Hilfskonvoi für Gazastreifen Viele Tote bei israelischem Einsatz
apn, 31.05.2010 09:19 Uhr
Kleine Eskortschiffe der israelische Marine kehren nach ihrem Einsatz gegen eine Flotte aus Konvoischiffen mit Hilfsgütern in den Hafen von Ashdod in Südisrael zurück. Foto: dpa
Kleine Eskortschiffe der israelische Marine kehren nach ihrem Einsatz gegen eine Flotte aus Konvoischiffen mit Hilfsgütern in den Hafen von Ashdod in Südisrael zurück. Foto: dpa
Jerusalem - Eine israelische Militäraktion gegen einen Schiffskonvoi mit Hilfslieferungen für den Gazastreifen ist am Montag völlig außer Kontrolle geraten. Das blutige Vorgehen der Streitkräfte in internationalen Gewässern stieß im Ausland auf scharfe Kritik und Empörung. Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich "sehr besorgt". Die Türkei berief ihren Botschafter aus Israel ab. An Bord der sechs Schiffe waren 700 pro-palästinensische Aktivisten, darunter nach Angaben der Bundesregierung sechs Deutsche.

Unklare Aussagen über Gefechtsbeginn


Über die Identität der Opfer war zunächst nichts bekannt. Die israelischen Soldaten erstürmten in den frühen Morgenstunden die Schiffe der internationalen Flottille. Die Aktivisten wollten die israelische Blockade umgehen und Baumaterial und andere Waren in den Gazastreifen bringen. Nach israelischer Darstellung wurden die Soldaten mit Messern, Eisenstangen und scharfer Munition angegriffen. Sie hätten daraufhin von ihren Schusswaffen Gebrauch gemacht. Dagegen berichtete ein Reporter von einem der Schiffe, die Israelis hätten schon geschossen, bevor sie an Bord gekommen seien.

Die israelischen Streitkräfte sprachen von mindestens zehn getöteten Aktivisten und mehreren Dutzend Verletzten, darunter einige Soldaten. Die sechs Schiffe wurden von der israelischen Marine ins Schlepptau genommen und in die Hafenstadt Aschdod eskortiert. Hubschrauber brachten die Verwundeten in israelische Krankenhäuser.

Auch deutsche Politiker an Bord


Die Bundesregierung reagierte "bestürzt". Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit müsse gewahrt bleiben, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. "Der erste Anschein spricht nicht dafür." Die Europäische Union verurteilte die "exzessive Gewaltanwendung". EU-Außenpolitikchefin Catherine Ashton forderte eine eingehende Untersuchung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, er sei schockiert. An Bord der Schiffe waren auch zwei Bundestagsabgeordnete der Linken. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, es würden "alle konsularischen Mittel" eingesetzt, um herauszufinden, was mit den deutschen Staatsangehörigen passiert sei. Politiker aller Parteien reagierten besorgt und schockiert.

Türkische Regierung kündigt Konsequenzen an


Der blutige Zwischenfall belastet insbesondere die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Israel und der Türkei. Türkische Aktivisten hatten an der Solidaritätsflotte großen Anteil. Die Regierung in Ankara erklärte, Israel habe internationales Recht verletzt und müsse mit Konsequenzen rechnen. In Istanbul demonstrierten etwa zehntausend Türken gegen den Militäreinsatz. Israel warnte seine Bürger vor Reisen in die Türkei.

Ein Sprecher des Weißen Hauses bekundete "tiefes Bedauern" angesichts der Toten und Verletzten. Netanjahus Büro erklärte am Montag, die Streitkräfte hätten die volle Unterstützung des Regierungschefs. Netanjahu hat wegen der Krise nach der Erstürmung eines Schiffskonvois im Mittelmeer einen geplanten Besuch im Weißen Haus abgesagt. Er wollte eigentlich am Dienstag in Washington mit US-Präsident Barack Obama zusammentreffen. Nach der israelischen Militäraktion entschied er sich jedoch, früher nach Israel zurückzukehren, wie sein Büro mitteilte.
Kommentare (34)
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JUN
07
hoffmann, 23:11 Uhr

gaza

ich glaube herr hoffman,peter hat vergessen das hamas nach demokratische wahlen gekommen ist deswgen das problem ist isreal und nicht hamas

JUN
04
Freund Israels, 09:39 Uhr

Auswege

Herr Hofmann: "Die Forderung sollte lauten, Bewohner von Gaza, jagt die Hamas zu Teufel, dann funktionierts auch wieder mit Israel." Nee, Herr Hofmann, das hat auch vorher nicht "funktioniert". Das kann so lange nicht "funktionieren", solange Israel NUR auf militärische Stärke setzt und den Palästinensern keinen lebensfähigen Staat zugesteht. Was verstehen Sie wohl unter "Funktionieren"? Dass Israel der einzige demokratische Staat in dieser Region ist, stimmt zwar; leider diskreditiert die Regierung Israels die eigene demokratische Grundlage durch eine aggressive Siedlungspolitik gegen jedes Völkerrecht. Übrigens auch gegen jede staatspolitische Vernunft. Die Zeit arbeitet gegen Israel, solange es glaubt, diese Haltung der bloßen Stärke demonstrieren zu müssen. Man lese hierzu den Beitrag von Amoz Oz im Feuilleton der heutigen FAZ :"Tödliche Spirale". In Abwandlung Ihres Schlußsatzes: Die Bürger Israels sollten eine vernünftige, kompromissbereite Regierung wählen.

JUN
04
jakutzi, 08:07 Uhr

Zweifel

Edward3 schreibt am 01.06.2010 "Viele Tote bei israelischem Einsatz Herr Hoffmann, Sie haben keine Chance, gegen die Macht der Medien und der Instrumentalisierung derselben durch die palästinensischen Terroristen und ihrer willigen deutschen Vollstrecker/Helfer anzukommen. Da macht es auch nicht aus, dass im Süden Gazas ebenso eine Blockade, nämlich die von Seiten Ägyptens, exisitiert. Die Mehrheit der hier kommentierenden Leser ist nicht etwa empört über das Vorgehen Israels, sondern vielmehr darüber, dass irgendwo noch Juden exisiteren." Sehr geehrter Edward3, wenn ich die Artikel in den deutschen Zeitungen Revue passieren lasse, meine ich sagen zu können, dass es hier in Deutschland eine sehr große Zurückhaltung gegenüber Israel gibt. Selten geraten Kommentare so harmlos und kritiklos, wie die über Israel. Nun, der Grund ist bekannt und zum Teil nachvollziehbar. Ihren Kommentar - mit Hinweis auf die Macht der Medien - kann ich daher nicht im Geringsten nachvollziehen. Ebenso wie ihre absolut unzutreffende Behauptung, dass „alle empört seien, dass irgendwo noch Juden existieren“. Ich denke die meisten hier in Deutschland können sehr wohl differenzieren zwischen dem Israelischen Volk und der Israelischen Regierung. Vielleicht aber sollten sich die Israelis mal fragen, ob sie wirklich die richtigen Leute mit der heiklen Aufgabe betraut haben, Israel in eine friedliche Zukunft zu führen. Zweifel sind angebracht.

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