Hilfe für die Flüchtlinge Grammatik und Memory

Von Saskia Dreßler 

Vor einem Jahr kam der erste Flüchtling im Asylheim in Plieningen an. In den zurückliegenden zwölf Monaten haben die Birkacher und Plieninger ihre Hilfsbereitschaft gezeigt. Ein Beispiel von vielen: Gymnasiastinnen geben Nachhilfe.

Der Lehrer Peter Knapp mit seinen Schülerinnen auf dem gespendeten Sofa Foto: Dreßler
Der Lehrer Peter Knapp mit seinen Schülerinnen auf dem gespendeten Sofa Foto: Dreßler

Plieningen/Birkach - Langsam füllt sich der Raum, die Kinder unterhalten sich und legen ihre Hefte auf den Tisch. „Am Anfang ist es nicht leicht gewesen. Da mussten wir die Kinder erst einmal einsammeln“, erzählt Saskia Weller. „Sie haben nicht gewusst, dass wir ihnen helfen wollen. Es war schwierig, ihnen das zu erklären – sie haben uns ja auch kaum verstanden.“

Das erste Ziel ist die Grundschule

Die 16-Jährige gibt zusammen mit ihren Klassenkameradinnen Anke Katrin Fischer, Franziska Horr und zwei weiteren Mädchen einmal in der Woche Deutschnachhilfe im Flüchtlingsheim. Die Flüchtlingskinder besuchen regulär eine Vorbereitungsklasse. Dort lernen sie Deutsch und werden dann, je nach Alter und Können, ein Jahr später in eine Klasse in einer Grundschule eingestuft.

Die Schülerinnen des Paracelsus-Gymnasiums bearbeiten mit den Flüchtlingskindern die Aufgaben aus der Vorbereitungsklasse. Um den Kindern einfache Grammatikregeln zu erklären, orientieren sich die jungen Lehrerinnen an Schulbüchern und Heften.

Flure im Flüchtlingsheim gestrichen

Die Idee für die Nachhilfe hatte ihr Klassenlehrer Peter Knapp. „Ich selbst bin der Beauftragte in Sachen Flüchtlinge für unsere Schule. So besuche ich beispielsweise die Sitzungen des Freundeskreises“, sagt Knapp. Die Schüler des Paracelsus-Gymnasiums Hohenheim engagieren sich in verschiedenen Bereichen für die Flüchtlinge. Die Nachhilfe ist nur ein Teil davon. Zusammen mit Bewohnern haben sie zum Beispiel die Flure im Flüchtlingsheim neu gestrichen, die Schüler rannten bei einem Spendenlauf mit, von dem ersprinteten Geld wurde ein Sofa für das Spielzimmer im Heim gekauft.

Ihr mache die Arbeit mit den Kindern Spaß, sagt Franziska Horr. Es sei nicht immer leicht, und sie bräuchten viel Geduld, aber sie sähen die Erfolge. Inzwischen klappt die Verständigung, und manche Kinder bemühen sich sehr, Deutsch zu lernen. „Natürlich gibt es Unterschiede. Manche Kinder haben keine Lust, dann ist es nicht leicht, sie bei Laune zu halten. Andere aber wollen unbedingt lernen und sind voll bei der Sache“, berichtet Anke-Katrin Fischer. Saskia Weller erzählt von einer jungen Chinesin, die unglaublich interessiert sei und überaus rasch Fortschritte mache. „Das ist auch ein persönlicher Erfolg für uns, wenn wir sehen, dass das Mädchen so schnell und gut lernt“, sagt Saskia Weller.

Lernen bei Memory

Ihre Schüler bringen oft ihre kleinen Geschwister mit. Dann spielen die Betreuerinnen mit den Kleinen Memory, und die Kinder müssen die Bilder mit Wörtern benennen. „So lernen sie gleich mit“, sagt Anke-Katrin Fischer.

Und wenn die Kinder ihren Nachhilfelehrerinnen mal zufällig auf der Straße begegnen, winken sie aufgeregt. „Wir werden auch im nächsten Schuljahr wieder dabei sein“, sagt Saskia Weller zuversichtlich und geht, umgeben von ihren Schülern, zu einem der Tische, damit der Unterricht beginnen kann.

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