frauenversteher haben nun die Ursache entschlüsselt: hohe Hacken kann eine jede zu jeder Tages- und Nachtform tragen. Ob zwei, drei oder fünf Kilo (beliebig zu ersetzen durch zehn, zwanzig, dreißig Kilo) zu viel auf den Hüften: die Pumps passen immer. Am Fuß nimmt man schließlich genauso wenig zu wie hinterm Ohr.


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